Dachstuhl drückt auf Mauerwerk

Wollenberg (MOZ) Die Wollenberger fürchten um den Bestand ihrer Kirche. Wegen Schäden am Dachstuhl ist das Mauerwerk gerissen. Der Turm steht schief. Um das Gotteshaus in absehbarer Zeit retten zu können, hat sich jetzt ein Förderverein gegründet.

 
Die Ursprünge der Wollenberger Feldsteinkirche stammen aus dem 13. Jahrhundert. Die Holzkonstruktionen des Dachs und des Turms bedürfen einer dringenden Sanierung.
© Sören Tetzlaff

In der ehemaligen Feuerwehrgarage, die vergangenes Jahr zu einem Gemeindezentrum umgebaut wurde, drängten sich mindestens 40 Menschen. Christen und Nichtchristen aus der 150-Seelen-Gemeinde fanden sich zusammen, um die Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert, das kulturelle Zentrum des Ortsteils der Gemeinde Höhenland, zu erhalten.

Die Balkenkonstruktion auf dem Gesims, die den Dachstuhl trägt, sei in voller Länge des Kirchenschiffs verfault, schilderte Siegfried Zschärlich, Vorsitzender des Fördervereins, das Problem. Dies betreffe auch die Balkenköpfe, die auf dem Balken ruhen. Weil die Unterkonstruktion den Dachstuhl nicht mehr trägt, drückt dieser das Mauerwerk nach außen. Dadurch durchziehen tiefe Risse die Mauern. Ferner sei die Holzkonstruktion des Turms schadhaft, berichtete Zschärlich. Dadurch sei der Turm inzwischen schief.Nach ersten Schätzungen durch den Architekten Achim Krekeler aus Brandenburg/Havel koste die Sanierung zwischen 250 000 und 400 000 Euro, erklärte der Vorsitzende des Fördervereins. Krekeler hat sich durch die Sanierung von historischen Bauten einen Namen gemacht. Zu seinen Referenzobjekten zählt unter anderem die Schinkelkirche in Neuhardenberg.

In einem ersten Schritt will der Förderverein einen Architekten beauftragen, ein Sanierungskonzept zu erarbeiten. Darin werden die Schäden genau aufgelistet und Varianten vorgestellt, um sie zu beseitigen. Erst dann erfahren die Akteure aus Wollenberg, wie viel Geld der Bauherr für die Sanierung der Kirche tatsächlich hinlegen muss. Dieses Konzept kostet allein 9000 Euro.Sicherheitshalber will der Verein Kostenvoranschläge von zwei Architekturbüros einholen.

Eigentümer des Gotteshauses ist die Evangelische Kirchengemeinde Hoher Barnim mit den Orten Wollenberg, Wölsickendorf und Steinbeck. Weil sie die Kosten für die Sanierung nie alleine tragen könnte, hat sich der Förderverein gegründet, der durch vielfältige Veranstaltungen Geld anspart, um bei öffentlichen Zuschüssen den Eigenanteil aufbringen zu können. Pfarrer Johannes Reimer aus Oderberg, der die Kirchengemeinde Hoher Barnim mit betreut, dankte für die Anteilnahme aus dem Ort. "Der Weg zum Kirchenbau ist ein langer und mitunter steiniger", sagte er. Der Zustand der Wollenberger Kirche habe eine lange Vorgeschichte. Bis ins Jahr 2007 reichten die Bemühungen zurück, einen Verein zu gründen.

Diesmal ging es jedoch ganz schnell. Innerhalb von nur 50 Minuten hatte die versammelten Bürger einstimmig die Satzung verabschiedet und einen zehnköpfigen Vorstand gewählt, in dem auch die Kirchengemeinde als Eigentümer vertreten ist. Der Vorstand wählte Siegfried Zschärlich zum Vorsitzenden und Sven Rothe zu seinem Stellvertreter. Als Schatzmeisterin wurde Brigitte Weprajetzky gekürt, als Schriftführerin Antje Schöntaube und als Beisitzerin Dorita Traub. Zuständig für Kultur ist Gisela Brunke, für Kinder, Familien und Senioren Hildegard Lenz und für die Chronik Jürgen Ruge. Pfarrer Johannes Reimer vertritt die Kirchengemeinde. Als Kassenprüferinnen zeichnen Marita Manzel und Doreen Lutter verantwortlich.

Pfarrer Reimer verwies auf die Gemeindekirchenratswahlen Ende Oktober. Die Wollenberger Gemeindeglieder mahnte er, ihr Recht wahrzunehmen und zur Wahlurne zu gehen und möglichst viele Wollenberger in den Gemeindekirchenrat zu wählen, die die Interessen des Dorfs in dem Gremium vertreten. Denn alle drei Dörfer haben alte Kirchen, die es zu erhalten gelte, erklärte der Pfarrer.

Märkische Oderzeitung vom 09. März 2013

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