Dolgelins Kirchenruine ist gesichert

Dolgelin (MOZ) Fast zehn Jahre lang war die Kirchenruine abgesperrt, weil sich immer wieder Steine aus dem Westgiebel lösten. Jetzt ist es endlich gelungen, den Giebel mit den wertvollen mittelalterlichen Putzritzzeichnungen zu sichern. Damit können jetzt auch wieder Veranstaltungen in der Ruine stattfinden.

Beherbergt seltene Kunstschätze: Im Westgiebel der Dolgeliner Kirchenruine sind mittelalterliche Putzritzzeichnungen entdeckt worden. Sie wurden im Zuge der Sicherung des Giebels restauriert.
© Johann Müller

Der imposante Eingangsbogen ist aufgemauert, der Übergang vom Turm zum Giebel begradigt, die Pfeilerreste des Turmes sind auf eine einheitliche Höhe teils abgetragen, teils erhöht worden. - Zwei Wochen lang haben Baudenkmalexperten einer Firma aus Prenzlau am Westgiebel der Dolgeliner Kirchenruine gearbeitet. Sie haben Schadstellen ausgemauert, das mittelalterliche Mauerwerk verfugt. Nun muss noch die Abdeckung aus Metall auf die Mauerkrone, damit kein Wasser mehr eindringen, kein Frost mehr Steine heraus sprengen kann.

"Wir sind froh, dass die Gefahrenquelle beseitigt ist", sagt Pfarrer Martin Müller, vor allem mit Blick auf die angrenzende Grundschule. "Nun können und wollen wir die Ruine auch wieder nutzen", ergänzt der für die Hoffnungskirchengemeinde Oderbruch-Süd zuständige Mallnower Pfarrer. Seit der Sperrung 2004 hat keine Veranstaltung mehr in der auf dem Anger gelegenen imposanten Ruine stattgefunden.

Im Zuge der Sicherung hatte die Landesdenkmalbehörde zugleich restauratorische Arbeiten an den so genannten Fugenbildern angeordnet. Die mittelalterlichen figürlichen Putzritzzeichnungen unterhalb des abgestuften Rundfensters im Westgiebel gelten als die ältesten Bildzeugnisse in der Region! Eine der Zeichnungen zeigt den Heiligen Adalbert, Bischof von Prag und Schutzheiligen Polens und Preußens.

Um die rund 40 000 Euro teure Giebelsanierung bezahlen zu können, müssen die Kirchengemeinde, die Gemeinde Lindendorf, zu der Dolgelin gehört, und der Förderverein der Kirche zusammenlegen. Der Verein war 2002 mit dem Ziel gegründet worden, die zum Kriegsende beschädigte und später teilweise abgetragene Kirche wieder aufzubauen. Allerdings ohne den 1965 gesprengten Kirchturm. Denn die im 13. Jahrhundert von den Templern erbaute Feldsteinkirche mit eingezogenem Chor verfügte ursprünglich nicht über einen Turm. Der war um 1850 vorgesetzt worden.

Doch der Traum vom Wiederaufbau platzte, es gab keine Fördermittel dafür. Nun wollen Kirchengemeinde, Förderverein und Kommune in kleinen Schritten bei der Wiedernutzbarmachung voran gehen. Denn auch die Gemeinde Lindendorf engagiert sich. Sie hat seit Jahren 10 000 Euro auf einem Verwahrkonto für die Sicherung der Ruine angespart. Der Förderverein kann laut des Schatzmeisters Michael Pfeiffer 7000 Euro aus Spenden, dem Verkauf historischer Postkarten und des jährlichen Dolgelin-Kalenders zu den Sicherungskosten beisteuern. Außerdem spendeten drei Dolgeliner Familien jeweils 1500 Euro. Um finanzielle Hilfe sei auch die Denkmalbehörde des Landkreises gebeten worden, sagt Pfarrer Martin Müller. Doch der Antrag ist noch nicht beschieden.

Wenn das Gerüst am Giebel abgebaut ist, kann die Planung für Veranstaltungen beginnen. Die Konzerte, die dort einst stattfanden, waren stets gut besucht. Denn der Klang ist dank einer weiteren Besonderheit der Ruine sehr gut: Es gibt sechs eingemauerte alte "Schalltöpfe" zur Schallverstärkung im Innern.

Märkische Oderzeitung vom 23. August 2013

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