Sieben Familienmitglieder unter einem Dach vereint

Biesdorf (MOZ) Ein glückliches Strahlen lag auf dem Gesicht von Ursula Meister. Dazu hatte sie auch allen Grund: Schließlich ist es vor allem ihrer Hartnäckigkeit zu verdanken, dass Biesdorfs Kirche nun auch wieder eine wohlklingende Orgel hat. Pfarrerin Barbara Kohler, die am Sonnabend den Erntedankgottesdienst hielt, dankte dafür der Initiatorin des Vereins Kirche und Dorf noch einmal ausdrücklich. Ursula Meister wiederum gab das Lob umgehend an Jörg Stegmüller weiter, der gemeinsam mit seinem Gesellen das Instrument erst völlig auseinandergenommen, dann schrittweise wieder zusammengesetzt hatte.

Neue Klangfarben in Biesdorfs Kirche: Orgelbauer Jörg Stegmüller und Kantorin Elke Wiesenberg stellten die sieben restaurierten Register des Instruments vor.
© Thomas Berger

"Man sagt ja, die Orgel ist die Königin der Instrumente. Nach der ersten Teilsanierung dachte ich, so, jetzt haben wir nur ein schönes Dorfmädchen - doch inzwischen reicht es mindestens zu einer Prinzessin", fasste sie ihren Eindruck in ein Bild. In ähnlicher Weise äußerte sich Jörg Stegmüller bei der Vorstellung des von ihm geleisteten Werkes, als er die restaurierte Orgel mit einem Haus verglich, in dem eine siebenköpfige Familie wohnt. Deren Mitglieder stellen die einzelnen Register mit ihren speziellen Klangfarben dar. Ohne die Mutter als wichtigste Person geht nichts, sie liefert das Fundament, den Grundton, zu dem sich dann die anderen wechselnd dazugesellen. Organistin Elke Wiesenberg zeigte anhand der Vorgaben Stegmüllers, wie das dann jeweils klingt. Ganz unwichtig, um in seinem Bild zu bleiben, sei auch nicht der Vater, so der Orgelbauer - der damit auf die Frontseite des Instruments verwies, wo die Pfeifen aus dem Prospekt zwischenzeitlich komplett in seiner Werkstatt ausgelagert waren. Gewissermaßen zweieiige Zwillinge sind dann Sohn und Tochter, die beiden nächsten Register, die den Anwesenden vorgestellt wurden. Beim kleinen Kind ließ Stegmüller das Publikum anhand des Klanges seiner Geschwister raten, ob es eher Junge oder Mädchen sei, und dann ist da noch die Oma, ganz schön betagt: "Sie kann für ihr Alter aber noch ganz schön für Stimmung sorgen. Und wenn Ihnen das zu sehr geklappert hat - werden Sie erst 150 Jahre alt!"

Familienmitglied Nummer sieben, eine etwas zurückgezogen lebende Tante, ist aber Stegmüllers besonderer Liebling. "Sehr zart besaitet, aber eine Klangschönheit, die mich immer wieder begeistert", geriet der Orgelbauer schon bei der Erklärung ins Schwärmen. Nicht ohne Grund, wie alle hören konnten, als Elke Wiesenberg auch dieses Register zum Klingen brachte. Am Ende waren alle noch einmal gemeinsam zu erleben, als sich die Familie sinnbildlich um den Frühstückstisch versammelte.

Märkische Oderzeitung vom 10. September 2013

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