Hoffen auf den Sternenhimmel

Die Kirche in Liebenwalde soll innen restauriert werden / Kosten auf 600 000 Euro geschätzt

LIEBENWALDE - "Außen hui...", steht auf dem Flyer des Fördervereins Stadtkirche Liebenwalde. Zu Ende geführt wird das Zitat nicht, den Rest soll sich der Leser selbst denken. Doch die Aussage ist trotzdem klar: Während die Liebenwalder Kirche nach ihrer Außensanierung das Ortsbild mitprägt, ist der Innenraum dem Gebäude nicht würdig.

Wenn es warm werden soll, dröhnt die höllisch laute Holzheizung, die direkt im Kirchenraum steht. "An Heiligabend wird den ganzen Tag geheizt, damit wir es abends für ein bis zwei Stunden warm haben", erklärt Pfarrerin Barbara Fülle. Der einzige Vorteil: Sie ist günstig, schließlich kostet sie nur das Holz. Im Gegensatz zur Elektroheizung, die im abgetrennten Teil der Winterkirche steht: "Wenn die an ist, kann man den Stromzähler rasen sehen."

Eine neue Heizung ist nur einer von mehreren Wünschen, den Fülle und ihre Kollegen vom Förderverein für eine mögliche Sanierung und Restauration der von Baumeister Karl Friedrich Schinkel entworfenen Kirche haben. Die Idee für die neue Heizung: Neben beheizbaren Kirchenbänken könnten auch die alten Schinkel-Öfen reaktiviert werden. Einer steht im Kirchenraum, ein zweiter lagert demontiert im Schuppen. "Ich halte Schinkel für so einen genialen Baumeister, dass die beiden ausreichen könnten", sagt Fülle.

Ausreichend ist momentan allerdings nicht das Geld. Denn die Gemeinde und der Förderverein könnten momentan rund 25 000 Euro zusammentragen geschätzt werden die Kosten auf 600 000 Euro. "Was fehlt, sind solvente Spender", erklärt die Pfarrerin. Außerdem werde man sich um Fördermittel bemühen.

Wegen des Geldmangels würde die Restauration rund zehn Jahre dauern. Fülle hat auch schon eine Priorität: "Für mich persönlich muss die Apsis als Erstes gemacht werden, die ist ein Hingucker." Von der Decke über dem Altar blättert die Farbe ab, die in den 1970er-Jahren aufgebracht wurde.

"Die große Preisfrage ist: Was liegt darunter?" Fülle hofft auf den Schinkel-typischen Sternenhimmel. Pläne der Kirche hat sie bislang keine gefunden, ihre Hoffnung ist noch die TU Berlin, wo die Schinkel-Entwürfe lagern könnten. Aufschluss soll im kommenden Jahr ein restauratorisches Gutachten bringen, für das Fülle 10 000 Euro veranschlagt.

Auch neue elektrische Leitungen und ein Lichtkonzept sind geplant, mit dem zudem außerkirchliche Veranstaltungen angemessen ausgeleuchtet werden können. "Abgesehen von der Bedeutung für die Gemeinde ist die Kirche auch ein bedeutender Kulturort und auch in touristischer Hinsicht wichtig." Das soll auch am 1. Juni 2013 deutlich werden, wenn rund um die Kirche das Stadtfest zum 180-jährigen Bestehen des Stadtkerns gefeiert wird "auch um auf das Problem aufmerksam zu machen", sagt Fülle. (Von Stephan Henke)

Märkische Allgemeine vom 08. Dezember 2012

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