Holzwurm frisst sich durch die Gosener Kirche

Gosen (MOZ) Wer sich in der Gosener Dorfkirche umschaut, sieht gleich: Das Gotteshaus ist in die Jahre gekommen und macht aus seinen Wehwehchen kein Hehl. Offenbar hat dem Gebäude vor allem Feuchtigkeit kräftig zugesetzt - am Mauerwerk aber auch an der Decke im Inneren sind die großflächigen Spuren unübersehbar.

 
Kern-Aussage: Jörg Schulz misst den Widerstand bei einer Bohrung durchs Holz. So weiß er, ob der Balken innen fault. © MOZ

Seit 2008 kümmert sich der Förderverein darum, Geld zu sammeln, damit das Gotteshaus Schritt für Schritt wieder herausgeputzt werden kann und nicht dem Verfall Preis gegeben bleibt. Dank privater Spenden, aber auch der Kirche und der Kommune seien seither 60 000 Euro investiert worden, so der stellvertretende Vereinsvorsitzende Thomas Schölzchen. Auch beim jüngsten Projekt hat die Gemeinde mit 3000 Euro finanzielle Schützenhilfe geleistet. Da das Gebälk und alle anderen hölzernen Elemente - vom Gestühl über die Dinse-Orgel, einschließlich der Pfeifen, bis hin zum Altar - Schäden vermuten lassen, soll ein Holzgutachter das Ausmaß bestimmen und Möglichkeiten aufzeigen, wie darauf zu reagieren ist.

Die Untersuchung wird von einem Bauingenieur vorgenommen - Jörg Schulz aus Frankfurt (Oder). Da der Holzanteil an dem Gotteshaus, das 1914 eingeweiht wurde, sehr hoch ist, ist es für den Sachverständigen mit einem Vorort-Termin nicht getan. Er steckt mitten in der Bestandsaufnahme. Er sucht nach Spuren des Holzbockkäfers und anderer Insekten, nach Feuchtigkeit und Pilzen. Besonders tückisch sei die Kernfäule, die äußerlich nicht sichtbar ist, die Stabilität aber mindert. Deshalb kommt ein sogenanntes Bohrwiderstands-Messgerät zum Einsatz. Die Druckmessung lässt Rückschlüsse auf die Holzfestigkeit zu.

Liegt das Gutachten vor, können weitere Schritte eingeleitet werden. Schölzchen rechnet damit, dass die Sanierung der denkmalgeschützten Kirche mindestens bis 2020 andauern wird. Eine halbe Million Euro wird das Projekt mindestens kosten. Zuerst müsse der Turm hergerichtet werden, dann die äußere und die innere Fassade. Die Holzarbeiten sieht er als vordringlichste Aufgabe. Da die Kirche seit 2011 mit einer neuen Heizung versehen und damit trocken und ganzjährig nutzbar ist, kann der Verein bei kulturellen Veranstaltungen weiter fleißig Spenden sammeln. "Denn die großen Brocken liegen noch vor uns."

Märkische Oderzeitung vom 25. Dezember 2012

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