Viel Geschichte und ein wenig Moderne

Rehfelder Kirche soll mit der Sanierung nicht zum Museumsstück werden

REHFELD - Nein, leicht machte es sich das kleine Grüppchen Rehfelder, das sich Ende vergangener Woche im Gemeindehaus eingefunden hatte, nicht. Aber in der Diskussionsrunde ging es ja nicht um irgendwas, sondern um die Rehfelder Kirche und um "die Feinheiten, die beachtet werden müssen, damit das Bauen nach Ostern weitergehen kann", wie Pfarrer Henning Utpatel es ausdrückte.

Seit dem Herbst wird der Fachwerkbau aus dem frühen 17. Jahrhundert von Grund auf saniert. Momentan schützen Planen die Balken des Fachwerks und das Innere vor Wind und Wetter. Vom eigentlichen Gebäude steht kaum mehr als das Skelett. Aber das soll eben nicht so bleiben. Über das Wie der weiteren Gestaltung verständigten sich Vertreter des Fördervereins Rehfelder Kirchberg und interessierte Bürger nun mit der Planerin Barbara Biehler aus Berlin.

Da wäre beispielsweise das Gelände vor der Kirche. Vor allem für die Gestaltung des Weges hatte die Planerin mehre- re Vorschläge vorbereitet. Grundsatz dabei: Jeder soll zur Kirche hinkommen auch mit dem Kinderwagen oder im Rollstuhl. Dem stehen momentan einige Stufen in der Böschung zur höher gelegenen Kirche entgegen. Die Planerin würde gern auf diese Stufen verzichten. Die Rehfelder taten sich damit zum Teil schwer. Zu vertraut ist der Anblick. Aber auch die Frage der Wegeführung selbst musste geklärt werden. Man entschied sich für einen leicht geschwungenen Verlauf, der das Gefälle leichter zu bewältigen macht. Statt Pflaster wird es einen festen Sandweg geben.

"Wie trennen wir die Winterkirche ab und wie gehen wir mit der nicht mehr ganz intakten Orgelempore um?", lautete die nächste Frage. Zumindest in den letzten Jahrzehnten stand die Orgel in Rehfeld vorne neben dem Altar. Doch ursprünglich war auch ihr Platz einmal auf der Empore. Vielleicht aus Gründen der Stabilität hatte man sie irgendwann dort heruntergeholt und dazu kurzerhand ein großes Stück aus der Brüstung der Empore herausgeschnitten.

Fest steht: Die Rehfelder Orgel soll wieder nach oben. Die zuletzt mit Platten verkleidete Empore wird wieder als solche erkennbar sein. Planerin Barbara Biehler schlägt allerdings vor, die Lücke in der Brüstung nicht mit Brettern zu schließen, sondern mit Glas. So würde die Orgel deutlich sichtbar.

Glas soll auch den Raum unter der Empore als Winterkirche abtrennen, und zwar durchgehend bis zum Fußboden. Ziel der Planerin: Historische Substanz und neuzeitliche Ergänzungen wären klar voneinander zu unterscheiden. Die Rehfelder finden die Idee gut, die beispielsweise auch die Installation dekorativer, bunter Glaselemente in der vor etwa 100 Jahren erneuerten Ostwand der Kirche mit einschließt.

Das führte dann auch schon zum Innenraum. Und der bereitete den Versammelten nicht wenig Kopfzerbrechen. Denn die farblichen Vorstellungen der Planerin weichen doch deutlich von der bisherigen Gestaltung ab. Restauratorische Untersuchungen hätten ergeben, dass die Kirche im Inneren ursprünglich durchgehend in einem hellen Ockerton gehalten war und nicht wie zuletzt in Weiß mit dunkel abgesetzten Balken, erklärte Barbara Biehler. Der Einwand "Ihr könnt doch nicht alles in Ocker machen" fand aber zumindest zum Teil Gehör. Die Decke vom Original war nicht viel übrig wird eventuell weiß. "Wir hoffen sehr, dass die Finanzen es hergeben, dass wir neue Deckenbretter einbauen können", sagte Pfarrer Henning Utpatel. Der Fußboden wiederum soll, angelehnt an den Originalzustand, mit Klinkerplatten belegt werden.

Dass die Runde an dem Abend einige Kompromisse einging, fand Barbara Biehler ganz normal. "Das ist immer die Frage: Wie gehe ich damit um, mit Alt und Neu? Will ich das zeigen oder versuche ich, es zu vertuschen? Perfekt gelingt das nie."

Die Planerin erwartet, dass das Rehfelder Kirchlein bis Juni im Rohbau steht und dass der Bau spätestens im September wieder genutzt werden kann. (Von Alexander Beckmann)

Märkische Allgemeine vom 25. Februar 2013

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