Neuenhagener räumen Schutt aus Kirche

Neuenhagen (MOZ) Nach dem verheerenden Brand vom Sonnabend haben in der Kirche Neuenhagen die Aufräumarbeiten begonnen. Christen und Nichtchristen räumten bereits am Sonntag den Schutt weg, trockneten die Bänke und putzten den Boden.

Dieses Gesangbuch kündet von dem Flammeninferno, das am Sonnabend in der Neuenhagener Kirche gewütet hat.
© Andreas Karpe-Gora

"Wir wollten die Nässe aus dem Gebäude bekommen", sagte am Montag Elvira Kleest vom Neuenhagener Gemeindekirchenrat. Die Brandursachenermittler der Polizei hätten am Sonntag bereits die Kirche freigegeben. Viele Neuenhagener packten gleich nach der Freigabe mit an. Auch Frauen und Männer, die nicht kirchlich gebunden sind, waren zur Stelle. "Ich brauchte nur anzurufen und nichts zu sagen, sie haben alle gleich zugesagt", berichtete Elvira Kleest. Die Neuenhagener identifizieren sich mit ihrer Kirche.

Ihre Sorge galt vor allem der wertvollen Orgel von Paul Bütow aus dem Jahr 1902, die erst im Oktober 2011 nach fünf Jahren Bauzeit eingeweiht wurde. Die Orgel sei kaum nass geworden. Allerdings seien durch die große Hitzeeinwirkung die metallenen Prospektpfeifen - die großen sichtbaren Pfeifen der Orgel - abgeknickt.

Der Schaden, den das Feuer angerichtet habe, sei enorm, sagte die Neuenhagenerin. Die Winterkirche sei komplett zerstört worden. Im Fußboden klaffen große Löcher.

Glücklicherweise habe die schwere Eichentür, die von der Winterkirche in den Turm führt, dem Feuer standgehalten, sagte Elvira Kleest. Sie sei zwar auf der einen Seite vollkommen verkohlt, habe aber verhindern können, dass das Feuer auf den Turm übergreift.

Zwei der alten Bleiglasfenster seien geborsten, informiert die Neuenhagenerin. Sie geht davon aus, dass die Fenster in den Bögen, die die Winterkirche vom Kirchenschiff abtrennen alle ersetzt werden müssen. "Die Scheiben sind milchig braun, sie werden auch durch Putzen nicht mehr sauber", sagte die 70-Jährige, die seit 40 Jahren dem Gemeindekirchenrat angehört und die Sanierung der Kirche von Anfang an begleitet hat. Sie vermutet, dass sie durch die starke Hitzeeinwirkung getrübt worden seien. Auf jeden Fall müsse die gesamte Kirche neu gestrichen werden. Der dichte Qualm habe alles stark verrußt. Der Rauch konnte nicht abziehen und versperrte den Feuerwehrleuten im ersten Moment derart die Sicht, dass die den Brand zunächst nicht lokalisieren konnten und sich Stück für Stück unter Pressluftatemschutz an das Feuer herantasten mussten.

Elvira Kleest vermutet, dass auch einige Balken des Dachstuhls ausgetauscht werden müssen. Das Feuer habe sich zuerst durch die Decke der Winterkirche und anschließend einige Balken nach oben gefressen.

Schon als das Feuer gelöscht war, mussten einige Feuerwehrleute auf dem Dach noch nach Glutnestern suchen. "Die Hitze war immens", bestätigte René Erdmann, Stadtbrandmeister der Bad Freienwalder Feuerwehren, der den Löscheinsatz geleitet hatte. Dies zeige das Abknicken der Prospektpfeifen der Orgel, die dem Feuer gar nicht direkt ausgesetzt waren.

Der mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus eingelieferte Feuerwehrmann, konnte nach kurzer Behandlung wieder nach Hause, erklärte der Stadtbrandmeister. Er war bei Restlöscharbeiten in der Nähe der Orgel beschäftigt und hatte wohl einen Moment lang zu viel eingeatmet.

"Wir ermitteln in alle Richtungen", sagte Reinhard Höhne, Leiter der Kriminalpolizei der Polizeiinspektion Märkisch-Oderland in Strausberg, am Montagnachmittag. Die Vermutungen der Feuerwehr, es könne sich um einen technischen Defekt handeln, wollte er weder dementieren noch bestätigen. Die Arbeiten der Brandursachenermittler des Landeskriminalamtes (LKA) seien noch nicht abgeschlossen. Die Freigabe erfolgte lediglich für das Kirchenschiff, wo das Feuer nicht wütete.

Mit der Serie der Brandstiftungen in Bad Freienwalde habe das Feuer in der Neuenhagener Kirche nichts zu tun, unterstrich Höhne. Nach den Brandstiftern werde nach wie vor intensiv gefahndet. Die Ermittlungsgruppe werde erst aufgelöst, wenn der oder die Täter überführt worden sind.

Märkische Oderzeitung vom 19. März 2013

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