"Der Bau endet jedenfalls nicht wie der BER-Flughafen"

Halbzeit bei der Kirchensanierung in Sewekow mit Richtfest gefeiert

SEWEKOW - Hartmut Ruge aus Sewekow hat gestern den letzten Nagel in die Dachbalkenkonstruktion der Dorfkirche in Sewekow eingeschlagen. Alle Aktivisten, die vor genau zwei Jahren den schlimmen Bauzustand dieser Dorfkirche an die große Glocke gehängt hatten, waren beim Richtfest dabei.

"Die Hälfte ist jetzt geschafft. Am 1. August beginnt die Dachdeckerei Detlef Schläfke mit dem Auflegen der Dachsteine und im September ist die Kirche so gut wie fertig saniert", sagt Baugutachter und Planer Ingo Dreger, der auch die Bauüberwachung sicherstellt. "Die Kosten werden streng überwacht. Die Baugewerkevergabe ist vorsichtig erfolgt und wir liegen im Limit. Der Bau endet jedenfalls nicht wie der BER-Flughafen", fügt Dreger hinzu.

Der Baugutachter hatte vor genau zwei Jahren das Schreckensbild von der Gefahr auseinander brechender tragender Mauern gezeichnet. Bürger, der zuständige Pfarrer, Mitglieder vom Kirchenkreis "Dranser Land" und die Kirchenälteste Ingeborg Ruge waren damals beim Treffen dabei. Sofort setzte eine Initiative zur Kirchenrettung ein. Die Sewekower waren mit viel Herz und Geld dabei. Für sie ist die Dorfkirche doppelt wichtig als besinnlicher Ort der Einkehr und als Kulturstätte mit touristischer Bedeutung.

Von der Stadt Wittstock gab es außer der Reihe ein ordentliches Geldsümmchen für den Eigenmittelanteil, der Bedingung für die Förderung und Finanzierung durch das Landes-Kirchenbauamt war. Das Dach war so marode, dass es einzustürzen drohte und nur mit vielen Holzstempeln sichtbar bis ins Kircheninnere gehalten werden konnte. Dank fertiger Gutachten und Bauplanungsunterlagen ging es ganz schnell mit der Geldbewilligung und dem Baubeginn. Der verzögerte sich im vergangenen Jahr zwar wegen fehlenden Materials anfangs nochmal, im März in diesem Jahr ging es aber flott voran mit den Zimmererarbeiten der Bennert-Zimmerei aus dem thüringischen Klettbach. Sie hatte das richtige Holz mitgebracht und in den vergangenen Monaten verbaut. Dabei durfte aus Denkmalschutzgründen keinesfalls der komplette Balken entfernt werden. Nur die schadhaften Stellen waren mit frischem Holz stückweise auszubessern. Auch das Gesims für die Dachbalkenauflage wurde neu gemauert.

Vor der handfesten handwerklichen Arbeit war viel Initiative gefordert. Eine Interessengemeinschaft hatte sich in Sewekow gebildet, die sich um kulturelle Gastauftritte im Dorf bemühte, Honorare wurden zugunsten der Kirchensanierung gespendet. Auf verkaufte Veranstaltungskarten war ein Spendenobolus aufgeschlagen. Beim Sewekower Dorffest wurde Selbstgemachtes verkauft. Die Einnahmen gingen aufs Spendenkonto.

Der Knüller waren selbst entworfene Spendenurkunden in Gold, Silber und Bronze, je nach Spendenhöhe. Sie hatten sich als zugkräftig erwiesen und waren sogar an Geldgeber im Ausland verschickt worden. Ein Spendenbarometer auf der Sewekow-Internetseite informiert aktuell über den Stand für den gespendeten Eigenmittelanteil.

Beim Richtfest brachte Zimmerer Karl-Heinz Baumbach den Richtspruch aus. Er hob hervor, dass das Haus vor Sturm und Wasser geschützt sein soll. Dann überließ er stellvertretend für die Kirchenälteste ihrem Mann die letzten Hammerschläge für den letzten Dachnagel. Hartmut Ruge trieb ihn geübt und ohne Fehlschlag in den Balken.

Noch ist der Sewekower Kirchenraum vollständig eingerüstet. Die Kirchen-Insignien sind an ihren Standorten in dem Gotteshaus schützend eingepackt und die wertvolle Kirchenorgel ist eingehaust worden.

Dieser Anblick wird sich den Besuchern auch am Tag des offenen Denkmals im September darbieten. Bei Führungen werden sie erfahren, warum die Kirche ein ungeliebtes Baudenkmal war. Das nämlich ist das Motto des nächsten Denkmaltages.

Zum Richtfest in Sewekow informierte Heidi Schäfer gestern auch darüber, dass trotz der abgesperrten Kirchenbaustelle nicht der beliebte plattdeutsche Gottesdienst mit Pfarrer Gottfried Winter ausfällt. Der 13. plattdeutsche Gottesdienst wird am 28. Juli ab 15 Uhr erstmalig unter freiem Himmel an der Max-Schmeling-Halle Sewekow stattfinden. (Von Gerd-Peter Diederich)

Märkische Allgemeine vom 13. Juni 2013

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