Himmlische Botschaft

Taufengel zieht nach Restaurierung aus Berliner Stadtmuseum in die Patronatskirche

SCHULZENDORF - Es könnte für viele Schulzendorfer das schönste Geschenk zu Weihnachten sein: Der Taufengel für die Patronatskirche wird kommen!

Zwar hätte er eigentlich schon zu diesem Fest über der Kanzel an der Decke schweben sollen, aber die Verhandlungen zwischen der Gemeinde Schulzendorf und dem Berliner Stadtmuseum verliefen zäh. Jetzt scheint das Haar aus der Suppe gefischt. Bürgermeister Markus Mücke verkündete diese Woche, dass die Gemeinde den Leihvertrag mit dem Stadtmuseum unterschreiben wird, sofern der Verein zur Wiederherstellung der Patronatskirche und des Dorfangers dem Vertragsinhalt zustimmt.

Vereinsvorsitzender Wilfried John hat sein "Ja" zum Vertragstext schon vor Tagen gegeben, zunächst mündlich, dann auch schriftlich. "Jetzt ist es an der Zeit, dass die Gemeinde Schulzendorf handelt und den Leihvertrag unterschreibt", so John.

Die Leihfrist wurde auf Wunsch der Gemeinde von zwei Jahren auf fünf erhöht, mit der Option, dann jeweils immer wieder um weitere fünf Jahre zu verlängern. Der Taufengel, der vom Ende des 17. Jahrhunderts stammt, soll in regelmäßigen Abständen von Fachleuten aus dem Berliner Stadtmuseum durchgecheckt werden. Bekommt ihm der Aufenthalt in der Patronatskirche, darf er bleiben.

"Der Verein hat alle Voraussetzungen dafür geschaffen", versichert Wilfried John. In der ehemaligen Kirche waren Messungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit über einen längeren Zeitraum vorgenommen worden. "Die Bedingungen sind so, dass wir die historische Holzfigur frei hängen dürfen", freut sich der Vereinsvorsitzende. "Hätten wir um den Taufengel einen Glaskasten bauen müssen, dann hätten wir Abstand von der Leihe genommen. So aber freuen wir uns schon auf seine Ankunft im kommenden Jahr", sagt Vereinssprecherin Heidi Burmeister.

Rund 7000 Euro kostet die Restaurierung des Taufengels. Der Verein wird alles bezahlen. Selbst die Kosten für das erste Jahr der Versicherung es handelt sich um 50 Euro seien bereits von einer Privatperson gespendet worden. Vielleicht gibt es noch mehr Patronatskirchen-Enthusiasten, die diese jährlichen Versicherungs-Kosten übernehmen würden, damit die klamme Gemeinde Schulzendorf kein Geld ausgeben muss, erhoffen sich die Vereinsmitglieder.

Die Firma Matthias Schmerbach aus Falkensee steht für die Restaurierung des Taufengels schon in den Startlöchern. Annett Schulz wird die Holzfigur unter ihre Fittiche nehmen. Dabei geht es nicht darum, aus Alt Neu zu machen. Vielmehr soll schonend restauriert werden, um den originalen Zustand zu erhalten. Möglicherweise werden im Gesicht des Engels, etwa an Nase und Mund, zarte Korrekturen vorgenommen.

Ursprünglich hatte der Herr von Gersdorf als Patronat die Kosten für Gut und Kirche übernommen. Damals gehörte auch jener Taufengel dazu. 18 Reichstaler und sechs Silbergroschen hat er gekostet. Rund 100 Jahre half der Engel bei den Kindstaufen. Dann kam er aus der Mode. (Von Andrea Müller)

Märkische Allgemeine vom 13. Dezember 2012

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