Barsikower feiern ihre Kirchenglocken

500 Jahre alte Klangkörper läuteten drei Minuten lang / Wiedersehen bei großem Fest mit ehemaligen Dorfbewohnern

BARSIKOW - Das 6. Barsikow-Treffen stand am Sonnabendnachmittag ganz im Zeichen der Kirchenglocken, die in diesem Jahr 500 Jahre alt geworden sind. Die Barsikower sind stolz auf die bronzenen Klangkörper, von denen eine sogar mit Pilgerzeichen aus Aachen und Sternberg (Mecklenburg-Vorpommern) versehen ist. Der Brauch, solche Zeichen an Glocken anzubringen, war im 15. und 16. Jahrhundert in Norddeutschland, besonders aber in Brandenburg, weit verbreitet, berichtete Cornelia Oefelein. Die bei Kremmen lebende Historikerin forschte in ganz Brandenburg zu diesem Thema und verfasste dazu auch einen Beitrag in der Festschrift "500 Jahre Kirchenglocken in Barsikow". Das Manuskript wurde am Sonnabend erstmals präsentiert und fand unter den Festbesuchern reißenden Absatz.

Während des Gottesdienstes ließ Pfarrer Stephan Scheidacker für die Gäste drei Minuten lang die Glocken läuten. Passend zum Jubiläum gab es in der Kirche eine Ausstellung mit mehr als 100 kleinen Glocken zu sehen und sogar zu hören. Diese hatten Einwohner aus dem Ort sowie eine Sammlerin aus Damelack zur Verfügung gestellt. Nach dem Festgottesdienst trat in der Kirche der Chor der Sozialstation aus Friesack auf.

Die Frauen des Dorfes hatten zum Fest rund 20 Kuchen gebacken. Der Erlös aus dem Verkauf wird für den Erhalt der Kirche verwendet.Vor dem Gotteshaus plauderten die 200 Gäste, davon die Hälfte ehemalige Barsikower und deren Nachkommen, bei Kaffee und Kuchen über vergangene Zeiten. Eine Besucherin, die ihre familiären Wurzeln in dem malerischen Dorf hat, war Birgitta Baade-Joret. Sie kam extra aus dem belgischen Waterloo, um beim Barsikow-Treffen dabei sein zu können. Ihr Großvater war einst Pfarrer im Ort. "Ich freue mich sehr, nach 35 Jahren das erste Mal wieder hier zu sein", sagte Birgitta Baade-Joret.

Im Kirchturm befinden sich insgesamt drei Glocken, wovon zwei 500 Jahre alt sind. Die dritte Glocke ist möglicherweise sogar noch älter. Um das richtige Alter herauszufinden, sparen die Barsikower Geld für eine Materialanalyse. (Von André Reichel)

Märkische Allgemeine vom 03. Juni 2013

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