Ein Engel zeigt die Windrichtung an

Klein Muckrow (MOZ) Nach einem Jahr umfangreicher Bauarbeiten ist nun der erste große Abschnitt der Sanierung der Klein Muckrower Kirche abgeschlossen. Das einst schiefe Gotteshaus mit verwitterten Dachsteinen, grauem Putz und fauligen Holzbalken erscheint seit kurzem in neuem Glanz.

Ein Schmuckstück im Dorf: So präsentiert sich die Klein Muckrower Kirche nach ihrer Sanierung.
© Cindy Teichert
 
Ein Wetterengel zeigt die Windrichtung.
© Cindy Teichert

Wer hätte das vor fünf Jahren gedacht? So manch einer schüttelte den Kopf, als eine Handvoll Klein Muckrower über die Gründung eines Fördervereins zur Erhaltung der Dorfkirche nachdachte. Denn dass dieser es schaffen würde, das Gebäude, das kurz vor dem Verfall stand, zu retten und noch dazu komplett zu erneuern, wurde hinter vorgehaltener Hand von vielen angezweifelt. Aber der kleine, anfangs sieben, inzwischen zwölf Mitglieder zählende Verein mit Eberhard Grünberg als Vereinsvorsitzenden ließ sich davon nicht entmutigen. In Windeseile wurden Spenden und Fördergelder zusammengetragen, um die Sanierung voranzutreiben.

Kürzlich fanden die Bauarbeiten an der äußeren Hülle ihren Abschluss. "Fachwerk, Dach und Turm wurden einer Komplettsanierung unterzogen", so Architekt Uwe Mücklausch. "Natürlich passierte das alles unter denkmalschutzrechtlichen Aspekten. Der Dachstuhl wurde fast komplett erhalten. Und auch die Fenster konnten wir aufarbeiten", erzählte der Fachmann. Lediglich beim Holzfachwerk musste viel Neuholz verarbeitet werden, da ein großer Teil der Balken nicht mehr zu retten war. Das Dach des Kirchenschiffes ist mit roten Biberschwanzziegeln eingedeckt. Der äußere Anstrich des Gebäudes präsentiert sich nun mit hellen Balken, Fächern in Blaugrau und rostbraunen Fensterrahmen. Das Dach des Turmes wurde in seiner Form mit der ursprünglichen Deckung wie vor der Sanierung in den sechziger Jahren wiederhergestellt. Komplett abgerissen hat man den alten Vorbau der Kirche. "Mit Gestattung der Denkmalschutzbehörde konnten wir diesen nach einem eigenen Entwurf neu gestalten", freute sich Mücklausch über diese architektonische Freiheit. Auch der Innenbereich des Gotteshauses erhielt eine neue Farbgestaltung. Decken und Wände erstrahlen in einem warmen Gelbton, unterbrochen von einem grauen, umlaufenden Begleitstreifen.

Mit dem Aufbringen des Turmknopfes und der Wetterfahne auf dem Kirchturm am 29. August wurde das große Vorhaben in ganz kleiner Runde von Norman Thinius von der bauausführenden Firma Thinius Bedachungen, dem Architekten Uwe Mücklausch und einigen Mitgliedern des Fördervereins, allen voran Eberhard Grünberg, zum Abschluss gebracht. Letzter ließ es sich natürlich nicht nehmen, zwei Kapseln zu füllen, die im Turmknopf versteckt wurden. Darin befinden sich nun allerlei wichtige Dokumente für die Nachwelt, darunter natürlich zahlreiche Dokumentationen von Kirche und Dorf sowie eine Kopie der ersten urkundlichen Erwähnung von Klein Muckrow im Jahr 1518. Auch der allererste MOZ-Artikel über den Förderverein und eine aktuelle Tageszeitung waren dabei. "Die heutige MOZ passt sehr gut, denn mit der Berichterstattung über den Ministerpräsident-Wechsel ist sie ja geradezu geschichtsträchtig. Außerdem enthält sie die Ankündigung zu unserem Sommerkonzert", freute sich Eberhard Grünberg über den Zufall. Und natürlich legte man auch noch Münzgeld in Höhe von 3,88 Euro bei - von jeder Münze eine. Wer weiß schon wie lange diese noch im Umlauf sein werden. "Die Beigaben bleiben für mindestens 125 Jahre verschlossen" schätzte Uwe Mücklausch.

Dass alles witterungsdicht eingeschlossen ist, dafür sorgte Detlef Fuchs. Etwa 40 solcher Turmkugeln hat er schon verschlossen. Mit einer sauberen Lötnaht versiegelte er die Kapseln und danach den großen Turmknopf. Im Korb eines Kranes fuhr er bis zur Spitze des Kirchturmes, um dort Turmknopf und Wetterfahne zu befestigen. Auch diese ist aus rostfreiem Edelstahl neu angefertigt und zeigt einen fliegenden Engel. Auf der Fahne sind die Jahreszahlen 1777 und 2013 sowie die Buchstaben "E" und "G" zu sehen, was natürlich viele sogleich scherzhaft auf die Initialen von Eberhard Grünberg zurückführten. Doch auch wenn die kleine Kirche ihm wohl hauptsächlich ihr Fortbestehen zu verdanken hat, bedeuten die Abkürzungen tatsächlich "Erbaut 1777 und Gerichtet 2013", denn mit der Beseitigung der Schiefstellung am Sommeranfang wurde die Kirche wieder aufgerichtet.

Unter dem Applaus der Zuschauer drehte der Wetterengel seine ersten stillen Runden und zeigte korrekt die Windrichtung an. Die kleinste Neuerung ist für die Anwohner eine Erleichterung, denn die alte verrostete Wetterfahne, die dem Engel Platz machen musste quietschte fürchterlich und raubte damit nicht nur den Nachbarn der Kirche den Schlaf, sondern lehrte so manch einem nächtlichen Spaziergänger auch das Gruseln.

Märkische Oderzeitung vom 07. September 2013

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