Vier Uhren an einem Turm

Dobberzin (MOZ) Noch in diesem Jahr soll die Kirche von Dobberzin wieder eine Uhr erhalten. Engagierte Einwohner und Kirchgänger sammeln Spenden, um ab Herbst die Zeit vom Turm ablesen zu können. Gleichzeitig wollen sie ein Glockengeläut installieren.

Engagierte Einwohner: Klaus Kohlmay (l.), Wolfgang Neudeck und Horst Eickenjäger hängen alte Gedenktafeln auf.
Foto: Oliver Schwers

Etwas vertrackt ist die Geschichte um die Zeitansage in Dobberzin. Denn schon 1834 stellt man bei einer Kirchenvisitation fest: Es gibt zwar eine Uhr, doch ist sie nicht in Betrieb. Ein Foto von 1910 zeigt das hölzerne Zifferblatt am Turm. Wann die größte Uhr des Ortes ihren Geist aufgab und damit auch der stündliche Glockenschlag verklang, ist nur noch schwer zu ermitteln. Doch daran stören sich aktive Kirchgänger, Einwohner und engagierte Kirchenfreunde nicht. Sie haben sich schon seit 2010 in den Kopf gesetzt, die Zeit wieder zu messen. Spätestens im November soll man wieder wissen, was die Stunde geschlagen hat. Von der alten Mechanik ist kaum noch etwas zu finden. Deshalb wird eine innerlich hochmoderne Uhr installiert. Außen jedoch zeigt ein historisierendes und nach möglichen Originalvorgaben angefertigtes Zifferblatt den unaufhaltsamen Gang der Zeit an. Und das erstmals in alle vier Himmelsrichtungen. Denn die Dobberziner sind so ehrgeizig, ihren weithin sichtbaren Turm komplett zu nutzen. So haben die Autofahrer auf der B 2 bei einem Seitenblick aus dem Fenster das riesige Zifferblatt vor Augen. Notwendig dafür sind vier einzelne Zeigertriebwerke und eine Mutteruhr.

Auch wer nicht hinsieht, kann die Zeit verfolgen. Nach Abstimmung mit dem Gemeindekirchenrat und dem Pfarrer erhält die Kirche eine neue Glocke für den Stundenschlag. Voraussichtlich zwischen 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends ist dann das Geläut zu hören. Dazu haben die Uhrenfreunde sogar eine schriftliche Befragung aller Dobberziner Haushalte vorgenommen. "Schließlich wollen wir ja niemanden stören", erklärt Initiator Wolfgang Neudeck.

Die komplette Installation samt Glockenguss, Fernsteuerung und Programmierung kostet voraussichtlich über 15 000 Euro. Sie sollen hauptsächlich aus Spenden und Stiftungen stammen. Seit 2011 sind Bettelbriefe an Firmen und Banken unterwegs. Zahlreiche Zusagen gibt es bereits. "Wir sind bisher überall auf Beifall gestoßen", so Wolfgang Neudeck. Auch bei der jüngsten Einwohnerversammlung, bei der er das Projekt interessierten Zuhörern vorgestellt hat.

Ab Mai läuft eine neue Runde der Spendensammlung an. Mit der Klingelbüchse gehen die Uhren-Betreiber dann von Haus zu Haus. "Wir wollen unserer Kirche wieder ein Stück vom alten Glanz zurückgeben", so Wolfgang Neudeck.

Das sanierte mittelalterliche Bauwerk wird nicht nur für Gottesdienste genutzt. Im Inneren zeigt eine kleine Ausstellung auf großen Tafeln die Geschichte des Ortes anhand von Dokumenten und Fotografien. Regelmäßig treten Sänger und Chöre auf. Und den Kirchenvorplatz halten engagierte Einwohner in Ordnung, um dort Feste zu feiern. Künftig können sie dabei auf die Uhr schauen.

Märkische Oderzeitung vom 27. März 2013

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