Verborgen oder schwebend

Zinksarg mit Engel in Neuhausener Gruft entdeckt / Berger Taufengel hängt wieder im Gotteshaus

BERGE/NEUHAUSEN - In der ersten Hälfte des Jahres 2012 wurde die Kanzel in der Kirche von Neuhausen bei Berge restauriert, zudem konnte mittelalterliche Wandmalerei freigelegt werden. Jetzt können der Förderverein Schloss Neuhausen und die Kirchgemeinde einen weiteren Erfolg beim denkmalgerechten Erhalt von Gotteshaus und Umfeld vermelden: In der zweiten Jahreshälfte konnte die Gruft der Familie von Winterfeld saniert werden, die seit dem Jahr 1712 alleiniger Besitzer von Neuhausen war. Im Zeitraum 1716 bis 1823 wurden am Westgiebel elf verstorbene Familienmitglieder beigesetzt. Im Jahre 1867 erfolgte der steinerne Überbau mit Grabplatte aus Sandstein als letzte Ruhestätte für Rudolph von Winterfeld.

Das marode Mauerwerk war Anfang der 90er Jahre ausgebessert und verputzt worden, ist aber inzwischen wieder in sehr schlechtem Zustand. Als nun im Herbst die Sanierung beginnen konnte, wurde gemeinsam mit der Denkmalbehörde das "Geheimnis" gelüftet, das die sechs Quadratmeter große Grabplatte hütete. Dazu wurde die Platte gar nicht heruntergenommen. Man bekam Einblick, während man das tragende Mauerwerk ringsum abschnittsweise abriss und mit Klosterformat-Ziegeln neu hochmauerte.

"Es fand sich ein wunderschöner Zinksarg mit Engeln", berichtet Albrecht Küsell. Er ist Schatzmeister des Fördervereins Schloss Neuhausen. Sein Architekturbüro begleitet die Sanierungsprojekte in der Kirchengemeinde vom Fördermittelantrag bis zur Fertigstellung. Wie er erklärt, blieben von der alten Gruft neben der Grabplatte, unter der nun weiterhin der Sarg verborgen bleibt, auch noch Teile der Platteneinfassung erhalten.

Zum Gruft-Projekt gehörten die Aufarbeitung der dazugehörigen Gedenktafel und die Neugestaltung des Platzes. Die Arbeiten ausgeführt haben Fachfirmen aus der Region, betont Albrecht Küsell.

Die Gruft-Sanierung war Bestandteil eines Förderpaketes, zu dem auch die Freilegung der mittelalterlichen Wandmalerei in der Neuhausener Kirche durch die Restauratorengemeinschaft Jochen Hochsieder aus Rheinsberg gehörte. Doch es wurde an der Giebelwand kein geschlossenes Bild gefunden. Es sind nur noch Fragmente eines Bilderzyklus’ aus der Entstehungszeit der Kirche um 1430 vorhanden. In Abstimmung mit der Denkmalbehörde wurde entschieden, das Freigelegte so zu belassen und nicht weiter zu retuschieren.

Insgesamt rund 23 500 Euro wurden für Wandmalerei-Rettung und Gruft ausgegeben: 14 800 Euro ILE-Fördermittel, 5000 Euro Spendengeld der Winterfelds, 2000 Euro vom Förderverein Schloss Neuhausen, 1000 Euro vom Kirchenkreis und rund 700 Euro von der Kirchengemeinde.

Die im Sommer 2012 beendete Restaurierung der Kanzel in der Neuhausener Kirche wurde durch eine Spende der Sparkasse Prignitz ermöglicht. Restaurator Oliver Helle aus Rhinow erkundete zunächst, welche Farbgebung Kanzel und hölzerne Reliefs vor späteren Übermalungen hatten. Jetzt kann man die Wappen der Familien von Rohr und Maltzahn sowie die biblischen Gestalten neu in ursprünglicher Farbkraft bewundern.

Die Mitglieder des Fördervereins und die Kirchengemeinde freuen sich, dass im vergangenen Jahr solche großen Fortschritte beim Erhalt der historischen Kostbarkeiten möglich waren. Viel Lob gab es bereits von den vielen Hochzeitspaaren, die sich in der Kirche trauen lassen und mit ihren Gästen im Schloss Neuhausen feiern. "Jetzt ist hier nur noch das Epitaph für Hans von Rohr zu restaurieren, dann sind wir erstmal fertig", sagt Albrecht Küsell. Die Gedenktafel war 1569 von Dorothea Finicken zu Ehren ihres verstorbenen Mannes gestiftet worden.

Mit seinem Architekturbüro begleitete Küsell noch ein weiteres Projekt: Die Teilrestaurierung des hölzernen Taufengels, den das Pfarrerehepaar Hanack auf dem Boden des Berger Pfarrhauses entdeckt hatte, welches sie 1989 bezog. Die Barockfigur, Werk eines unbekannten Künstlers aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, hing ursprünglich in der Kirche von Hülsebeck, die 1968 abgerissen wurde.

Als Angelika und Klaus-Dieter Hanack die schon wurmstichige Figur fanden, fehlten ihr Flügel, Finger und Zehen. Jahre vergingen, dann begann man mit einer Spendensammlung im Pfarrsprengel Berge, die 1000 Euro ergab. Ein Glücksumstand war, dass der Taufengel aus Berge im Jahre 2010 in die Weihnachtsaktion "Menschen helfen Engeln" des Landesdenkmalpflegeamtes, der Landeskirche und des Förderkreises Alte Kirchen einbezogen wurde. Das ergab weitere 3000 Euro. Schließlich, so Albrecht Küsell, sagte auch die Sparkassenstiftung 3500 Euro zu. Restaurator Jochen Hochsieder konnte die Figur nun konservieren und fehlende Teile ergänzen. Neue Farbe bekam sie auf Wunsch der Denkmalpfleger nicht, nur die alten Farbreste wurden etwas aufgefrischt. Weihnachten 2012 schwebte der Taufengel nun nach langer Zeit erstmals wieder in einer Kirche – jetzt aber eben in der von Berge. (Von Ulrich Fischer)

Märkische Allgemeine vom 12. Januar 2013

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