Architekten wetteifern ums Kirchenschiff Gubin

Bis zum 8. Juni können Anträge bei der deutsch-polnischen Jury eingereicht werden

GUBIN/GUBEN Die deutsch-polnische Jury im Architektenwettbewerb zur Gestaltung des Kirchenschiffs der ehemaligen Stadt- und Hauptkirche in Gubin hat sich konstituiert. Damit steht das Gremium fest, das bis zum 28. Juni entscheiden wird, welche Architektur- und Planungsbüros oder Unternehmen in die engere Wahl kommen und tatsächlich in den Wettbewerb gehen.

Das Kirchenschiff wirkt auch ohne Dach imposant und bietet eine erstaunliche Akkustik. Die Neugestaltung ist eine architektonische Herausforderung.
Foto: Beate Möschl

Die im zweiten Weltkrieg zerstörte ehemalige Gubener Stadt- und Hauptkirche wird nicht mehr als Kirche genutzt. Sie gehört der Stadt Gubin und soll in deutsch-polnischer Gemeinschaftsarbeit zu einem europäischen Kultur- und Begegnungszentrum ausgebaut werden. Seit 2005 gehen die Sanierungsarbeiten sichtbar voran, unterstützt vom polnischen Staat, der Europäischen Union und von vielen ehrenamtlichen Helfern und Sponsoren. Während die Hülle des etwa 67 Meter hohen Kirchturms bereits saniert ist, neue Zwischendecken eingezogen sowie Innen- und Außentreppen errichtet wurden, geht es nun darum, eine geeignete Lösung für das unbedachte Kirchenschiff zu finden.

Bis zum 8. Juni können können sich Architekten für die Teilnahme an dem Wettbewerb anmelden. Die Stadt Gubin hat bereits Ende April einen entsprechenden Architektenwettbewerb ausgelobt. "Am 23. Juni wird die Jury mitteilen, welche Firmen zu dem Wettbewerb zugelassen werden", kündigt Anna Dziadek, Leiterin der Bauhütte Kirche Gubin, an. Am 1. Juli sollen dann die vier zum Architektenwettbewerb zugelassenen Teilnehmer die Kirchenruine vor Ort besichtigen können. Bis September sollen ihre Ergebnisse vorliegen und die Entwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt werden, so Anna Dziadek.

Die deutsch-polnische Jury umfasst 20 Mitglieder. "Dem Bürgermeister von Gubin, Herrn Bartczak, kam es nicht nur darauf an, Sachverstand aus den Bereichen Architektur und Denkmalschutzes in der Jury zu versammeln. Ihm war es besonders wichtig, auch all jene an dieser wichtigen Entscheidung zu beteiligen, die sich von Anfang an mit viel Herz und Arbeit engagiert haben für den Wiederaufbau der Kirche als europäisches Kultur- und Kommunikationszentrum, wie zum Beispiel Pfarrer Zbigniew Samociak", erläutert Anna Dziadek.

Mitglieder der Jury sind von deutscher Seite Prof. Rolf Kuhn, ehemals Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung (IBA) "Fürst-Pückler-Land", die zwischen 2000 und 2010 in der Lausitz stattfand, Prof. Frank Schwartze, Stadtplaner und Gastprofessor für Stadtplanung und Raumgestaltung an der BTU Cottbus, Florian Mausbach, ehemaliger Bundesbauplaner und Architekt des Haptstadtumzugs von Bonn nach Berlin, Gubens derzeit amtierender Bürgermeister Fred Mahro, Günter Quiel, Vorsitzender des Gubener Fördervereins zum Wiederaufbau der ehemaligen Stadt- und Hauptkirche in Gubin sowie Architekt Stefan Scholz, Berlin.

Auf polnischer Seite sind in der Jury vertreten: Dariusz Bocheñski, Geschäftsführer der deutsch-polnischen Gemeinschaftskläranlage Guben-Gubin, Architekt Micha Buszek sowie Borysaw Czarakcziew, Vorsitzender der Architektenkammer der Wojewodschaft Malopolska (Kleinpolen), der ehemalige Gubiner Bürgermeister Czesaw Fiedorowicz, Marcin Gawlicki, Mitglied des Wissenschaftsrates für den Wiederaufbau der Gubiner Pfarrkirche, der 2009 von der Leiterin der Lubusker Denkmalschutzbehörde, Barbara Bielinis-Kopec, gegründet wurde, und Marcin Gierstun, ehemaliger Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung Fara Gubinska. Wetere Mitglieder der Jury sind: Architek Leszek Horodyski sowie Professorin Ewa uzyniecka und Professor Dariusz Markowski von der Kopernikus–Universität Torun als Experten für Denkmalschutz, Leszek Ochotny, Vorsitzender des Gubiner Stadtparlaments, Krzysztof Olifirowicz-Kalinowicz, Dezernent für Investitionen bei der Stadtverwaltung Gubin, Jacek Owczarek, Leiter des Schlesischen Zentrums für Kulturgüter, Zbigniew Samociak, ehemals Pfarrer in Gubin und heute Domprobst in Gorzow, sowie der freie Architekt Dr. Jakub Szczepañski.

Beate Möschl

Lausitzer Rundschau vom 06. Juni 2013

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