Festtage in Gadow

150-jährige Kirchweihe mit Turmbekrönung und Inbetriebnahme der sanierten Orgel stehen bevor

GADOW - Vor zehn Jahren ging ein Ruck durch Gadow: Der Verfall der neogotischen Kirche im Ort sollte gestoppt werden. Eine kleine Gruppe von Einwohnern und engagierte Menschen der Bürgerinitiative "Freie Heide" markierten damals den Anfangspunkt einer beispiellosen Bewegung. Am kommenden Wochenende feiern die Gadower nun den 150. Geburtstag der Kirchweihe. Mittlerweile sind 250 000 Euro in die Kirche investiert und pünktlich zu diesem Jubiläum erfolgen die Turmbekrönung sowie die Wiederinbetriebnahme der sanierten Orgel.

"Das ist eine ganz große Freude, die kaum zu beschreiben ist", sagte Architektin Bärbel Kannenberg am Freitag bei der Bauabnahme des Kirchturms. Gut 100 000 Euro sind dort durch sechs Gewerke investiert. "Im Jahre 2006 hatten wir ein Konzept entwickelt mit dem Zielpunkt zur 150-jährigen Kirchweihe, doch damit ist noch nicht der Endpunkt erreicht", fasste Kannenberg zusammen. Dieses "Konzept erforderte Mut und Vertrauen, doch hier ist dies alles so positiv angenommen", lobte die Architektin das "außergewöhnliche Engagement im Dorf." Umso mehr schätze sie, "wie die Gadower mit diesem Haus arbeiten und es in ihrer eigenen Mitte sehen." Christian Dörendahl, Vorsitzender des zuständigen Gemeindekirchenrates sieht in der Fördervereinschefin Renate Schüler den "Motor und die gute Seele für die Kirche". Kirchengemeinde und Förderverein arbeiteten in den zurückliegenden Jahren Hand in Hand. "Frau Schüler motiviert und führt die Leute mit ihrer positiven Einstellung zusammen", ergänzte Bärbel Kannenberg. Somit sei "Unmögliches möglich geworden."

Rückblende: Vor zehn Jahren glich die neogotische Kirche einer Tropfsteinhöhle es regnete durch, Vögel nisteten im Kirchenschiff und Birken wuchsen aus dem Mauerwerk. Doch dann ergriffen die Mitglieder vom Förderverein das Steuer und führten das Gotteshaus schrittweise wieder in ruhigere Fahrwasser: Das Dach über der Empore bildete den Anfang der Bauarbeiten. Inzwischen ist das Dach vollständig erneuert. Im Innenbereich wurden die Süd-, Nord- und Ostseite neu verputzt. Auch die Wand über der Empore ist restauriert und ausgemalt. Nun erfolgte seit August letzten Jahres die Turmsanierung. Finanzmittel kamen von kommunaler Seite, der Kirchenstiftung Kiba, dem Kirchenkreis Wittstock-Ruppin, der Landeskirche, der Europäischen Union und dem Land sowie aus Privatspenden, die der Förderverein sammelte. Hinzu kommen unzählige Veranstaltungen in der Kirche in den letzten Jahren, deren Einnahmen ebenfalls in das Projekt flossen.

Auch die Lütkemüller-Orgel wird kommendes Wochenende wieder neu in Gadow erklingen. Orgelbauer Friedrich Drese aus Malchow baut sie derzeit auf. Die Orgel mit sieben Registern und 331 Pfeifen aus Zinn und Blei stand zunächst ab 1856 in der Wittstocker Heilig-Geist-Kirche. Genau 100 Jahre später erfolgte der Umzug nach Gadow. Vor mehr als zehn Jahren stellte sich Friedrich Drese der Herausforderung und machte die nach Malchow ausgelagerte Orgel wieder flott. "Sie ist filigran spielbar", lobte er das Instrument. Lütkemüller hinterließ mehr als 200 Orgeln "kein anderer Orgelbauer hat so effektiv gearbeitet, denn kein anderer baute die Orgeln in Serie", klärte Drese auf. Er begleitet den Festgottesdienst am kommenden Sonntag musikalisch und darf als Erster in die Tasten greifen. (Von Christamaria Ruch)

Märkische Allgemeine vom 21. Januar 2013

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