Der Stern von Krangen

Die Dorfkirche wird 175 Jahre alt / Auch ohne Fördermittel soll die Sanierung 2013 weitergehen

KRANGEN - Thomas Graap hebt den Blick zur Decke. Dort oben ist er: ein einsamer Stern in Weiß und Gold auf blau-türkisem Untergrund. Direkt vor den Resten der alten Orgel. Einst war die gesamte Decke der Dorfkirche von Krangen mit solchen Sternen bedeckt. Vor genau 175 Jahren wurde die kleine Kirche eingeweiht. Damals sorgte der Sternenhimmel für Bewunderung. Am Sonntag feiern die Krangener den 175. Jahrestag der Kirchweihe (siehe Infokasten). Leider ohne Himmel, der ist vor Jahren einer Deckenreparatur zum Opfer gefallen.

Thomas Graap kennt das Meisterwerk nur aus Erzählungen. Gerade mal zwei Monate ist es her, dass er den Vorsitz des Fördervereins der Krangener Kirche übernommen hat. Vor anderthalb Jahren ist seine Frau Pfarrerin in Neuruppin geworden. Richtig kennengelernt hat der 50-Jährige die Dorfkirche aber erst in diesem Jahr. "Das war zu Johanni", erinnert er sich. Schon bei der ersten Begegnung Ende Juni war Thomas Graap überwältigt. Kurzentschlossen hat er sich an Susann Fedchenheuer gewandt, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates: "Ich hab ihr meine Hilfe angeboten, falls die gebraucht würde."

Der Gemeindekirchenrat hatte schon fast aufgegeben. Seit Jahren versucht er gemeinsam mit dem Förderverein die Krangener Kirche wieder auf Vordermann zu bringen. Vieles haben die Krangener mit vereinten Kräften geschafft, die schlimmsten Schäden sind beseitigt und es gibt ein Konzept für die Zukunft des schlichten Baus. "Es soll ein Haus für alle werden. Für Christen wie für Nichtchristen", sagt Susann Fedchenheuer.

Sechs-, siebenmal im Jahr feiern die Krangener Gottesdienst. Allein dafür ist das Haus fast zu schade. Schon lange hatte der Förderverein Pläne für eine Art Gemeindezentrum. Nur ging es damit seit einiger Zeit kaum noch voran.

Die Krangener hatten sich Hoffnung auf Fördermittel aus dem Leader-Programm der EU für die ländliche Entwicklung gemacht: 130 000 Euro waren beantragt. Seit diesem Jahr steht fest: Fördermittel wird es dafür nicht geben.

Wie es ohne dieses Geld weitergehen sollte, war völlig ungewiss. Nachdem sich so lange nichts getan hatte, war sogar die Frage, ob der Förderverein überhaupt weitermachen kann. Thomas Graaps Hilfsangebot kam genau zur rechten Zeit.

Der selbstständige Unternehmer bringt neuen Schwung ins Dorf. Hinzukommt, dass auch der Kreiskirchenrat eine Finanzspritze zugesagt hat, obwohl die erhofften Fördermittel abgesagt sind. "Dass auch mal eine so kleine Kirche unterstützt wird, ist eine tolle Sache", sagt Susann Fedchenheuer dankbar.

Statt alles auf einmal zu erledigen, bauen die Krangener ihre Kirche nun eben nach und nach um. Das Ziel ist klar: Das Haus soll Kirche und Kulturzentrum werden. Ein Ort für Konzerte, Lesungen und Kinoabende, sagt Thomas Graap: "Eine Art kleine Pfarrkirche." Die Gemeinde kann sich auch vorstellen, das Haus für Feiern zu vermieten. Auf der Empore ist genügend Platz für eine Festtafel. Das Kirchenschiff kann als Ballsaal herhalten. Für 40 oder 50 Gäste reicht der Platz aus, wie ein erster Test bewiesen hat. Die wenigen Bänke stammen aus der Kapelle der Ruppiner Kliniken, ein Krangener hat sie gerade von der alten Farbe befreit. Sie lassen sich schnell wegräumen, ebenso die Stühle. In diesem Jahr sollen unbedingt Toiletten für Besucher eingebaut werden. Auch eine Teeküche und eine Heizung, damit das Haus nicht nur im Sommer nutzbar ist. Vor einigen Jahren gab es noch die Idee, die Altarwand zu versetzen und dadurch einen größeren beheizbaren Gemeinderaum zu schaffen. Davon haben sich Gemeindekirchenrat und Verein verabschiedet. Das würde nur die Atmosphäre des ganzen Baus zerstören. Etwas mehr als 40 000 Euro stehen zur Verfügung, die müssen erst einmal reichen. Vereins-chef Thomas Graap ist überzeugt, dass sich damit einiges bewegen lässt.

Der Förderverein will sich im neuen Jahr wieder öfter treffen; wenigstens einmal im Quartal, um an den weiteren Plänen zu feilen. Im Januar soll ein ordentliches Jahresprogramm entworfen werden. Und irgendwann soll auch der Sternenhimmel wieder erstehen. (Von Reyk Grunow)

Märkische Allgemeine vom 27. Dezember 2012

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