Ahlsdorfer wollen Kirche und Co. erlebbar nutzen

Interessengemeinschaft Kranichgrund will sich im Herbst als Verein etablieren

AHLSDORF Wie kann und soll sich das kulturelle und religiöse Leben in Ahlsdorf gestalten, wenn die Sanierung der altehrwürdigen barocken Patronatskirche im nächsten Jahr beendet ist? Die Interessengemeinschaft (IG) Kranichgrund bewegt dieses Thema sehr. Immerhin werden gerade mehr als 640 000 Euro verbaut. Das empfinden viele Einwohner als eine Verpflichtung.

Zeitgleich mit der Sanierung der Kirche, die deutlich voranschreitet, beraten (v.l.n.r.) Detlef Schmidt, Dorit Zaffky, Antje Berger, Hans Werner Unger und weitere Mitstreiter, wie die Ahlsdorfer Kulturgüter künftig besser genutzt werden können.
Foto: Gabi Zahn /gzn1

Hart haben die Ahlsdorfer und Hohenkuhnsdorfer seinerzeit dafür gekämpft, dass das arg geschädigte Kirchengemäuer saniert wird. "Die Investition aus öffentlichen Mitteln, Geldern der Kirche und einer beachtlichen Spendensumme ist viel zu hoch, als dass die Kirche künftig nur einmal im Monat zum Gottesdienst genutzt werden sollte", sagt Dorit Zaffky. Diese Meinung teilt sie mit Hans Werner Unger, Antje Berger, Sabine Tischer, Martin Wehner und anderen Gleichgesinnten. Sie haben sich ungeachtet politischer und religiöser Ambitionen in dem Schönewalder Ortsteil als Interessengemeinschaft Kranichgrund zusammengefunden. Detlef Schmidt, der als Lektor selbst Gottesdienste hält, gehört zwar nicht zu diesem Personenkreis, unterstützt jedoch voll das Engagement: "In den umliegenden Orten ist es ähnlich. Wenn jetzt nichts versucht wird, vergeben wir uns eine große Chance."

Nutzen, was nur Ahlsdorf hat

Doch nicht nur die Kirche allein, liegt ihnen am Herzen: "Wir haben noch so viel mehr zu bieten", sagt Hans Werner Unger und zählt auf: "den Schlosspark, die Siemens-Gruft, das Teehaus, die Festscheune, die sagenumwobene Trinitatis-Kirche in Hohenkuhnsdorf, dazu noch die Kirchenstraße Elbe-Elster, ein gut ausgebautes Radwander- und Wandernetz, direkte Verbindung zu Schloss Wiepersdorf und zunehmend bessere Kontakte ins Ländeken." Das sei eine ganze Menge für nur 250 Einwohner. "Wenn wir es uns aber nicht auf die Fahne schreiben, all das wirklich zu nutzen und vor allem auch über die Region hinaus zu bewerben, wird es kein anderer für uns tun. Wir müssen sprichwörtlich Pflöcke in die Erde rammen, um auf uns aufmerksam zu machen. Sonst werden wir hier vergessen", prophezeit Unger.

Der Senior, der seit 1985 mit seiner Frau in Schmielsdorf lebt, nutzt zum Beispiel frühere berufliche Verbindungen zur Musikhochschule in Leipzig, um exzellente Konzerte zu organisieren.

Weiteres Konzert geplant

Freunde der Klassik können sich jetzt schon den 6. Oktober vormerken. Wenn alles klappt, werden dann Studenten des Instituts für Musikpädagogik der Leipziger Musikhochschule Werke von Franz Schubert und Johann Sebastian Bach in der Hohenkuhnsdorfer Kirche vortragen.

Ebenso wie Unger hat auch Antje Berger den Kranichgrund zur Wahlheimat gemacht. Sie ist Schulleiterin der Grundschule in Annaburg/Sachsen-Anhalt und sagt: "Um richtig Wurzeln schlagen zu können, will ich mehr über die Geschichte von Ahlsdorf erfahren. Ich weiß, dass es auch anderen Zugezogenen so geht."

Familienchroniken verbinden

Die "Nachrichten aus dem Kranichgrund", die von der IG regelmäßig herausgegeben werden, sensibilisieren die Bürger zum Mitmachen. Das Dorffest, die Laienspielgruppe, sportliche Traditionen, heimatkundliche Vorträge, die zahlreichen Aktionen der Seniorengruppe und anderes mehr bieten Betätigungsfelder. "Unsere Vorfahren haben Werte geschaffen. Man stelle sich nur vor, wie sie vor Hunderten von Jahren Feldsteine bewegten, um die Kirchen zu bauen", führt Unger vor Augen. Kunsthandwerker haben in den Gotteshäusern Altar, Kanzel, Taufengel, Epitaphe und andere Kostbarkeiten geschaffen. Unzählige Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Trauergottesdienste zeigen Verbindungen zu fast jeder Familie im Ort, auch zu der von Georg von Siemens als Gründer der Deutschen Bank und zu den von Arnims. "Allein deren Chroniken zeigen, wie geschichtsträchtig unsere Heimat ist", ergänzt Zaffky.

Um wirkungsvoller agieren zu können, will sich die IG als Verein etablieren. Die Gründung ist für den Herbst vorgesehen. "Wir haben lange überlegt, doch es ist die richtige Entscheidung. Mit dieser Struktur schaffen wir uns einen rechtlichen Rahmen und mehr Akzeptanz bei Behörden, Institutionen und Sponsoren", zeigt Dorit Zaffky auf. Freilich werden weitere Mitstreiter gesucht.

Schon jetzt gibt es Projekte, wie zum Beispiel die 1. Brandenburgische Landesausstellung in Doberlug-Kirchhain im nächsten Jahr, die auch für Ahlsdorf gewinnbringend ist.

Landesausstellung motiviert

Weil das Thema "Wo Preußen Brandenburg küsst" den Kranichgrund unmittelbar betrifft, hat die IG angeregt, ein Theater-Projekt der Schönewalder Grundschule mit zu fördern, das die Sage vom Hohenkuhnsdorfer Kirchturm auf die Bühne bringt, verrät Hans Werner Unger.

Zum Thema:

Mit Blick auf die voranschreitende Kirchensanierung wächst die Notwendigkeit, auch die Orgel wieder bespielbar zu machen. 30 000 Euro sind dafür in der Bausumme enthalten. Dazu kommen noch weitere Mittel der Kirche und Spendenerlöse. Ob die noch vorhandenen Reste des Instruments für einen Wiederaufbau geeignet sind, ist jedoch fraglich. Der Gemeindekirchenrat hat deshalb den Beschluss gefasst, den Orgelsachverständigen des Kirchenkreises, Kantor Gerhard Noetzel, mit einem Gutachten zu beauftragen. gzn1

Gabi Zahn / gzn1 gzn1

Lausitzer Rundschau vom 06. Juli 2013

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