Kleine Schritte an der ältesten Dorfkirche

Noch in diesem Jahr wollen Jugendliche der Jugendbauhütte das Dach der Apsis am Wernikower Gotteshaus fertig sanieren / Der Anfang ist gemacht

WERNIKOW - Seit der vorigen Woche wird an der Wernikower Dorfkirche gearbeitet. Junge Leute bringen das Dach der Apsis wieder in Schuss. Längere Zeit klaffte ein großes Loch darin, die darunter liegende Decke war nur notdürftig mit einer Plastikplane geschützt. Nachdem die jungen Leute der Jugendbauhütte Brandenburg/Berlin schon im Herbst vorigen Jahres ein Notdach aus Dachpappe über der Apsis angebracht haben, ist nun mit der richtigen Sanierung begonnen worden.

Eigentlich hatten die Wernikower gehofft, dass ihre Kirche, die nachweislich die älteste Feldsteinkirche der Prignitz ist, von Grund auf saniert werden kann. Im Jahr 2009 hatten sie dazu innerhalb ihres Heimatvereins "Alte Schule Wernikow" eine Initiativgruppe gegründet. Berechtigte Hoffnungen auf Fördermittel hatten sie 2012. Wie Klaus Mundt von der Initiativgruppe sagt, sollten die Wernikower dem Fördermittelgeber, dem Amt für Ländliche Entwicklung und Flurneuordnung, innerhalb von vier Wochen die Baugenehmigung vorlegen, was dann in einem großen Kraftakt des Architekturbüros Kannenberg tatsächlich gelang. "Und drei Wochen später bekamen wir die Ablehnung unseres Antrages mit der Begründung, dass kein Geld mehr da sei."

Mundt räumt ein, dass die Wernikower erst mal ganz schön niedergeschlagen waren. "Aber wir haben uns nicht entmutigen lassen", gibt er sich kämpferisch. "Wir gehen jetzt eben kleine Schritte", sagt er. Einer dieser kleinen Schritte ist die besagte Apsis. Die war am baufälligsten.

Nach historischem Vorbild wird sie nun von den Mitarbeitern der Jugendbauhütte wieder aufgebaut. Das Praktische daran: Ein Teil der Jugendbauhütte Brandenburg/Berlin ist im Heiligengraber Klosterstift angesiedelt, also quasi direkt um die Ecke. In der kalten Jahreszeit wurden die Arbeiten schon gut vorbereitet. So mussten zum Beispiel die gebogenen Formstücke des Schwellenkranzes aus dicken und sehr breiten Eichenbohlen ausgesägt werden. Das Holz dafür wurde in Lübeck, Schleswig-Holstein, besorgt und in Heiligengrabe bearbeitet. "Hier in der Nähe war so etwas nicht zu bekommen", sagt der Leiter der Jugendbauhütte, Bernd Henning. Direkt an der Baustelle müssen diese Balken nun noch angepasst werden. Dazu ist noch einiges an Handarbeit erforderlich.

An der Baustelle in Wernikow arbeiten sechs oder sieben von insgesamt 30 Jugendlichen, die im Land ein freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege absolvieren. Sie nutzen es als Orientierung und Einblick in die Praxis, weil sie eine weitere Ausbildung als Restaurator, Archäologe, Bauingenieur oder aber Kunsthistoriker anstreben. Natürlich werden sie theoretisch wie fachlich unterwiesen, und die Arbeiten werden von den jeweiligen Denkmalschutzbehörden überwacht.

Trotz der eingeschränkten finanziellen Mittel, die die Wernikower Initiativgruppe nun wegen der vorerst ausgebliebenen Förderung mühsam zusammenstottern muss, ist es für Klaus Mundt von der Initiativgruppe wichtig, den Wernikowern zu signalisieren: "Es geht weiter. Wir geben nicht auf." Bis Herbst soll die Apsis jedenfalls fertig eingedeckt sein. Und voller Freude teilt er dann noch mit, dass mit der Pelegrinius-Stiftung ein weiterer Unterstützer für das Sanierungsvorhaben gefunden worden ist.

Für die gesamte Sanierung sind zunächst rund 350 000 Euro veranschlagt. Ein großer Wunsch ist es auch, den hohen, spitzen Turm, der 1974 abgetragen und durch ein Notdach ersetzt wurde, wieder aufrichten zu lassen.

Die Jugendbauhütten sind ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste, gefördert durch den Europäischen Sozialfonds. Die Jugendbauhütte Brandenburg/Berlin wurde 2003 gegründet. (Von Uta Köhn)

Märkische Allgemeine vom 22. Mai 2013

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