Zum Lobe Gottes und zum Ansehen der Stadt

Am Samstag war Jahreshauptversammlung des Förderkreises für die St.-Marien-Andreas-Kirche

RATHENOW - "Wo die Kirche verfällt, verwahrlost auch bald die ganze Stadt", sagte Heinz-Walter Knackmuß während seines Rechenschaftsberichtes zum vergangenen Jahr. Am Samstagvormittag fand die Jahreshauptversammlung des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche Rathenow statt. Rund 65 der aktuell 236 Mitglieder trafen sich natürlich in "ihrer" Kirche dem schon von weitem sichtbaren Wahrzeichen der Stadt.

Gerade in den ländlichen Regionen wird sichtbar, dass nebem der Feuerwehr oft nur die Kirchengemeinde das Dorfleben prägt und zusammenhält. Auch nicht religiös gebundene Menschen entdecken die identitätsstiftende Wirkung des Gotteshauses und finden zusammen, um ihre "Kirche im Dorf zu lassen" und zu erhalten.

Dass dies auch noch so sein kann, wenn ehemalige Einwohner weit entfernt von ihrer alten Heimat leben, zeigt das Beispiel von Werner Vogel. Der 1918 geborene Rathenower engagierte sich schon vor zehn Jahren für die Wiederaufbauprojekte der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Neben einem Stifterbrief in Bronze (500 Euro), zehn Orgelpfeifen (insgesamt 1000 Euro), einer Kupferplatte für die Turmspitze (125 Euro), spendete der Wahl-Bonner zu Lebzeiten über 50 Dachsteine (je 10 Euro). Am 21. Januar 2012 starb Werner Vogel 93-jährig. Er hinterließ dem Förderkreis 50 000 Euro als sein Vermächtnis.

Diese große Summe entspricht zehn Prozent der Gesamtkosten für das nächste große Projekt des Förderkreises, der Wiedererrichtung der Säulen und des Kreuzgewölbes im Chorraum. Für die sechs Säulen sind zirka 26 000 Steine nötig. Für eine Spende von fünf Euro gibt der Förderverien symbolisch eine Urkunde aus. Ab 100 Euro Spende erhält der Spender eine Keramikplatte mit den Kreuzgewölben in der Kirche. Am 12. Februar 2010 startete der Förderverein mit einer Andacht symbolisch die Spendenaktion für den Wiederaufbau der Kreuzgewölbe im Chorraum der Kirche. Förderer der Kriche spendeten bereits über 6300 Säulensteine.

"Die auf den Herren harren, kriegen neue Kraft", sagte Pfarrer Andreas Buchholz in seiner Andacht zur Jahreshauptversammlung. Diese Kraft brauchen auch die engagierten Mitglieder des Förderkreises. "Der Förderkreis leistet einen Wiederaufbau zum Lobe Gottes", so Buchholz weiter. Kraft soll auch der kleine bronzene Schutzengel in der "Streichholzschachtel" geben ein symbolisches Geschenk von Förderkreismitglied Andrea Voßhoff an den Förderkreis. Die Bundestagsabgeordnete spendet regelmäßig für den als Abschluss des Wiederaufbaus der Kirche geplanten Einbau der neuen Orgel eine Schuke-Orgel, wie vor der Zerstörung der Kirche 1945. Das Kircheninstrument der Firma Alexander Schuke soll 39 Register und 2814 Pfeifen bekommen. Die Potsdamer Firma gab die Gesamtkosten im Jahr 1999 mit rund 550 000 Euro an. Der Förderkeis geht durch die Preissteigerungen von Kosten in Höhe von einer Million Euro aus. "Wann die Orgel eingebaut werden wird, vermag ich nicht zu sagen", so der Förderkreisvorsitzender. "Ich gehe mal vom Jahr 2030 aus." Für die Spende einer Orgelpfeife (100 Euro) vergibt der Förderkreis symbolisch eine Urkunde. Bis heute sind Spenden für rund 160 Orgelpfeifen beim Förderkreis eingegangen. Zurzeit spielt Kanorin Hanna Seefeld auf einer elektrischen Orgel.

"Das letzte Jahr war finanziell von der Bezahlung der Baukosten für die Kreuzgewölbe des Hauptschiffes (rund 39 000 Euro) und des Bauherrenanteils für die Fassadensanierung (80 000 Euro) geprägt", führte Schatzmeister Wolfgang Krüger in seinem Jahresabschlussbericht für das vergangene Jahr aus. (Von Uwe Hoffmann)

Märkische Allgemeine vom 27. Mai 2013

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