Fotos zeigen Stationen des Pilgerwegs

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse eröffnete Ausstellung in der Wunderblutkirche

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse eröffnete die Ausstellung in Bad Wilsnack.
Foto: Wolfram Hennies

BAD WILSNACK - Mit "25 Jahre Pilgerweg Berlin Wilsnack" ist eine Fotoausstellung betitelt, die am Sonntag in der Wilsnacker Wunderblutkirche eröffnet wurde. Sie stellt Fotos von Stationen des Pilgerweges gegenüber, die 1988 Wolfgang Holtz und in diesem Jahr Julia Lüneburg schossen. Hochrangiger Gast der Veranstaltung, die musikalisch von Christian Reishaus an der Orgel umrahmt wurde, war Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Er erinnerte daran, dass Deutschland im Mittelalter von Pilgerwegen durchzogen war, die gleichzeitig auch Kommunikationswege waren: "Es ist unerhört sympathisch, dass wir uns hier an sie erinnern, denn sie waren aus dem Bewusstsein verschwunden. Sie wieder zu haben, ist ein Zugewinn. Sich an ihre Geschichte zu erinnern, das ist wie Heimat zurück zu gewinnen. Pilgerwege stehen für geschichtliche Prägungen. Mit dem Pilgern ist Spiritualität verbunden, auch das ist eine Form der Beheimatung." Er forderte die Wilsnacker auf: "Machen Sie weiter, dass es uns eine gute Heimat wird und bleibt."

Wolfgang Holtz erzählte, wie die Bilder entstanden: Er sollte Fotos für eine Westberliner Ausstellung zur Verkehrsgeschichte anfertigen. Das sollte der Pilgerweg von Berlin nach Wilsnack sein: "Für mich stand fest, den Weg wandere ich ab, nur so kann ich mich in die Situation der Pilger hineinversetzen." Zusammen mit einem Freund ging er 1988 auf den Pilgerweg. Holtz schilderte einige der Schwierigkeiten, die mit der damaligen politischen Situation zusammenhingen denn noch existierte die DDR mit ihrem rigiden Besuchssystem für Westberliner. Mit Hilfe des damaligen Wilsnacker Superintendenten Ulrich Woronowicz, der Literatur und Kartenmaterial zur Verfügung stellte, begann am 26. März 1988 die Wanderung in Wilsnack. An sechs Tagen gab es private Übernachtungen bei vorher Unbekannten: "Der Kontakt zu den Menschen unterwegs war überwältigend, wir wurden mit offenen Armen empfangen. Ich kann mich nur an gute Dinge erinnern, es war spannend und abenteuerlich." Am 6. Oktober 1989 startete dann die Ausstellung in einem Reinickendorfer Museum. Das war die Initialzündung, dass 2005 der Pilgerweg von Berlin nach Wilsnack wieder in Benutzung genommen wurde und seither von vielen Pilgern erwandert wird. Holtz rief dazu auf, nun auch den Weg von Lübeck nach Wilsnack zu aktivieren, denn dort kamen die skandinavischen Pilger, die zum Wilsnacker Wunderblut wollten, mit ihren Schiffen an.

Julia Lüneburg unterzog sich zusammen mit Vater und Großvater an drei Wochenenden der Aufgabe, die 1988 fotografierten Plätze im März erneut aufzunehmen. Die Gegenüberstellung der Aufnahmen macht den Reiz der Ausstellung aus. Beide Fotografen stellten sich danach in der Ausstellung den Fragen der Gäste.

Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg präsentierte abschließend das neue Heft "Offene Kirchen 2013". Er sagte: "Die Benutzung von Kirchen fängt mit der Öffnung an, weshalb im Heft eine Liste enthalten ist, aus der man entnehmen kann, zu welcher Zeit die jeweilige Kirche offen ist, oder wo man einen Schlüssel bekommen kann, um das Gotteshaus besichtigen zu können." (Von Wolfram Hennies)

Märkische Allgemeine vom 08. Mai 2013

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