Neuer Halt für ein Stück Heimat

Dank vieler Spender konnten die schwersten Schäden an der Neuruppiner Klosterkirche beseitigt werden

NEURUPPIN - Staub und Schutt hatten das Schlimmste verdeckt. Architekt Stefan Winkler war selbst überrascht, was er zu sehen bekam, nachdem freiwillige Helfer den Unrat von Jahrhunderten entfernt hatten: Risse über Risse im Mauerwerk und im Gewölbe. Die Schäden an der Neuruppiner Klosterkirche waren sehr viel größer als angenommen.

Sie waren es, bevor die Bauarbeiter Mitte 2011 mit der Sanierung der schlimmsten Schäden am Neuruppiner Wahrzeichen begonnen hatten. Jetzt sind die Arbeiten so gut wie beendet. Das feierte die evangelische Gemeinde gestern mit einem Festgottesdienst. Die Predigt hielt Generalsuperintendentin Heilgard Asmus. 35 Jahre nach dem Festgottesdienst zum Abschluss der großen Sanierung 1977, der damals auch am ersten Advent gefeiert wurde.

Gut eine Million Euro hat die Gemeinde seit 2011 in die Klosterkirche gesteckt. Genau waren es 1 087 694,83 Euro, sagte Pfarrerin Ilona Kretzschmar. Bisher sei aber nicht alles abgerechnet, es werde noch etwas teurer.

Was genau mit dem Geld gemacht wurde, ist oft schwer oder gar nicht zu sehen, räumte Architekt Stefan Winkler ein. Die Abspannungen aus Stahl, die die auseinanderdriftenden Mauern des Chores zusammenziehen, verlaufen innerhalb der Wände. Sie sind von außen nicht einmal zu erahnen, aber ohne sie wären die Wände irgendwann wohl eingestürzt. Rund einen Kilometer Risse mussten die Bauarbeiter zudem sanieren. Und allein an den Türmen wurden 800 Quadratmeter Dach neu gedeckt.

Bürgermeister Jens-Peter Golde ist sicher, für die meisten Neuruppiner ist die Kirche "ein Stück Heimat", auch wenn sie nicht zum Gottesdienst kommen. Die Stadt Neuruppin unterstützte das Vorhaben deshalb mit 83 000 Euro aus der eigenen Kasse und besorgte 360 000 Euro Fördermittel. Weitere 250 000 Euro gab die befreundete badische Landeskirche, 150 000 Euro kamen vom Konsistorium der Landeskirche, 100 000 Euro vom Kirchenkreis. Und mehr als 161 000 Euro waren seit 2010 als Spende für die Kirche eingegangen. "Viel mehr als wir je erwartet hatten", sagt Ilona Kretzschmar. Für die große Unterstützung bedankte sich der Gemeindekirchenrat gestern überschwänglich.

Die Bauarbeiten haben die Kirche aber nicht nur gesichert. Sie haben auch neue Erkenntnisse gebracht. (Von Reyk Grunow)

Märkische Allgemeine vom 03. Dezember 2012

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