Pessiner Kirchenschiff für die Deckensanierung eingerüstet

Rückkehr der Engel

Vier barocke Engel umrahmen ein Bredow’sches Wappen. Auch an allen vier Ecken der Decke des Pessiner Kirchenschiffes tauchen die himmlischen Figuren hinter einem Halbkreis wieder auf.

Die Schäden an den noch nicht sanierten Kirchenfenstern sind weit größer als bisher gedacht. Jetzt macht sich Fördervereinschef Andreas Flender Gedanken, woher zusätzliches Geld kommen kann.
Quelle: Annett Lahn

Pessin. Noch kann der Vorsitzende des Kirchenfördervereins Andreas Flender die schmucken Ornamente nur auf einer Zeichnung zeigen, aber schon zur Hubertusmesse Anfang November dieses Jahres sollen die Besucher des wohl ältesten Gotteshauses im Landkreis Havelland ihre Köpfe in den Nacken legen und die sanierte Stuckdecke bewundern können.

Für rund 60.000 Euro wird sie in den kommenden zwei Monaten saniert. Wie Flender betont, verlaufen die gesamten Bauarbeiten in der Kirche ‒ Erneuerung der Bänke, Schwammbeseitigung an der Nordempore ‒ ganz ohne öffentliche Förderung. Saniert wurde dort mit Geld von Stiftungen und aus Spenden nach Veranstaltungen.

Bevor die acht Engel wieder ihren ursprünglichen Platz einnehmen können, erneuert eine Berliner Restaurierungsfirma den Unterputz und bessert die Stuckfriesen an der Seite aus. Die spätbarocken Ornamente aus dem Jahr 1739 zierten bis in die 50er-Jahre die Decke über den Kirchenbänken. Wie Flender nach dem Gottesdienst am Sonntag der MAZ berichtete, wurden sie aus unverständlichen Gründen in den 50er-Jahren von dort entfernt. "Man meinte, die Decke wäre mit dem Schmuck zu schwer und wollte die Engel dem Heimatmuseum übergeben", erzählte Flender.

Doch dort kamen die himmlischen Gestalten nie an. Die Teile lagen in der Kirche herum. "Glücklicherweise hat sie Christel Kabot aufgesammelt", lobte Flender die aufmerksame Bürgerin. 30 Teile befinden sich bis heute, gut verpackt, im weichen Stroh der alten Schweinebuchte der Pessinerin und werden demnächst wieder die Decke schmücken. Etwa 50 Prozent der Stuckteile müssten rekonstruiert werden.

In der vergangenen Woche wurde das 200 Quadratmeter große Kirchenschiff eingerüstet. Der wertvolle Kanzelaltar mit seinen hölzernen Aposteln verschwand unter einer Malerfolie und wird während der Bauarbeiten in einen Holzkasten gehüllt, so Flender.

Pfarrer Michael Jurk wünschte sich beim kleinen Gottesdienst am Sonntag, dass die Handwerker die Innenräume mit dem gleichen Geschick erneuern wie die äußere Fassade, die bereits in hellen Farben erstrahlt.

Als Wermutstropfen bezeichnete er die plötzlichen Probleme bei der Erneuerung der Fenster. Kirchbauexperte Flender erklärte diesbezüglich, dass vor wenigen Tagen die Hiobsbotschaft kam, dass an den großformatigen Fenstern viel mehr repariert werden müsse als ursprünglich geplant war. "Weil einige Hölzer erneuert und kaputte Scheiben ausgetauscht werden, brauchen wir neben dem Maler noch einen Tischler", so Andreas Flender. Die Mehrkosten würden sich auf etwa 14000Euro belaufen. Da bei diesem Bauprojekt öffentlich gefördert wird, muss das Geld bis zum kommenden Jahr aufgetrieben werden. Woher die finanziellen Mittel kommen sollen, ist noch unklar.

Wer selbst den Baufortschritt an der imposanten Pessiner Dorfkirche in Augenschein nehmen möchte, hat dazu am 8. September Gelegenheit. Das Gotteshaus mit dem spätgotischen Backsteinturm ist an diesem Tag des Offenen Denkmals ab 10 Uhr geöffnet. Neben Führungen und einem Mittagsimbiss vom Grill gibt es um 14.30 Uhr Kindertheater und um 17 Uhr ein Konzert der Musikschule.

Von Annett Lahn

Märkische Allgemeine vom 12. August 2013

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