Glockenläuten über Dobberzin

Dobberzin (MOZ) Der Dorfverein Dobberzin ist in der Bußgeldliste Brandenburger Gerichte aufgeführt. Jedoch nicht auf der Sünderseite, sondern als potenzieller Nutznießer. Darin aufgenommene gemeinnützige Vereine erhalten aus Bußgeldern von Verurteilten Zuschüsse für Projekte. Die Dobberziner wollen dieses Geld in ihre Dorfkirche stecken.

Kirchturm ohne Uhr: Das soll sich ändern.
© MOZ/Oliver Voigt

In Dobberzin ist die Zeit stehen geblieben. Nicht, dass die Einwohner des kleinen Angermünder Ortsteiles verschlafen und von gestern wären, im Gegenteil: Hier ist in den vergangenen Jahren durch Vereine und großen Gemeinschaftssinn sehr viel bewegt worden. Stehen geblieben ist die Kirchturmuhr. Seit über 150 Jahren kann man an der Dobberziner Dorfkirche weder sehen, noch hören, was die Stunde geschlagen hat. Schon 1834 vermerkte die Kirchenvisitation: "Ferner wurde festgestellt, dass eine Kirchturmuhr vorhanden, aber nicht in Betrieb ist." 1917 hat die Kirche eine ihrer beiden Glocken für den Krieg eingebüßt.

Nachdem bereits in den vergangenen Jahren der mittelalterliche Feldsteinbau umfassend saniert, der Vorplatz neu gestaltet und die Kirche auch als dörfliches Kulturzentrum nutzbar gemacht wurden, will der Dorfverein nun gemeinsam mit der Gemeinde der denkmalgeschützten Kirche Turmuhr und Glockenschlag und damit quasi ihr Herz zurückgeben. Sie haben ein Projekt mit dem bezeichnenden Namen "Turmuhr-Stundenschlag-Glockenläuten-neue Glocke Dorfkirche Dobberzin" auf den Weg gebracht. In dem Wortbandwurm ist alles enthalten, was die engagierten Dobberziner vorhaben.

"Wir wollen damit unserer Kirche ein Stück von ihrem alten Glanz wiedergeben", fasst es Wolfgang Neudeck vom Dorfverein zusammen. Neben der Restaurierung des Uhrenwerkes und der Zeiger, soll eine neue Glocke gegossen und ein elektrisches Geläut eingebaut werden. Die vorhandene zweite Glocke muss überholt und die Elektroanlage im Kirchturm erneuert werden. Per Stimmzettel wurden alle Dobberziner unter anderem zu Glockenschlagzeiten befragt.

Seit drei Jahren arbeiten der Verein und die Kirchengemeinde am Projekt. Bauherr ist die Kirche. Es wurden bereits Gutachten und Preisangebote eingeholt, Spendenbittbriefe an regionale Firmen versandt und Förderanträge u. a. bei der Bürgerstiftung der Sparkasse Uckermark, beim Denkmalschutz und beim Kulturfonds des Landkreises Uckermark sowie beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Potsdam gestellt, der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg sowie die Stiftung "Maßwerke Berlin" um Unterstützung für das Projekt gebeten und schließlich die Aufnahme in die Bußgeldliste der Gerichte erreicht. "Die Mittel sind ja überall knapp. Nicht überall waren wir erfolgreich", räumt Wolfgang Neudeck ein. 21 900 Euro werden insgesamt benötigt. 19 000 Euro sind bereits durch Fördermittel der Bürgerstiftung der Sparkasse und Spenden der Dobberziner Agrar GmbH, dem ABE Angermünde, der Volksbank, Malermeister Voss, Firma Wrasse, IAB Pinnow, Ortsbeirat, Kirchengemeinde sowie Eigenleistungen zusammengekommen. Die noch fehlenden 3000 Euro soll eine Spendensammlung im Dorf erbringen.

Am 21. September lädt der Dorfverein zum Chorkonzert und Herbstsingen in die Dorfkirche ein und will damit einerseits noch einmal die Spendentrommel rühren, vor allem aber allen Spendern und Unterstützern Dank sagen. "Wir sind sicher, dass es uns durch die Verbundenheit der Dobberziner mit ihrer Kirche gelingen wird, das Projekt im Herbst diesen Jahres abschließen zu können", gibt sich Wolfgang Neudeck zuversichtlich. Die Elektroanlage wird bereits montiert. Die neue Glocke soll im September in Lehm gegossen werden.

Märkische Oderzeitung vom 07. August 2013

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