Wulkow hofft auf ein zweites Wunder für Dorfkirche

Wulkow bei Trebnitz (MOZ) Ende der 90er haben sie es schon einmal geschafft. Nun hofft der Förderverein der Kirche Wulkow auf ein weiteres Wunder. Bis zum Vereinsjubiläum im Dezember 2015 soll der Turm saniert sein und die Zeiger der Uhr sich wieder drehen.

 
Eine Menge Holz: Jürgen Jander deutet auf den sogenannten Kaiserstuhl des Turmes. Die Balken müssen teilweise erneuert werden. © MOZ

Stufe für Stufe kommt der Besucher der Wulkower Kirche dem Himmel ein Stückchen näher. Der Schnee auf der Treppe allerdings erschwert den Aufstieg dieser Tage etwas. Die Uhr am Turm des Gotteshauses ist schwarz, ein Ziffernblatt nicht mehr erkennbar. 2015 soll sie wieder in neuem Glanz erstrahlen. Dann nämlich feiert der Förderverein der Kirche sein 20-jähriges Jubiläum. Die Uhr allerdings ist Feinschliff. An der Kirche sind umfangreiche Sanierungsarbeiten geplant. Gerade hat die Neuhardenberger Gemeindevertretung einstimmig beschlossen, 5000 Euro für diese Arbeiten zuzuschießen. "Insgesamt wird die Sanierung etwa 164000Euro kosten", sagt Jürgen Jander, Vorsitzender des Fördervereins der Kirche. Unter anderem sollen die Außenfassade saniert, die Fugen ausgebessert werden. Hauptaugenmerk aber liegt auf dem Turm. Der ist im Vergleich zum Rest des Komplexes noch relativ jung. Während die aus Granitquadern bestehenden Umfassungsmauern bis auf die zweite Hälfte des 13 Jahrhunderts zurückgehen, wurde der Turm erst in den Jahren 1873/74 erbaut. Darauf weist die Zahl 1874 in der Wetterfahne hin. Auch sie soll im Zuge der Sanierung erneuert werden. Der steile Aufstieg von der Straße aus stammt aus dem selben Jahr.

Im Turm muss nun voraussichtlich der sogenannte Kaiserstuhl, die Hauptachse der Balkenkonstruktion in der Spitze, erneuert werden. Von einem Holzgutachter wurden die Balken zunächst überprüft. Im Februar entscheidet sich, wie teuer die Sanierung wird. Jürgen Jander rechnet mit Kosten zwischen 80000 und 90000Euro allein für den Turm.

Finanzieren will der Förderverein das Vorhaben mit Fördergeldern. "Die versuchen wir gerade einzutreiben", sagt Jander. Dazu will sich der Verein unter anderem an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, an die Geschwister-Hoffmann-Stiftung sowie ans Kirchliche Bauamt wenden. Der Vorsitzende des Fördervereins rechnet mit einem Baubeginn im nächsten Jahr. Sollte Geld übrig bleiben, könnte auch die Eingangstür gemacht werden. Alles nach und nach. Jürgen Jander blickt dem Vorhaben optimistisch entgegen. "Rom wurde auch nicht an einem Tag errichtet", zitiert er ein altes Sprichwort.

So zieht sich auch die Sanierung der Dorfkirche über Jahrzehnte. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Gotteshaus stark beschädigt. Bis 1952 konnte die Kirchengemeinde die Nordwand und den Ostgiebel des Gebäudes reparieren, den Mauersims erneuern, den Dachstuhl ausbessern und das Dach neu eindecken. Mitte der 50er-Jahre wurde der Turm mit zwei neuen Glocken bestückt. Doch Mitte der 80er entdeckte man starken Schwammbefall im Tonnengewölbe. Erste Maßnahmen zur Beseitigung begannen, die desolate Schalung wurde entfernt. Mit der Wende allerdings fanden diese Sanierungsarbeiten ihr vorläufiges Ende. Mit kaputtem Dach und ohne Decke konnte die Kirche vorerst nicht genutzt werden.

Die Rettung kam in Form von Carla Kniestedt und der ORB-Sendung "Zeit läuft", erinnert sich Jürgen Jander. Mithilfe der Fernsehsendung konnten Spenden für die Arbeiten gesammelt werden. Die Gesamtkosten für Tonnengewölbe, Dacheindeckung und Verputzung des Innenraums: 210000D-Mark. Am Reformationstag 1999 konnte die Kirche dann feierlich geweiht, als Zeichen der geschafften Arbeiten ein Walnussbaum auf dem Festplatz gepflanzt werden. In diesem Zuge wurde die komplette Elektrik der Kirche erneuert, neue Fenster wurden eingesetzt sowie später neben dem Altar eine kleine Teeküche eingerichtet.

Bereits zuvor, direkt nach seiner Gründung im Dezember 1995, hatte der Förderverein die Außenanlage in Angriff genommen. Nun hofft dessen Vorsitzender Jürgen Jander auf ein weiteres Wunder.

Märkische Oderzeitung vom 26. Januar 2013

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