Da war die Kirche voll

Kerkow (MOZ) 33 gut gelaunte Sänger klatschten und sangen so laut in der Kerkower Dorfkirche, dass es weit draußen noch zu hören war. Den Berliner Gospelchor hatte der Freundeskreis Kerkower Dorfkirche eingeladen, der sich auch sonst sehr um den Ort bemüht.

Am Samstag trat in der Kerkower Kirche ein Gospelchor auf.
© Stefan Csevi

Das sähe wohl jeder Pfarrer gerne und in der Uckermark ist es äußerst selten: Eine Kirche besetzt bis auf den letzten Platz. So sah es aber am Sonnabendnachmittag in der schönen Kerkower Kirche aus.

Alt und Jung waren gekommen, um das Gospelkonzert zu erleben. Das Innere der Kirche mit dem beeindruckenden Sterngewölbe bot dem Chor eine zauberhafte und doch gemütliche Kulisse. Leidenschaftlich, mal sentimental, mal rockig, sang der Chor, und die Besucher gingen voll Begeisterung mit. Dabei sind die meisten Sänger Laien. "Bei uns kann jeder mitmachen", sagt Leiter Michael Zagorny von den "Petrus Gospel Singers" aus Berlin-Lichterfelde. Besonders beeindruckend, weil das Herz unheimlich anrührend mit seiner Musik, war Saxophonist Friedemann Graef. Er allerdings ist auch ein professioneller und mehrfach ausgezeichneter Musiker, der bereits in der ganzen Welt aufgetreten ist. Locker und lustig erklärte Michael Zagorny zwischendurch einige der Lieder oder übersetzte sie. Von der Kerkower Kirche war er beeindruckt, sie ist die drittälteste der Uckermark. "Wunderschön haben Sie es hier in Kerkow, ich fühle mich wie im Urlaub", sagte er.

Tee, Kaffee und Kuchen konnten vor dem Konzert und in der Pause gemütlich in der Sonne mit der schönen Aussicht auf die weite Landschaft genossen werden. Sigrid Korepkat vom Freundeskreis hatte zuerst Angst, dass kaum jemand kommt. "Nachher haben wir mehr Musiker als Gäste", sagte sie vorher noch. Doch später sollten die Plätze nicht reichen, so viel Publikum kam. Martina Krause kam etwa aus Joachimsthal: "Ich mag Gospel", sagt sie.

Die Idee zu dem Gospelkonzert war spontan gekommen. "Bei einer Reise zu verschiedenen Orgeln kamen die Berliner hierher und ich bekam mit, dass sie einen Gospelchor haben", erzählt Sigrid Korepkat. Und lud sie kurzerhand ein. Eine gute Idee. Auch sonst kümmert sich der Freundeskreis Kerkower Dorfkirche um vieles im Ort. Er hat nur rund 15 Mitglieder, "doch wenn ich nach Hilfe rufe, kommen immer mehr als 20 Leute", erzählt sie. "Wir wollen Leben ins Dorf und in die Kirche bringen."

Fleißig Spenden für das Kirchenhaus haben sie auch gesammelt, so kamen mehr als zehntausend Euro zusammen, um die Orgel zu sanieren, und gerade sind die 7000 Euro zusammen, um die Glocke zu reparieren, die sonst stillgelegt hätte werden müssen. Davon hat allein die Kirchengemeinde 2000 Euro gesammelt. Auch die Lampen konnten mit Hilfe des Freundeskreises erneuert und eine Heizung eingebaut werden.

Der Freundeskreis bemüht sich auch um andere kulturelle Veranstaltungen wie Märchenspiel oder Krippenspiel in der Kirche. Ein neues Projekt hat Uwe Korepkat schon wieder im Auge: Die Kirchturm-Uhr fehlt, außerdem wäre es schön, eine zweite Glocke zu haben, dafür ist das Geläut eigentlich ausgelegt.

Märkische Oderzeitung vom 21. April 2013

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