Drei komplett neue Dachstühle

Gielsdorf (MOZ) Der Baustellen-Eröffnungsgottesdienst ist Geschichte. Das Endziel, Sanierung und Gestaltung der Dorfkirche Gielsdorf zu einer Kunstkirche, schon etwas näher gerückt. Und unter der Einrüstung kreischen Sägen und hallen Hammerschläge.

 
Mathias Engel und seine Kollegen von der Müncheberger Baugesellschaft wuchten einen 100 Kilo schweren Balken aus Kiefernholz auf seinen Platz. Alle Dachstuhl-Teile müssen im Zuge der Sanierung neu erstellt werden. © MOZ Gerd Markert

"Hier wird bis minus zehn Grad gearbeitet. Wir sind wirklich bisher sehr zufrieden mit den Bauleuten", sagt die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Brigitte Kurras verweist auf die umfangreichen Arbeiten am ältesten innerörtlichen Gebäude, vom obersten Dachzipfel bis hinunter zum Fußboden, auf das sorgfältige Einhausen des Gestühls im Kirchenraum, auf das mehrfach durch Planen geschützte Gebäudeinnere.

Gegenwärtig befindet man sich noch im ersten Bauabschnitt des über Leader geförderten Großvorhabens der Kirchengemeinde Gielsdorf, Wilkendorf, Hirschfelde mit einer Gesamtinvestitionssumme von über 600 000 Euro. Auf die dringende Erneuerung der Dachstühle und die Wiedereindeckung folgen im zweiten Bauabschnitt Fenster, Fassadenreparatur, Putz- und Maler-, alle Innenarbeiten. Doch vor der Ausschreibung dafür im Frühjahr müssten noch verschiedene Fragen mit der Denkmalschutzbehörde geklärt werden, erzählt Brigitte Kurras.

Für das Einzeldenkmal Dorfkirche geht es beispielsweise darum, in welcher Art die Dachentwässerung erfolgt, und auch das Farbkonzept für den Innenraum muss noch diskutiert und abgestimmt werden. "Es sind bei den Untersuchungen zwar Reste von Farbschichten aus unterschiedlichen Zeitepochen gefunden worden - sie war mal richtig bunt, mit viel Rot -, aber das zu restaurieren, wäre unbezahlbar."

Dick und behäbig thront das gut 750 Jahre alte Gielsdorfer Gotteshaus auf dem Hügel mitten im Dorf. Doch die besten meterdicken Mauern und Wände nutzten nichts, wenn das Gebälk unterm Dach den Dienst nicht mehr tut. Seit den Sanierungsarbeiten 1967, damals behindert durch Materialengpässe und Geldmangel, und der Dach-Neueindeckung mit Biberschwänzen Anfang der 1990er-Jahre war an dem hölzernen Tragwerk und den Deckenbalken immer wieder geflickt worden. Etwa 10 000 Euro nennt die GKR-Vorsitzende als Richtwert für die letzte Notsicherung. Zu retten gewesen sei aber letztlich nichts, besagten die Gutachten.

Alle drei Dachstühle müssen nun komplett neu aufgebaut werden. Die Tragfähigkeit war einfach nicht mehr gegeben. Die obere Denkmalbehörde habe zwar angenommen, so Kurras, dass ein Teil des Holzes bewahrt und nochmals eingesetzt werden könnte, aber das sei nicht möglich gewesen - schon wegen der Behandlung mit nicht mehr zugelassenen Holzschutzmitteln.

Letzteres bedeutet aber auch, dass unter Vollschutz abgerissen und die Hölzer extra entsorgt werden mussten. Wiederum eine kostspielige Angelegenheit. "Ohne die Förderung von rund 400 000 Euro könnten wir das ohnehin nicht leisten", macht Brigitte Kurras klar. Und auch das Sparen, Spenden und Sammeln würde nicht für den Eigenanteil reichen ohne die Zuschüsse von Landeskirche, Kirchenkreis und Stadt Altlandsberg. "Wir gehen mit der Sanierung an die Grenze unserer Leistungsfähigkeit."

Die Zimmerer liegen im Plan. Am Montag soll der Kirchturm eingerüstet werden, damit später das Dach in einem Zuge wieder eingedeckt werden kann. Dann sind die nächsten Gewerke dran.

Märkische Oderzeitung vom 20. Januar 2013

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