Sanierung startet am Montag

Kunow (MOZ) Seit einem Monat ist die Kirche in Kunow eingerüstet. Am Montag startet nun die Sanierung des Dachs. 240 000 Euro kosten die ersten Bauabschnitte. Allerdings muss die Kirche gesperrt bleiben, bis auch der Turm gesichert ist. Das Geld dafür fehlt bisher.

Gerüstet für den Baubeginn: Seit Anfang April ist die Kunower Kirche innen und außen eingerüstet. Der Taufengel, der sonst unter der Decke schwebt, ist bereits in eine Restaurationswerkstatt nach Berlin verfrachtet worden.
© MOZ/Andrea Weil

13 Jahre lang hat der Freundeskreis zur Sanierung der Kunower Dorfkirche auf diesen Tag hingearbeitet. "Wir sind froh, dass es nun endlich beginnt", sagt Rosemarie Weißmüller, Schatzmeisterin des Dorfvereins. 13 Jahre lang hat sich die Gruppe einiges einfallen lassen, um das Geld für den "baulichen Mittelpunkt des Dorfes" aufzubringen, wie Rosemarie Weißmüller die Kirche nennt: Listensammlungen, Konzerte, Broschüre und Kalender mit Fotografien des Gestühls. Mit Hilfe von Architektin Doris Kessels wurden zahlreiche Fördermittelanträge geschrieben. Bei jedem Tag des offenen Denkmals warb der Freundeskreis für den Erhalt der seltenen Malereien aus dem 18. Jahrhundert. "Die wenigsten sind Mitglieder der Kirchengemeinde", erklärt Rosemarie Weißmüller. "Sie sind historisch interessiert und wollen dieses wichtige Bauwerk erhalten."

Die Kunower Dorfkirche ist im 13. Jahrhundert als frühgotischer Feldsteinbau errichtet worden. Der Turm in seiner jetzigen Form ist im 17. und 18. Jahrhundert entstanden. Aus dieser Zeit stammen Holzaltar und Inneneinrichtung mit Malereien und dem mehr als mannsgroßen Taufengel. Der schwebt sonst unter der Decke, ist aber am 9. April abgehängt und nach Berlin in die Werkstatt von Restaurator Thoral Herschel geschafft worden.

Das Geld für seine Restaurierung ist noch nicht ganz gesichert. Denn die 240 000 Euro sind zunächst für die Sicherung von Kirchenschiff und Chor sowie ein neues Dach verplant. Die Hälfte der Kosten kommt aus einem Denkmalschutzprogramm des Bundes. 30 000 Euro zahlt die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler, die Kunow gerade nach einer Umfrage zur drittbeliebtesten Dorfkirche in Deutschland gekürt hat. 25 000 Euro kommen von der Landeskirche, 20 000 von Kirchenkreis und Kirchengemeinde, 17 000 vom Landkreis, 13 000 von der Stiftung Denkmalschutz und 15 000 Euro vom Förderverein.

Feuchtigkeit ist das größte Problem in der Kunower Kirche, sagt Olga Nezlaw, Geschäftsführerin des evangelischen Pfarrsprengels Schwedt-Criewen-Vierraden. Deckenbalken faulen, die wertvollen Gemälde sind bedroht. Montag wird die Inneneinrichtung abgedeckt, dann gehen Zimmerleute, Maurer und Dachdecker ans Werk, um die Schindeln komplett auszutauschen, den Putz unterhalb des Daches zu erneuern und die Balken zu sichern. Planer ist das Ingenieurbüro ibs aus Hoppegarten. "Sie haben große Erfahrung im Umgang mit alten Kirchen", erklärt Olga Nezlaw. Sie ist dankbar für die Unterstützung des Freundeskreises und die gute Zusammenarbeit mit Denkmalschutz und Bauamt.

Im September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Geöffnet werden kann die Kirche deshalb noch lange nicht: Der Turm ist von Hausschwamm befallen und hat sich zur Seite geneigt. Glocken dürfen nicht geläutet werden, um das Mauerwerk nicht zu erschüttern. Ein Gutachten schätzt, dass es 450 000 Euro kosten wird, diese Schäden zu beseitigen, sagt Olga Nezlaw. "Wir brauchen weiter Spenden, es ist noch viel zu tun", ergänzt Rosemarie Weißmüller.

Märkische Oderzeitung vom 02. Mai 2013

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