Rüstung wird jetzt aufgestellt

Der erste Bauabschnitt für die Dachsanierung der Stiftskirche in Stepenitz wird vorbereitet / Haus 10 vorübergehend leer

STEPENITZ - Seit der vergangenen Woche wird aufgerüstet rund um die Kirche des Evangelischen Stiftes Marienfließ in Stepenitz (Amt Meyenburg). "Wir haben mit den bauvorbereitenden Maßnahmen begonnen", erklärt Uta Gliffe, die Leiterin des Klosterstiftes.

Innen und außen stehen die ersten Gerüste an den Kirchenwänden. Die Meyenburger Dachdeckerfirma Krassowski nimmt die alten Biberschwänze auf einer Breite von zwei Metern herunter. So kann die Zimmerei das Aufmaß nehmen für die Balken, die nach Maß gefertigt werden. Die gesamte Holzkonstruktion unter dem Dach muss saniert und "statisch ertüchtigt" werden, so die Stiftsleiterin. Jetzt stehen die ersten neun Gebäudeachsen an. Die Planung für das Projekt hat das Planungsbüro IBS aus Berlin gemacht, das in der Prignitz auch andere Kirchensanierungen plante etwa die der Wallfahrtskirche in Alt Krüssow (Stadt Pritzwalk).

"Das Problem ist, dass die komplett ausgemalte Kassettendecke in der Kirche an den Balken befestigt ist, die jetzt erneuert werden müssen", erläutert Uta Gliffe. Es sei für die Handwerker eine Herausforderung, sie nun vorsichtig herauszunehmen und danach wieder einzusetzen. Die Mitarbeiter der Zimmerei Albert Rogmann GmbH aus Parchim stellten gestern die innere Rüstung beidseitig des Kircheschiffes auf. Sie soll später bis zur Decke reichen und die Kassetten stützen, wenn die Träger herausgenommen werden. Die Arbeiten selbst können erst mit Erteilung der Baugenehmigung begonnen werden. Um wertvolle Gegenstände zu schützen, werden diese abgedeckt. Die Orgel etwa, die die Orgelbaufirma Heerwagen 1868 für die Marienfließer Stiftskirche baute, ließ Uta Gliffe von einem Orgelbauer aus Süddeutschland komplett einhausen. Die Messingleuchter über dem Mittelgang sollen die Bauarbeiten gut verhüllt überstehen.

Der erste Bauabschnitt für die Dachsanierung der Stiftskirche ist mit immerhin 290 000 Euro veranschlagt. Stück für Stück sollen Zimmerer und Dachdecker vorgehen, bis zur Hälfte des Kirchendaches, vom Turm aus gesehen. So weit reicht das Geld für den ersten Bauabschnitt, der rund 144 000 Euro kosten soll. Im Februar hatte das Land Brandenburg einen Fördermittelbescheid über 70 000 Euro bewilligt. Der Förderkreis des Evangelischen Stiftes Marienfließ steuert 30 000 Euro bei, außerdem kam Geld von der Landeskirche Berlin-Brandenburg und der Denkmalbehörde des Landkreises.

Ist der erste Bauabschnitt fertig, sollen die Gerüste wieder abgebaut werden. Der zweite Bauabschnitt, der ebenso viel kosten soll wie der erste, wird laut Stiftsleiterin Gliffe im nächste Jahr neu ausgeschrieben. "Wenn die Finanzen dafür stehen", merkte sie an.

Große Pläne hat Uta Gliffe auch für Haus 10, das Haupthaus des Stiftes mit Küche, Caféteria, Büros und Zimmern. Es steht seit Monaten nahezu leer. Nur Stiftsleiterin Uta Gliffe und eine Kollegin arbeiten noch in den Büros. Die Caféteria ist seit Januar zu, seit Monaten wird auch die Küche nicht mehr benutzt. "Wegen baulicher Mängel konnte die Küche nicht mehr weiterbetrieben werden", so die Stiftsleiterin. Für das gesamte Haus sei eine grundlegende Sanierung nötig. Es soll energetisch und denkmalschutzgerecht renoviert und umgebaut werden. Entstehen soll eine Tagungs- und Begegnungsstätte für die gemeinnützige und touristische Nutzung. Elf Gästezimmer und eine barrierefreie Ferienwohnung sollen eingerichtet werden, außerdem moderne Tagungsräume. Uta Gliffe hofft, dass mit dem Projekt noch in diesem Jahr begonnen werden kann und das Haus Ende 2014 fertig ist. Das hängt aber vom Geld ab. Die Caféteria soll auf jeden Fall wieder öffnen, wenn alles fertig ist.

Aktuelle Fragen rund um das Stift beantwortet Uta Gliffe übrigens in der nächsten Marienfließer Gemeindevertretersitzung am 25. Juni um 19 Uhr in Stepenitz. (Von Beate Vogel)

Märkische Allgemeine vom 05. Juni 2013

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