Der Schatz von Kunow

Kunow (MOZ) Mehrere Monate klopfte Sonia Cárdenas jeden Zentimeter an der Kunower Dorfkirche ab. Das Ergebnis überraschte die Restauratorin sogar selbst, vor allem, dass die Fundstücke so gut erhalten sind - ob es die mittelalterlichen Fugenbilder an der Außenfassade sind oder die barocken Blumenornamente an den Dachbalken. Ihre Ergebnisse stellte Sonia Cárdenas am Mittwochabend im Kunower Gemeindehaus vor.

Malerei aus dem 17. Jahrhundert: Die Holzbalken unter dem Dach in der Kunower Dorfkirche zeigen florale Verzierungen, die Restauratorin Sonia Cárdenas dem Barock zuordnet.
© MOZ/Oliver Voigt

Unterschiedliche Bauphasen leitete die Restauratorin aus ihren Untersuchungen ab: Sie reichen vom 13. bis ins 19. Jahrhundert. Jede Epoche hat an der Kirche ihre Merkmale hinterlassen. Doch es sei eindeutig zu erkennen, dass an dem Gebäude vor allem Spuren aus dem Mittelalter erhalten geblieben sind, sagte Sonia Cárdenas.

Schon 1996 war die Außenfassade Bestandteil einer Untersuchung. Damals hatten die Restauratoren jedoch nicht die Möglichkeit, das Haus von nahem zu begutachten - es stand nämlich kein Gerüst um die Kirche herum. Heute ist die Lage eine andere. Aufgrund der Sanierungsmaßnahmen ist die Dorfkirche komplett eingerüstet, sodass die Fassade im Millimeterabstand untersucht werden konnte.

Bei näherer Betrachtung stellte Sonia Cárdenas fest, dass nicht vor allem barocke Spuren sichtbar sind, sondern mittelalterliche - Unterschiede, die mit einem ungeübten Auge kaum zu erkennen sind. Das stellten die Zuhörer am späteren Abend selbst fest, als sie der Kirche gemeinsam mit der Spezialistin einen Besuch abstatteten.

In luftiger Höhe zeigte Sonia Cárdenas den Interessierten ganz praktisch, was sie zuvor in ihrer Präsentation theoretisch erläutert hatte: An der Südwand entdeckt man beispielsweise, dass die Kirchenfenster im Barock vergrößert wurden, sodass aus den ursprünglichen Spitzbögen des Mittelalters Rundbögen entstanden. Auch ist anhand der Formation der Feldsteine auf der Südseite zu erkennen, dass im Erdgeschoss einst ein zusätzliches Portal vorhanden war. Heute ist der Eingang zugemauert.

An der Chorseite hat Sonia Cárdenas einen mittelalterlichen Fries entdeckt. Sogar die ursprüngliche Farbe - ein warmes Rot - konnte sie ausfindig machen.

"Ich erkenne jetzt viel mehr als vorher", sagte eine Besucherin zufrieden. "So genau habe ich noch nie hingeguckt.

Auch im Innenraum ist die Restauratorin auf verschiedene Schmuckstücke gestoßen: So fand sie an den Dachbalken florale Ornamente, die sie in die Zeit des Barock zurück datiert. Die Blumenbilder sind sowohl im Chor als auch im Kirchenschiff als dekoratives Moment angebracht.

Kommende Woche starten an der Kirche die Sanierungsarbeiten. Der erste Schritt ist die Erneuerung des Dachstuhls, danach wird das Dach neu gedeckt.

Märkische Oderzeitung vom 11. Juli 2013

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