Sie geben alles für ihre Cabrio-Kirche

Kränzlin (MZV) Sie ist ein echter Hingucker für alle, die denken, dass ein Gotteshaus zwangsläufig ein Dach haben muss: die Kränzliner Kirche. Seit nunmehr 15 Jahren kümmert sich ein Förderverein darum, dass es dem Cabrio-Gotteshaus gut geht - und dass wieder Leben ins Gebäude kommt.

Einer der Engagierten: Alexander Engel ist seit einigen Jahren Mitglied im Förderverein zum Erhalt der Kränzliner Kirche und stolz darauf, was der Zusammenschluss im Laufe der Zeit alles erreicht hat.
© MZV/Melzer-Voigt

Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass an der Kränzliner Kirche etwas fehlt. Das, was von der Straße aus davon zu sehen ist, sieht sehr gepflegt aus. Da kann ein nicht vorhandenes Dach schon mal in den Hintergrund rücken. Vor dem Gotteshaus stehen Bärbel Thiede und Alexander Engel, zwei Mitglieder des Vorstands des Vereins zur Förderung der Erhaltung und Wiederherstellung der Kirche in Kränzlin, wie der Förderverein mit vollständigem Namen heißt. 32 Mitglieder gibt es. Und die sind nicht alle gläubig. "Ganz im Gegenteil", sagt Engel. Er schätzt, dass die Hälfte konfessionslos ist. Doch egal ob Kirchengänger oder nicht - alle sind mit Eifer dabei und das seit nunmehr 15 Jahren.

Seit 10. September 1998 gibt es den Förderverein. Bärbel Thiede war eines der Gründungsmitglieder. Sie weiß auch, wie es dazu kam, dass die Kirche kein Dach hat. "Sie wurde Anfang der 1950er Jahre saniert", erklärt sie. Damals habe man einen Latex-Anstrich für den Innenraum benutzt. Doch das sei ein Fehler gewesen. Es bildete sich Feuchtigkeit und infolge dessen Schwamm. Der zog sich durchs Gebäude. "Die Kirche musste baupolizeilich gesperrt werden", so Thiede. Damit nicht genug: Als in den 1970er Jahren der Turm abgetragen werden musste, stürzte ein Teil davon auf das Kirchenschiff. Dachstuhl und Gewölbe brachen ein.

Von da an wurde es ruhig um das Gotteshaus. Schutt und Dreck lagen im Inneren. An Andachten oder andere Veranstaltungen war nicht mehr zu denken. Mit Hilfe der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) im Dorf konnten die Baureste irgendwann weggeräumt werden. 1991 feierten die Kränzliner das 700-jährige Bestehen ihres Dorfes. Damals konnte zum ersten Mal wieder ein Gottesdienst in der Kirchenruine gefeiert werden. Doch das war nur ein kurzes Aufleben. In den Folgejahren war die Ruine wieder verwaist.

Das änderte sich erst, als der Sohn eines ehemaligen Pfarrers ins Dorf zurückkehrte. Pastor Plinzner hatte die Geschicke der Kirchengemeinde Anfang der 1950er Jahre geleitet - also vor der Sanierung, die so viel Ärger mit sich brachte. Später wanderte er in den Westen aus. Sein Sohn Dr. Klaus Plinzner kam nach der Wende zurück in die alte Heimat. "Und er meinte, man müsste etwas zum Erhalt der Kirche tun", erinnert sich Bärbel Thiede. Plinzner fand schnell Mitstreiter, ein Förderverein wurde gegründet und das erste Projekt war gefunden: das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Es befindet sich nahe der Kirche und wurde Schritt für Schritt saniert. Im September 2002 konnte der Abschluss der Arbeiten mit einer Andacht samt Bläserkonzert gefeiert werden.

Doch anschließend war es keineswegs so, dass die Vereinsmitglieder die Hände in den Schoß legen konnten. Das Turmdach wurde 2006 erneuert, verputzt wurde der Turm 2008. Malerarbeiten standen im selben Jahr an. Ebenfalls 2008 wurde die Elektrik erneuert, sodass das Beheizen des Eingangsraums bei Veranstaltungen möglich ist. Einige Monate später wurden alte Holzteile abgeschliffen. Eine neue Tür vom Kirchturm zum Kirchenschiff wurde 2009 eingebaut. Das Geläut wurde 2012 automatisiert. Seit Frühjahr 2013 wird die knallblaue Eingangstür instandgesetzt.

"Die Außendächer am Turm sollen jetzt saniert werden", sagt Vereinsmitglied Alexander Engel zu den Plänen für die Zukunft. Das Vorhaben trägt die Kirchengemeinde, aber die Mitglieder werden eine Eigenleistung erbringen. Oftmals haben Gemeinde und Verein zusammengearbeitet. Aber beispielsweise die Kosten für die Automatisierung der Uhr hat der Förderverein selbst gezahlt. Nicht in diesem Jahr, aber für die kommenden ist geplant, das Obergeschoss im Turm nutzbar zu machen. Ein Ausstellungsraum soll entstehen, in dem Infos zur Geschichte der Kirche und der Vereins präsentiert werden.

"Alle baulichen Veränderungen laufen über das Kirchenbauamt", sagt Engel. Denn der Eigentümer des Gotteshauses ist nach wie vor die Kirche, schließlich ist das Gebäude nicht entweiht. Und so liegt es auch an der Gemeinde, ob irgendwann wieder ein Dach auf die Kirche kommen wird. "Aber wer soll das bezahlen?", fragt Engel. "Und was will die Kirche dann mit dem Haus?" Schließlich gebe es immer weniger Gläubige in den Dörfern. "Und im Sprengel gibt es genug Kirchen, die einen Sanierungsbedarf haben." Und so werden die Kränzliner wohl noch lange mit ihrer ungewöhnlichen Cabrio-Kirche leben - und es genießen. "Bei all unseren Veranstaltungen war niemals das Wetter schlecht", erzählt Bärbel Thiede. Ob Kürbisfest oder Public-Viewing zur Fußball-Weltmeisterschaft - es ist immer einiges los, wenn der Verein einlädt.

Am 8. Juni findet die nächste Veranstaltung statt. Ab 13 Uhr öffnet das Gotteshaus seine Türen. Die Mitglieder der Fördervereins werden sich, ihre Arbeit und die Geschichte des Gebäudes auf Schautafeln präsentieren. Um 14 Uhr tritt der Märkische Jugendchor auf, es gibt Kaffee und Kuchen - natürlich unter freiem Himmel. Dass das Wetter mitspielt, daran zweifelt Bärbel Thiede nicht. "Wir werden von oben immer gut beschirmt", sagt sie.

Märkische Oderzeitung vom 05. Juni 2013

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