Stahnsdorfer Gotteshaus kann weiter saniert werden

Weltliche Gemeinde hilft Kirchengemeinde

Die weitere Sanierung der Stahnsdorfer Kirche wird aller Voraussicht nach mit Mitteln der Kommune unterstützt. Bürgermeister Bernd Albers sagte nach einer Besichtigung des denkmalgeschützten Gotteshauses, er werde für die Wählergruppe Bürger für Bürger einen Antrag einbringen, wonach noch in diesem Jahr 25000 Euro aus der Gemeindekasse bereitgestellt werden sollen.

Stahnsdorf. An Albersí Seite hatten sich am Freitagabend mehrere Gemeindevertreter über den Zustand der Kirche informiert. Nach Angaben von Walter-August Schlegel, dem Vorsitzenden des kirchlichen Bauausschusses, sind bisher etwa 300000 Euro in die Sanierungsarbeiten gesteckt worden. 125000 davon seien von der weltlichen Gemeinde zur Verfügung gestellt worden, 100 000 Euro vom Evangelischen Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf, der Rest von der Gemeinde selbst. Vom Denkmalschutz gab es nur Auflagen, aber kein Geld. Dort, schätzt Schlegel ein, haben die größeren Kirchen Priorität vor der kleinen Dorfkirche von Stahnsdorf. Die Sanierungsarbeiten hatten im vorigen Jahre begonnen. So ist inzwischen der Turm neu eingedeckt worden, der Dachstuhl hat wieder eine Dielung.

Die in Aussicht gestellten 25000 Euro, das ist die Summe, die in diesem Jahr noch verbaut werden kann. 2014 werden noch einmal 50000 Euro benötigt. Insgesamt sind noch etwa 150000 Euro notwendig. Dafür könnte auch eine neue Heizung eingebaut werden. Die Kirche besitzt war eine elektrische Heizung, aber die ist teuer geworden und wärmt viel Luft unter der Decke und nur wenig die Besucher.

Bei den Gemeindevertretern zeichnete sich parteiübergreifend ab, dass sie die Bauarbeiten unterstützen werden. Das genaue Fertigstellungsdatum ist nicht belegt. Ein Baubeginn um das Jahr 1200 und die Fertigstellung um 1220-1230 gilt aber als sehr wahrscheinlich. Damit entstand sie noch vor der ersten urkundlichen Erwähnung von Stahnsdorf vor 749 Jahren. Der spätromanische Bau diente auch als Wehrkirche. Von Durchreisenden wird das Gebäude gar nicht wahrgenommen, denn es steht abseits der Verkehrsadern am Dorfplatz. Für die meisten Gemeindevertreter ist es trotzdem das Wahrzeichen Stahnsdorfs. Zumal es vergleichbar alte Gebäude nicht gibt. "Erst kommt die Kirche und dann lange Zeit nichts", sagte Albers.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Kirche auch, weil sie viel genutzt wird. Nach Angaben Schlegels ist ein Viertel der Bevölkerung von Stahnsdorf Ort ‒ also der Gemeinde ohne die Ortsteile ‒ evangelisch. Pfarrer Peter Edert berichtete, es kämen immer häufiger Besucher nach Stahnsdorf, die sich die Kirche gern ansehen möchten. Außerdem weist Edert darauf hin: Es war vermutlich die Stahnsdorfer Kirche, in der der später im KZ Flossenburg von den Nazis hingerichtete Theologe Dietrich Bonhoeffer seine erste öffentliche Predigt hielt. Das war am 18. Oktober 1925. Bonhoeffer hatte damals den erkrankten Pfarrer Martin Koller vertreten. Der Text der Predigt ist noch erhalten..

Von Stephan Laude

Märkische Allgemeine vom 18. August 2013

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