Ein Werk für die ganze Welt

Die Fenster im Chorraum der Sankt-Marien-Andreas-Kirche werden jetzt im Internet gezeigt und erklärt

RATHENOW - Das vielleicht bedeutendste Rathenower Kunstwerk der letzten Jahre fristet in gewisser Hinsicht ein Schattendasein. Die neuen Fenster im Chorraum der Sankt-Marien-Andreas-Kirche kann nur richtig betrachten, wer sie von innen im Gegenlicht sieht. Und dann fehlen noch die erklärenden Worte, schließlich hat der Rathenower Maler und Grafiker Gerhard Henschel die insgesamt acht Chorraumfenster als Gesamtkunstwerk angelegt. 1996 hatte er von der Kirchengemeinde den Auftrag erhalten, im September 2000 war das letzte Fenster fertig geworden und seit wenigen Tagen werden die Fenster jetzt mit einer multimedialen Präsentation im Internet der ganzen Welt vorgestellt.

Schöpfer dieser sachkundigen und gut verständlichen Darstellung ist der Semliner Helmut Neitzel. "Ich habe mir gedacht, da muss etwas passieren", hat er gesagt. Denn vor einiger Zeit sei ihm klar geworden, dass die Fenster im Internet bislang nur ganz schwach vertreten waren. Diesen Mangel hat er nun persönlich beseitigt. "Die Fenster sind in gewissem Sinne eine Wiedergabe der Bibel in einer besonderen Form", findet er und erklärt: Auf den ersten Blick sei manches nicht sofort erkennbar, der Betrachter müsse sich genauer mit dem Werk beschäftigen. Zum Beispiel komme im Fenster "Geöffnetes Kreuz" der Toleranzgedanke zum Ausdruck ein Thema, das gerade in diesen Tagen von großer Bedeutung sei.

Helmut Neitzel hat die Präsentation selbst erstellt, er konnte aber auf die Unterstützung verschiedener Helfer zurückgreifen. Sie alle sind im Impressum des Internetauftritts genannt. Viele Bilder stammen von den Rathenower Fotofreunden. Besonders hervorgehoben hat er Amkelina Kegel, die sich um Texte zur Historie der Kirche kümmerte. Im mittleren Fenster zeige der Künstler alle großen Religionen der Welt rund herum um einen Kelch, hat sie gesagt. Die Darstellung dieser Zusammengehörigkeit aller Menschen in einem Kirchenfenster sei als Botschaft einzigartig auf der ganzen Welt.

Helmut Neitzel hat besonders der Rathenower Webdesignerin Svetlana Loos gedankt, weil sie ihm Platz auf ihrer Internetseite www.creative-people-market.de kostenfrei zur Verfügung gestellt hat. Wer die deutsche Übersetzung "Markt für kreative Menschen" bei Google eingebe, finde das Portal gleich an erster Stelle. Svetlana Loos erklärte, sie habe diese Internetseite aufgelegt, um künstlerisch kreativen Menschen eine Gelegenheit zur Darstellung zu geben. Helmut Neitzel habe seine Präsentation technisch sehr gut gestaltet. Und es sei spüren, dass ihm das Thema sehr am Herzen liege.

Pfarrer Andreas Buchholz nannte die neue Präsentation der Chorfenster eine "tolle Initiative". Der Gemeindekirchenrat finde es gut. Das Internet sei ein Medium, das ständig gebraucht werde. Die Kirchengemeinde habe auf ihrer Internet-Seite bereits einen Link (Verweis) zur Präsentation gesetzt.

Svetlana Loos hat übrigens den Beginn der Fensterpräsentation groß für die Startseite ihres Portals "Kreative Menschen" verwendet. Jedes einzelne Chorraumfenster wird mit der Kamera in aller Ruhe abgefahren und Helmut Neitzel liest dazu erklärende Worte des Künstlers Gerhard Henschel vor. Beim Anklicken des Fensters "Begegnung" werden später auch Bilder des Malwettbewerbs "Kinder-Kirche- Kirchturmspitze" gezeigt. Helmut Neitzel hat wenig Lesetext eingearbeitet, dafür mehr zum Hören und Schauen eingebaut. Auch eine Stelle für wechselnde Themenbeiträge ist vorgesehen, denn die Besucher der Seite sollen auch öfter mal etwas Neues finden können. (Von Bernd Geske)

Märkische Allgemeine vom 15. Februar 2013

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