Flammen wüten in Kirche Neuenhagen

Bad Freienwalde/Neuenhagen (MOZ) Anderthalb Stunden haben 55 Feuerwehrleute am 17. März die Flammen in der Kirche Neuenhagen bekämpft. Vermutlich wegen eines technischen Defektes brach am Vormittag in der Winterkirche ein Feuer aus und verwüstete einen großen Teil des Gotteshauses.

Verwüstet: Die Winterkirche der Neuenhagener Kirche.
© Sören Tetzlaff
Schaden: Teile der Empore sind auf die Kirchenbänke gestürzt. Im Boden klaffen enorme Löcher.
© Sören Tetzlaff

"Wir waren mit der Sanierung fast fertig, nur noch die Turmuhr musste gemacht werden", sagte Ortsvorsteher Uwe Bahr und blickte auf den dichten Rauch, der durchs Dach sowie die Fenster am Kirchenschiff und am Turm nach außen drang. "Hoffentlich wird die Orgel nicht beschädigt." Ein Passant hatte den Rauch gesehen und die Feuerwehr alarmiert.

Flammen waren von außen nicht zu sehen. Die große Hitze ließ sich nur erahnen. Fensterscheiben barsten. "Schade um die schönen Bleiglasfenster", sagte der Neuenhagener Sieghard Pietsch, der kaum glauben mochte, was er sah.

Der Alarm war um 11.28 Uhr bei der Feuerwehr eingegangen."Als wir am Einsatzort eintrafen, mussten wir zuerst den Brand lokalisieren", sagte Stadtbrandmeister Renè Erdmann, der den Einsatz leitete. "In der Kirche war die Sicht gleich null."

Der Stadtbrandmeister hatte gleich mehrere mit Pressluftatemflaschen ausgerüstete Trupps ins Innere der Kirche geschickt. Diese stellten fest, dass die sogenannte Winterkirche lichterloh brannte und ein Teil der Empore bereits heruntergebrochen war. Sie befindet sich auf der zur Straße hingewandten Seite des Gotteshauses. Die Winterkirche ist ein abgeschlossener beheizbarer Raum.

Während sich die Pressluftatemträger im Inneren der Kirche den Weg zum Brandherd bahnten, versuchte sich ein Trupp mit der Drehleiter vom Dach aus einen Zugang zu verschaffen. "Wir mussten ein Loch ins Dach schneiden, um von oben an die Winterkirche heranzukommen", erläuterte Erdmann. Das Feuer hatte sich durch die Decke gefressen und griff bereits auf den Dachstuhl über.

Zum Entsetzen der Schaulustigen züngelten immer wieder Flammen aus einem Loch im Dach. Die Feuerwehrleute entfernten mit einem Haken nach und nach die Biberschwänze, um das Loch zu vergrößern und Wasser mit dem am Rettungskorb befestigten Monitor auf das Feuer zu spritzen. Darunter kamen stark geschwärzte Dachbalken zu Vorschein. Um die Wasserschäden so gering wie möglich zuhalten, setzten die Feuerwehrleute ein Netzmittel, ein Gemisch aus Wasser und Schaum, ein, berichtete Erdmann. Besonders rund um die erst vor kurzem mit großem Aufwand sanierte Orgel an der Giebelseite versuchten die Feuerwehrleute ausschließlich Schaum zu verwenden.

Um 12.48 Uhr war das Feuer gelöscht. Lediglich vom Dach stieg vereinzelt immer wieder Rauch auf. Die Wehrleute nahmen die Ziegel auf, um die Glutnester darunter abzulöschen.

Die Feuerwehrleute stellten Lüfter am Eingang der Kirche auf, die Luft in die Kirche bliesen und damit den letzten Qualm aus dem Gebäude verdrängten. Die Männer schleppten bewegliche Gegenstände wie die Modellbauten eines Neuenhagener Rentners aus der Kirche. Elvira Kleest, Mitglied des Gemeindekirchenrates, hatte die Altar-Bibel unter dem Arm, die das Flammeninferno unbeschadet überstanden hatte.

Im Einsatz waren 55 Feuerwehrleute aus Neuenhagen, Bralitz, Bad Freienwalde und Altranft. Darunter befanden sich 23 Pressluftatemträger, das sind jene Frauen und Männer, die an vorderster Front das Feuer bekämpfen. Eine Feuerwehrmann wurde wegen Verdachts einer Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus gebracht.

Polizeibeamte nahmen nach Beendigung der intensiven Löscharbeiten die Schlüssel in ihre Obhut. Denn zunächst haben nur noch die Brandursachenermittler Zutritt.

Die heutige Kirche in Neuenhagen (Insel) ist am 24. Oktober 1902 geweiht worden. Der Vorgängerbau - eine Fachwerkkirche mit Glockenturm musste dem Neubau weichen. Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Turm bei Kämpfen beschädigt und erst in den 1950er Jahren repariert. Die Winterkirche entstand 1953, als die seitliche Empore zu einem Gemeinderaum umgestaltet wurde. Gleichzeitig deckte man den Turm neu ein. Nach und Nach wurde die Kirche saniert. Im August 2012 wütete eine Windhose auf der Insel und deckte das Kirchendach teilweise ab. Die Schäden waren im Herbst behoben worden.

Märkische Oderzeitung vom 18. März 2013

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