Einmaliges Erlebnis: Glockenguss unter freiem Himmel in Gruhno

GRUHNO Bruder Michael ist zufrieden. "Sie haben ein schönes Instrument bekommen", versichert er am Sonntagmittag den Gruhnoern, nachdem ein erster heller Glockenton verklungen ist. Im 117-Seelen-Ort wurde am Samstag eine Glocke unter freiem Himmel gegossen.

Viele Neugierige haben sich am Sonntag in Gruhno eingefunden, um zu verfolgen, wie die Glockengießer die neue Gruhnoer Glocke von Mantel und Kern befreien.
Foto: Heike Lehmann

Etwa hundert Glocken werden jährlich im Kloster Maria Laach in der östlichen Eifel gegossen, aber nur drei- bis viermal passiert das unter freiem Himmel. Dass ausgerechnet das kleine Gruhno, Ortsteil von Schönborn, am Wochenende ein solches Schauspiel erleben durfte, ist der Umtriebigkeit und Hartnäckigkeit von Gemeindekirchenrat Eckhard Heinrich zu verdanken. Es ist ein erster Schritt zu einem neuen Geläut im Gruhnoer Gotteshaus (Dorfkirche des Monats Oktober 2011).

iele Neugierige, wie Pfarrer Martin Nikolitsch mit seiner Frau Annette aus Golßen, sind schon am Samstag ins Dorf gekommen, als die Vorbereitungen laufen. Benediktinermönch Michael Reuter treiben die eher Schweißperlen auf die Stirn. Er und seine zwei Mitarbeiter sind überrascht von der Brandenburger Streusandbüchse. Denn: Die Form aus Lehm, Strohhäcksel und Pferdemist wird eingegraben, bloßer Sand bietet zu wenig Festigkeit. Darum wird beim Verfüllen noch Lehm untergemischt. Dennoch bleibt ein Hauch Ungewissheit, ob der Guss der Glocke mit einem Durchmesser von 64 Zentimetern gelingen wird.

Unweit neben der Form steht der Brennofen. Ein Gewicht von 120 Kilogramm soll die Glocke bekommen. "Wir werden also gut 200 Kilogramm Bronze, mit 78 Prozent Kupfer- und 22 Prozent Zinnanteil, schmelzen. Sicher ist sicher", sagt Bruder Michael. Bis auf 1180 Grad muss das Metall erhitzt werden. Das wird drei Stunden dauern.

21 Uhr ist es soweit. Bruder Michael streift sich den Schutzanzug über. Dann wird der Brennofen geöffnet und das flüssige Metall mit Kellen herausgeschöpft und in die Form gefüllt. Nach nur wenigen Minuten verkündet Bruder Michael: "Die Glocke ist voll. Der Guss ist gelungen." Beifall erklingt.

Nicht weniger spannend ist es am Sonntag. Nach dem Festgottesdienst mit Generalsuperintendent Martin Herche, auch er hat noch keinen Glockenguss im Freien erlebt, füllt sich der Festplatz wieder. Mit einem Gabelstapler wird die Glocke aus der Grube gehoben und schnell von Mantel und Kern befreit. Mit einem staunenden "Oh" wird das Ergebnis kommentiert. Die Inschrift ist erkennbar: "Ev. Kirchengemeinde Gruhno. Ströme lebendigen Wassers. Gegossen am 7. September 2013 in Gruhno". Die Glockengießer wechseln erleichterte Blicke. Ein gutes Signal. Dann darf Eckhard Heinrich die Glocke ein erstes Mal anschlagen. Hell schwingt der Ton über den Platz. Bruder Michael sagt: "Nach einer Formel sollen die Zentimeter im Durchmesser die Sekunden im Nachhall sein. Das haben wir weit übertroffen", freut er sich.

Feinarbeiten an der neuen Gruhnoer Glocke werden die Fachleute im Kloster erledigen, wo auch eine zweite, die größere Glocke für Gruhno entsteht.

Heike Lehmann

Lausitzer Rundschau vom 09. September 2013

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