Schäden im Dach größer als erwartet

Hüllensanierung an der Stahnsdorfer Dorfkirche hat begonnen / Kirche setzt auf weitere Förderung

STAHNSDORF - Seltene Einsichten erlaubt derzeit die Stahnsdorfer Dorfkirche. Nachdem der Eichendachstuhl des Chores freigelegt ist, blickt man auf Gebälk, das vermutlich aus der Entstehungszeit der Kirche, also aus dem 13. Jahrhundert, stammt, erklärt die Architektin Sibylle Stich. Bei strahlend blauem Himmel arbeiteten die Dachdecker gestern mit Hochdruck am Kirchendach. "Pünktlich zum Weihnachtsfest soll die erste Phase dieses Bauabschnitts fertig sein, sodass wir ohne Beeinträchtigungen unsere Weihnachtsgottesdienste feiern könen", sagte Pfarrer Peter Edert, beim Rundgang, der hoch bis unters Dach der aus gehauenen Granitsteinen erbauten malerischen Kirche am Dorfanger führte.

Lange hatte man auf die Baugenehmigungen gewartet. Ende September konnten die Gewerke ausgeschrieben werden. Doch was den Zeitplan betrifft, dürfen Pfarrer und Kirchenbesucher wohl zuversichtlich sein. Bei klirrender Kälte hantierte die Stahnsdorfer Dachdeckermeisterin Kathrin Beyer-Soldan gestern mit sicherem Tritt im historischen Gebälk. Für sie und ihre Mitarbeiter offenbar kein Problem. Bei Sonnenschein und lauem Lüftchen bleibt die Dachdeckerin auch bei Frost gelassen: "Wir haben schon bei minus 24 Grad gearbeitet dann wird das Material allerdings ein wenig sperrig."

75 000 Euro hat die Gemeinde Stahnsdorf für 2012 zur Verfügung gestellt. 65 000 Euro kommen aus dem Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf und 5000 Euro vom Förderverein der evangelischen Kirchengemeinde. Pfarrer Edert hofft nun, dass auch im Stahnsdorfer Haushalt 2013 die angepeilten weiteren 75 000 Euro "wieder über alle Fraktionen" hinweg gut geheißen werden. Der Kirchenkreis hat bereits singnalisiert, noch einmal 50 000 Euro für die Hüllensanierung zu geben.

Denn mit dem Chor ist es nicht getan. Ab März oder April, je nach Wetterlage, ist das Kirchenschiff an der Reihe. Gutachten hatten ergeben, dass die Schäden im Dach der Kirche größer sind, als angenommen. Und weil in den 80er Jahren reichlich Holzschutzmittel zum Einsatz kamen, musste das komplette Dach erst einmal gründlich gereinigt werden, um die Handwerker nicht zu gefährden. "Letztlich handelt es sich um Substanzsicherung, und dafür war es hohe Zeit", sagt Edert. Insgesamt soll die Hüllensanierung von Chor, Schiff und Turm knapp 300 000 Euro kosten. Die Nachtspeicheröfen, echte Energiefresser, müssten eigentlich auch raus. "Doch das ist wohl eher Zukunftsmusik", da ist der Pfarrer Realist. Überlegenswert sei jedoch, in einem ersten Schritt, durch Dämmung der Kirchendecke, den Verlust der teuer erzeugten Wärme zu mindern.

Mit Bürgermeister Bernd Albers ist sich Edert sicher, dass die Kirche für alle Stahnsdorfer ein zentraler Ort in der Gemeinde ist. Für die einen ein Ort des gelebten Glaubens, für die anderen ein Anziehungspunkt und Wahrzeichen am schönen Anger in der Mitte der Gemeinde. Unterdessen steigt die Anzahl der Mitglieder der Kirchengemeinde Stahnsdorf stetig. 2400 sind es aktuell. Im Vergleich: 1989 waren es 950. In zwei Jahrgängen besuchen rund 80 Konfirmanden den Unterricht. Und zu Weihnachten hat der Pfarrer wieder viel zu tun. Fünf Gottesdienste wird es am Heiligabend in der beschaulichen Kirche geben. Dafür plant Architektin Sibylle Stich sogar eigens Türen zu installieren, die sich nach außen öffnen. Eine Sicherheitsmaßnahme, die künftig immer zu solch hohen Festen mit vielen Kirchgängern zum Einsatz kommen soll. (Von Konstanze Wild)

Märkische Allgemeine vom 08. Dezember 2012

   Zur Artikelübersicht