Der Altar sollte steinern wirken

Pinnow (MZV) Die neue Konzert- und Ausstellungssaison beginnt am Sonntag in der Pinnower Kirche. Wegen des langen Winters wird der Altar bis dahin noch nicht ganz fertig restauriert sein.

Fast wie bei einer Ausgrabung: Altar wie Restaurator haben es im Zelt warm. Erst in dieser Woche hat Ulrich Schneider die Arbeiten wieder aufgenommen werden. Am Sonntag bekommen die Konzertgäste auch noch nicht die Endfassung zu sehen.
© MZV/Heike Weißapfel

Fast wie an einem Ausgrabungsort in Ägypten sieht es in der Pinnower Kirche zurzeit aus, sagt Klaus Sokol mit einiger Begeisterung. "Und die Farbe korrespondiert sogar ein wenig mit dem blauen Himmel über dem Altar." Deshalb findet der Vorsitzende des Fördervereins der Pinnower Kirche auch durchaus, dass der Pavillon am Sonntag immer noch um den Altar stehen kann, wenn die Ausstellung eröffnet wird und Schüler ein Konzert geben.

Auch Restaurator Ulrich Schneider ist froh über das Zelt, in das warme Luft zu seinem Arbeitsplatz gepustet wird, die auch den Stein anwärmt. Bis zum vergangenen Wochenende herrschten in der Kirche kühle vier Grad Celsius - es war zu kalt, um den Altar zu Ende restaurieren zu können. Seit dieser Woche gehen die Arbeiten weiter. Unterstützt von seiner Frau, der Kunsthistorikerin Ilona Schneider, hat der Restaurator alle vorhandenen Farbschichten auf den Verzierungen des Altars freigelegt und unter dem Mikroskop untersucht.

Nun ist er sicher, dass der ursprüngliche Farbton ein steinfarbener Anstrich war, ein helles Ockergelb, das der Farbe der 150 Jahre alten Stüler-Kirche ähnelte. So soll der Altar also künftig wieder aussehen. "Es ist ganz eindeutig - ich habe keinerlei Spuren einer eingemalten Holzlasur gefunden", so Schneider. Die waren eigentlich vermutet worden. Die Bänke, die bisher nur einen braunen Voranstrich bekommen haben, hatten durch Lasur früher eine solche Wirkung von edlem Holz. "Oft wurde beispielsweise für das Gestühl Nadelhölzer verwendet. Durch eine kunstvolle Bemalung wird dann Eichenholz simuliert", sagt der Experte - an diesem Altar aber eben nicht.

Die bereits wiederhergestellten Säulen des Altars bestehen aus Kunststein. Sie wurden nach den Vorgaben von Baumeistern des 19. Jahrhunderts, wie Friedrich August Stüler, Karl-Friedrich Schinkel oder Ludwig Persius, für Kirchenbauten in einer Potsdamer Ziegelmanufaktur als Massenware hergestellt, waren aber durchaus präzise Arbeiten.

Es war eine ganze Reihe von Farbschichten, die Ulrich Schneider zunächst vorsichtig abgeschabt hat. Denn ebenso wie die Kanzel waren die Verzierungen des Altars in den vergangenen Jahrzehnten in freundlichen Tönen ausgemalt, die den Reliefs eine zusätzliche Tiefe verliehen. Insofern sei es um diese Buntheit schon ein wenig schade, finden Ilona und Ulrich Schneider. Es sei immer eine Gratwanderung, weil jede Veränderung eben auch dem jeweiligen Zeitgeist entspreche und so eine Berechtigung habe. Aber, so sagt der Restaurator, an dieser Stelle soll dem Original gefolgt werden, und ursprünglich war diese Art der Bemalung in der Kirche nun einmal nicht. Sie entstand vielmehr in den 1920er-Jahren, als die zusätzliche Decke ins Kirchenschiff eingezogen wurde und so das Antlitz des Raums ohnehin komplett verändert wurde.

Aus dieser Zeit stammen auch die Malereien, die den Abschluss der Wand zur Decke hin bilden. Sie sind zum Teil freigelegt und in Rudimenten noch zu sehen. Eines Tages, so hofft der Förderverein, kann vielleicht auch die Decke wieder entfernt werden - denn der Dachraum selbst sowie die Verzierungen, die es dort gibt, sind sehenswert.

Doch das ist teuer und Zukunftsmusik. Der aktive Förderverein der Pinnower Kirche nimmt sich jedes Jahr ein weiteres Stück der Kirche vor, das wiederhergestellt oder aufgearbeitet wird, je nachdem, was der Haushalt und Spendengeber erlauben. "Wir lieben diese Kirche", sagt Ilona Schneider. Ulrich Schneider hat in mehreren Stüler-Bauten restauriert, im Pinnower Gotteshaus wirkt er seit 2006. Ein Stück der ursprünglichen Stülerschen Vorstellungen hat Schneider bereits wiederhergestellt - die marmorierte Kassetten-Ausmalung an der Wand links und rechts vom Altar.

Die Reihe der Kultursonntage beginnt am 21.April mit einer Ausstellung und einem Konzert von Jugendlichen. Schüler des Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasiums stellen Arbeiten bis Mitte Juli aus. Musikalisch begleitet wird die Vernissage ab 16 Uhr vom Jugendorchester der Musikschule Hennigsdorf.

Märkische Oderzeitung vom 17. April 2013

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