Bau-Endspurt in der Schliebener Stadtkirche

Zum Pfingstfest soll das Gotteshaus nach umfangreicher Sanierung erstmals wieder genutzt werden

SCLIEBEN In der Schliebener Stadtkirche Sankt Martin haben die Bauarbeiter zum Endspurt angesetzt. Bis zum Pfingstfest sollen sie weitgehend fertig sein. Der 13.30 Uhr beginnende Gottesdienst am Sonntag sieht einen besonderen Höhepunkt im Kirchenjahr vor: die Konfirmation von sechs Jugendlichen. Einen schöneren Auftakt zur Einweihung des sanierten Gotteshauses kann sich Pfarrer Dr. Stephan Schönfeld nicht vorstellen.

Nach und nach verschwinden im Innenraum der Schliebener Kirche die Gerüste, die für die Putz- und Malerarbeiten benötigt wurden. Philipp Huprich und Michael Getzschmann (r.) sind mit ihrem Abbau beschäftigt.
Foto: Dieter Müller/dmu1
 
Hier ist Können gefragt: Stück für Stück arbeitet sich Maler Günter Walther voran. Er kümmert sich aktuell um die Verblendung des Gestühls.
Foto: Dieter Müller/dmu1

Seit Ende des vergangenen Jahres wird die evangelische Kirche Sankt Martin in Schlieben umgebaut und saniert. Sie will sich künftig als Musik- und Theaterkirche profilieren. "Dass zeitgleich zu den Bauarbeiten im Gotteshaus auch an der Bespielbarkeit der Orgel gearbeitet wird, das passt richtig gut zusammen", freut sich Sebastian Zug, der jetzt den Vorsitz des 2009 gegründeten Fördervereins für den Kirchenbau und die Orgel Sankt Martin Schlieben übernommen hat.

Das Ziel ist klar umrissen: Das Gotteshaus soll künftig neben der Feier von Gottesdiensten nicht nur für Konzerte genutzt werden, sondern sich darüber hinaus für die Region öffnen. "Wir arbeiten schon daran, wie wir sie mit Leben erfüllen können", berichtet Zug. Doch aktuell stehe noch das Begleiten des Baugeschehens im Vordergrund. Mehrere Arbeitseinsätze wurden bereits absolviert. Darüber hinaus ergeben sich mit dem Baufortschritt immer wieder neue Fragen, die es zu klären gilt. "Wir agieren dabei stetig in einem Spannungsfeld zwischen den Vorgaben des Denkmalschutzes und den Wünschen der Kirchengemeinde und der Schliebener", zeigt der Vereinsvorsitzende auf, der eng mit Pfarrer Dr. Stephan Schönfeld zusammenarbeitet.

"Das Interesse an dem, was in der Kirche passiert, ist groß", berichtet der Pfarrer. "Unglaublich viele Neugierige schauen einfach mal schnell rein, wenn sie vorbeigehen und merken, dass sich hier was tut", hat er beobachtet. Und zu sehen gab es in den zurückliegenden Wochen wahrlich viel: Die Kirche war kaum wiederzuerkennen, reichte doch die umfassende Sanierung des Innenraums von der Decke bis zum Boden. Ob Deckenreinigung, das Erneuern der Elektroleitungen, der Einbau einer Beschallungsanlage, umfangreiche Putz- und Malerarbeiten sowie das Einbringen von Backsteinen als neuen Fußboden das Gesamtpaket hat das innere Erscheinungsbild der Kirche irgendwie komplett verändert.

Man habe bei den vorbereitenden Arbeiten zahlreiche Details gefunden, die auf den Zustand der Kirche um 1861 Aufschluss gegeben hätten. Daran habe man sich dann orientiert. "Insofern haben wir eigentlich nichts Neues geschaffen", verdeutlicht der Pfarrer.Auf die Orgel und deren Musik müssen die Schliebener allerdings noch etwas länger warten. Unabhängig davon spielt sie am Pfingstwochenende beim Gottesdienst aber dennoch eine Rolle: "Im Anschluss können wieder Spendenplaketten signiert werden", lässt Sebastian Zug wissen. Er freut sich, dass im zurückliegenden Jahr weitere 11 100 Euro zusammengekommen sind. Diese kamen sowohl von den Schliebenern selbst, von ortsansässigen Vereinen als auch aus ganz Deutschland. Bei den Letztgenannten handelt es sich in der Mehrzahl um Schliebener, die es in die Ferne gezogen hat und die angeschrieben und von den aktuellen Arbeiten informiert wurden. Erfolgreich sei aber auch eine Spendenbriefaktion gewesen, die sich an Menschen richtete, die "Schlieben" im Namen tragen, so der Vereinsvorsitzende.

Zum Thema:

400 000 Euro sind an Gesamtkosten für diese über drei Jahre verteilte Baumaßnahme veranschlagt. Etwas mehr als die Hälfte kann die Kirchengemeinde über Fördermittel vom Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung finanzieren. Einen Teil der fälligen Eigenmittel übernimmt der Kirchenkreis. Zu den ersten Arbeiten, die bereits im Vorjahr auf der Aufgabenliste standen, zählten das Verkürzen der Bänke, damit diese keinen Kontakt mehr zu den Wänden haben, und der Einbau von zwei Türen im Bereich der ersten Empore, wo bisher nur Decken hingen, um die Wärme im Gotteshaus zu halten. Der Hauptteil des Umbaus und der Sanierung wurden jetzt ausgeführt. 2014 sollen noch einige wenige Restarbeiten folgen. Die Orgel soll in diesem Jahr zum Weihnachtsfest das erste Mal wieder erklingen. Auch an ihr müssen dann noch weitere Arbeiten vorgenommen werden, weshalb die Spendenaktion weiterläuft. Nach den Bauabschnitten 1 bis 3 sollen jetzt die Abschnitte 4 und 5 folgen.

Sylvia Kunze

Lausitzer Rundschau vom 18. Mai 2013

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