Neuer Balken für die Empore

Klein Muckrow (MOZ) Der Förderverein Dorfkirche Klein Muckrow, Diplom-Restauratorin Ute Schulz, Architekt Uwe Mücklausch und der Bauunternehmer Norman Thinius haben über den Stand der Sanierungsmaßnahmen an der Klein Muckrower Kirche berichtet.

Führung mit dem Fachmann: Bauunternehmer Norman Thinius (3.v.r.) erklärt den Fortschritt der Bauarbeiten. Der Balken im Vordergrund, der später die Empore mitträgt, wird derzeit von seinen Angestellten bearbeitet.
© Cindy Teichert
 
Haus wieder im Lot: Eberhard Grünberg setzt sich als Vorsitzender des Förderverein für die Sanierung der Kirche ein.
© MOZ/Jörg Kühl

"Seit Beginn der Arbeiten im Herbst 2012 ist bereits eine Menge passiert" - mit diesen Worten eröffnete Eberhard Grünberg, Vorsitzender des Fördervereins Dorfkirche Klein Muckrow, die Versammlung des Vereins und übergab das Wort an Ute Schulz, die mit einer kleinen Bildpräsentation einen Einblick in ihre Arbeit gab.

Jedes noch so kleine Detail hielt sie bei den Rückbauarbeiten der alten Wände und Einrichtungsgegenstände fest und die Klein Muckrower staunten nicht schlecht, welche Geheimnisse sich in ihrer kleinen Kirche verbergen. Natürlich hat sich die Restauratorin nicht nur mit der Vergangenheit beschäftigt, sondern auch Vorschläge gebracht, wie das Fachwerkgebäude in der nahen Zukunft aussehen kann. Helle Balken, Fächer in sanftem Blaugrau, rostbraune Fensterrahmen und ein dunkelrotes Dach - auf dem Bild macht die zukünftige Kirche schon mal einen hübschen Eindruck. "Farblich werden wir von der Denkmalschutzbehörde nicht reglementiert" so die Diplom-Restauratorin.

Nach diesen Einblicken in Vergangenheit und Zukunft informierte Norman Thinius von der bauausführenden Firma Thinius Bedachungen GmbH aus Dahme über die bisher erfolgten Arbeiten. Die wohl größte Herausforderung war die Beseitigung der Schiefstellung, die den beteiligten Fachleuten vorher großes Kopfzerbrechen bereitete. "Es stand die Frage im Raum, wie viel Kraft man braucht, um die Kirche gerade zu rücken" so Thinius.

Nach vielen Berechnungen und einer Woche Vorbereitungszeit, in der die Kirche gesichert wurde, konnte das Gebäude, das nach zwei Seiten abgesackt war, letztlich um 13 bis 16 Zentimeter gerade gerückt werden und befindet sich nun wieder im Lot. "Das Ganze war Millimeterarbeit und hat zwei Tage gedauert" berichtete Norman Thinius. Mit einer Kraft von je 50 Tonnen schoben zwei Hydraulikstempel die Kirche ganz langsam in die korrekte Richtung, während mittels Stahlseilen an der Nordwest- und Nordost-Seite verstärkt gezogen wurde.

Nach dieser spektakulären Rettungsaktion können nun die Arbeiten an der Kirche weitergehen. Ein Großteil der Balken des tragenden Gerüstes musste ausgetauscht werden. "Die Gefache, die ursprünglich mit einem Lehm-Verbund gefüllt waren, werden nun in Absprache mit der Restauratorin und der Denkmalbehörde komplett mit Ziegeln ausgemauert", so Architekt Uwe Mücklausch. Manfred Peschel wies die Fachleute darauf hin, dass es seit der Restaurierung der Chossewitzer Kirche dort durch Ritzen im Fachwerk zieht und fragt nach, ob so etwas auch bei der Restaurierung der Klein Muckrower Kirche passieren kann. Architekt und Bauunternehmer konnten ihn jedoch beruhigen. Sie würden die Fehler, die man beim Fachwerkbau machen kann kennen, und wüssten, wie man diese verhindert. Neben den eigenen Erkenntnissen bei der Renovierung denkmalgeschützter Gebäude baut Thinius noch auf andere Erfahrungen, nämlich die seiner Vorgänger. "Man kann sich viel von früher abgucken. Das ist dann ähnlich wie Lego: auseinander bauen, merken wie's gemacht wurde und wieder in dieser Art zusammenbauen" beschrieb der junge Mann. "Wenn wir hier arbeiten, dann haben sie keine Scheu, um sich das anzusehen. Wir haben keine Geheimnisse" lädt er alle Interessierten ein.

Wenn Mücklausch und Thinius erzählen, merkt man ihnen ihre Begeisterung für das Objekt geradezu an. "Es ist schon erstaunlich, was Herr Grünberg und sein Förderverein mit Hilfe der Gemeinde und Unterstützung des Architekten hier durchgesetzt haben. Woanders hätte man die Kirche nur noch abgerissen oder sie wäre nach und nach zerfallen" lobt Norman Thinius das Engagement und die gute Zusammenarbeit.

Architekt und Bauherren stehen unter enormem Termindruck. Bis zum 30. Juni sollen die Arbeiten am Außenbereich abgeschlossen sein. Da diese aber zügig vorangehen, ist Uwe Mücklausch guter Dinge, dass der Termin eingehalten werden kann. Jedoch lag es ihm auch am Herzen, bei der Versammlung noch einmal einen wichtigen Hinweis zu geben: "Erwarten sie dann noch keine fertige Kirche. Die Förderung ist nur für die Hülle, sprich das Fachwerk, das Dach, den Turm, den Anstrich, die Aufarbeitung der Fenster, sowie zusätzlich für die Elektrik" so der Architekt. Es bleibt also noch eine Menge Arbeit für den Innenbereich. Auch dafür gibt es schon viele Ideen und Vorschläge. Um diese zu verwirklichen, bemüht sich der Förderverein um weitere Fördergelder und Spendeneinnahmen.

Im vorigen Jahr hatte der Förderverein Fördermittelzusagen in Höhe von 189 000 Euro aus dem ILE-Programm erhalten. Ergänzt um Zuschüsse von Landeskirche, Kirchenkreis und Spendengelder begannen im letzten September die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen an dem Gotteshaus, deren Kosten sich auf insgesamt etwa 300 000 Euro belaufen.

Märkische Oderzeitung vom 26. April 2013

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