Neuenhagener Orgel nach Brand mit Totalschaden

Neuenhagen (sg) Die Orgel in der Neuenhagener Kirche ist nach dem Brand vor fast zwei Wochen als Totalschaden einzustufen. Das hat Elvira Kleest vom Gemeindekirchenrat auf Anfrage erklärt. Die Hoffnung, das wertvolle Musikinstrument zu retten, hat sich im Nichts aufgelöst. "Der heiße Dampf hat die Orgel zerstört", sagt Elvira Kleest. Mit Genehmigung eines Gutachters der Versicherung werde die Orgel in ihre Einzelteile zerlegt und in der Eberswalder Orgelwerkstatt eingelagert. Die Orgelbauer prüfen, welche Teile noch verwendet werden können.

Seit 2011 restauriert: Ullrich Gericke, Kirchenmusiker aus Bad Freienwalde, demonstrierte Kindern in der Kirche Neuenhagen, wie Orgelpfeifen funktionieren.
© Sören Tetzlaff

Als "sehr schlimm" bewertet Karl Richter, Orgel-Experte aus Bad Freienwalde, den Schaden. Karl Richter engagiert sich im Orgel-Förderverein Insel Neuenhagen, der Spenden gesammelt hatte, um gerade diese Orgel sanieren zu lassen. Sie war 2011 eingeweiht worden. Die Königin der Instrumente in der Neuenhagener Kirche sei das zweite Werk des 1854 in Königsberg/Neumark geborenen Orgelbauers Paul Bütow gewesen, berichtet Karl Richter. Die zweite noch erhaltene Orgel dieses Handwerkers befinde sich in Groß Lindow. Im Gegensatz zur Neuenhagener Orgel seien dort aber nur noch wenige Originalbauteile erhalten.

Karl Richter ist sich sicher, dass die Neuenhagener Orgel irgendwann wieder erklingt. Wenngleich noch unklar sei, wieweit sie wirklich zerstört ist. Einige Teile werden sich wieder verwenden lassen. "Für die Orgelbauer ist es eine Heidenarbeit", sagt der Orgel-Experte. Die Hitze sei von oben in die Pfeifen eingedrungen, sodass das geschmolzene Metall nach unten gelaufen ist. Die Holzpfeifen sehen aus wie Röster. Durch die Hitze sei der Holzleim porös geworden und halte nicht mehr.

Die Empore und damit die Winterkirche müsse abgerissen und neu aufgebaut werden, berichtet Elvira Kleest nach dem Gespräch mit den Gutachtern. Ein Chemiker überprüfe nun, inwieweit giftige Stoffe durch verbrannte Dämmstoffe und Fußbodenbeläge in das Gotteshaus gelangt seien, berichtet das Mitglied des Gemeindekirchenrates.

Das Dorf trägt das Unglück gemeinsam: Christina Bonin habe angeboten, dass die Kinder der Christenlehre im Schloss Uchtenhagen unterrichtet werden können. Denn die Kirche werde mindestens zwei Jahre nicht mehr benutzbar sein, vermutet Elvira Kleest.

Märkische Oderzeitung vom 27. März 2013

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