Festtag für eine Kirche

Die Krangener feierten den 175. Geburtstag ihres Gotteshauses

KRANGEN - In diesem Moment konnte nicht mal Gott helfen. Ein Versehen und schwapp war der Erbseneintopf auf der Wiese. Helfer hatten vor der Krangener Kirche getestet, ob der Suppenkessel richtig sitzt. Dabei löste sich eine Kette aus der Halterung, der Kessel geriet aus der Balance. Am Ende hat der Suppenrest trotzdem für alle gereicht.

175 Jahre nach der Einweihung ihrer Kirche fanden sich die Krangener gestern zu einem großen Festgottesdienst zusammen. 100 Kirchenleute, Gemeindemitglieder aus der Nähe und Ferne, Vertreter von Stadt und Kreis, Bauversierte und -interessierte überbrachten ihre Glückwünsche zum Jubiläum der Kirche, die auf Pläne von Karl Friedrich Schinkel zurückgeht.

Die Vorgängerin der Krangener Kirche, ein Fachwerkbau, war Ende des 18. Jahrhunderts zu klein geworden für die wachsende Gemeinde. Vor allem aber war sie baufällig. 40 Jahre bemühten sich die Gottesleute und der Dorfschulze redlich. Heiligabend 1837 war es soweit. Das ganze Dorf war zur Kirchweihe auf den Beinen. Sämtliche Einwohner ob groß, ob klein, ob arm, ob reich "setzten sich vom Schulhaus aus in einem Festumzug in Bewegung". So beschreibt es die Chronik, aus der Susann Fedchenheuer gestern vorlas. Für die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates in Krangen war es ein außerordentlicher Festtag: "Es ist immer wieder schön, wenn in unserer Kirche Leben ist."

Nicht alles lief seit der Entstehung des Gebäudes glatt. 1835 bekamen die Krangener Nachricht, dass der Bau des Kirchturmes aus Geldmangel verschoben werden muss. Bis heute fehlt er. Und für den Förderverein der Krangener Kirche war es ein herber Schlag, als er in diesem Jahr erfuhr: Fördermittel wird es nicht geben. 130 000 Euro waren beantragt. Viele weitere Sanierungsschritte sollten damit erledigt werden.

Nun wird es auch ohne gehen da ist sich Thomas Graap sicher. "Das nächste Jahr wird für uns sehr spannend", sagte der Chef des Fördervereins. Toiletten und eine Teeküche sollen 2013 eingebaut werden. Wenn das Geld reicht, auch eine Heizung.

Die Pläne sind groß, der erste Schritt dorthin ist aber längst erreicht, betonte Matthias Puppe, Superintendent des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin, in seiner Predigt: "Diese Kirche bietet viel Raum für Kontakte zwischen Christen und jenen, die nicht zur Gemeinde gehören, aber genauso ihr Herz für das Gebäude einsetzen." Neben dem bauhistorischen Erhalt der Kirche sei es wichtig, sie als ein Zeichen des Glaubens erkennbar zu lassen. "Menschen, die hier ein- und ausgehen, sollen sich orientieren und sich ihrer Lebensgründe vergewissern können." In gewisser Weise, so Puppe, sei es beeindruckend, mit welch hohem Grad an Verbindlichkeit das einst auch in Krangen erkennbar gemacht wurde.

Zur Zeit der Kirchweihe hatte jeder Mensch im Dorf seinen angestammten Platz im Kirchengestühl mit unverwechselbarer Sitzplatznummer. Bald wurde das abgeschafft, eine solche soziale Kontrolle war nicht mehr zeitgemäß. Erinnert haben sich aber alle Generationen immer wieder gern an die ersten Tage und Jahre des neuen Krangener Kirchleins. (Von Juliane Felsch)

Märkische Allgemeine vom 31. Dezember 2012

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