Kirchen-Retter feiern 10. Geburtstag

Die Krangener feierten den 175. Geburtstag ihres Gotteshauses

Stendell (MOZ) Vor zehn Jahren musste die Dorfkirche in Stendell gesperrt werden, weil der Turm einzustürzen drohte. Im Sommer konnte das rundum sanierte Gotteshaus wieder eingeweiht werden. Doch der Freundeskreis zum Erhalt der Feldsteinkirche sieht seine Arbeit noch längst nicht am Ende.

 
Peter Schöne, Rüdiger und Eveline Lüdtke vom Freundeskreis Feldsteinkirche Stendell
© MOZ/Andrea Weil

Es war ein schlimmer Anblick: Von dem Fachwerkturm lief das Wasser bis ins Kirchenschiff, die Deckenverzierungen und die Dielen der Orgelempore waren verfault. Nach einer Begehung machte das evangelische Konsistorium Berlin die Kirche dicht. Ein Gebäude, welches das Bild vom Stendeller Ortskern seit dem 14. Jahrhundert geprägt hat.

"So viele gibt es davon nicht mehr", sagt Rüdiger Lüdke. "Das meiste ist weggerissen." Deshalb machten sich der geborene Stendeller und seine Frau Eveline daran, sich im Dorf umzuhören, wie es mit der Unterstützung zur Rettung der Kirche aussieht. 74 Mitglieder hat die evangelische Kirchengemeinde - doch für das Ehepaar Lüdtke ist das nicht allein eine Frage des Glaubens. "Man kann eine Kirche in der Ortsmitte nicht einfach einfallen lassen", sagt sie. Mitstreiter Peter Schöne sieht das genauso. Zu seinen schönen Kindheitserinnerungen gehört, wie sie den Blasebalg für die Orgel treten mussten - und dabei so viel Unsinn machten, dass dem Kantor die Luft ausblieb.

Am 9. Dezember 2002 gründete sich der Freundeskreis zum Erhalt der Feldsteinkirche, zunächst nur, um Anträge auf Fördermittel ausfüllen zu können. Doch damit wollten es die 17 Mitglieder nicht bewenden lassen: Nachdem der Turm notdürftig abgestützt worden war, ließen sie die völlig verstimmte Orgel restaurieren, um Benefiz-Konzerte veranstalten zu können. Bei jedem Dorffest waren sie dabei und zeigten die alte Bekrönung des Kirchturms, die im zweiten Weltkrieg herunter geschossen worden war. Kalenderverkauf, Straßensammlungen, plattdeutsche Abende - die Ideen, um an Geld zu kommen, gingen ihnen nicht aus. Als es ans Renovieren ging, räumte der Freundeskreis den Dachboden auf, ließ Stromleitungen verlegen, schaufelte alte Steinhaufen weg, die an der Kirchenmauer lagen, und brachte die Einrichtung im Pfarrhaus in Sicherheit.

Die Einweihung im Sommer war ein "innerer Vorbeimarsch", sagt Peter Schöne. "Jetzt müssen wir neue Ziele formulieren", meint Rüdiger Lüdtke. Pläne gibt es genug: den Taufstein restaurieren lassen, die Schrift wieder freilegen, die über dem Altarbogen unter Putz verschwunden ist, eine Chronik verfassen.

Treffen des Freundeskreises: 2. Dienstag im Monat, 19 Uhr im Pfarrhaus

Märkische Oderzeitung vom 31. Dezember 2012

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