Auf dem richtigen Weg

Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Ferchesar stellte Sanierungskonzept vor

FERCHESAR - Nachdenklich wie selten verließen im Jahr 2005 nach dem Gottesdienst am Heiligabend viele Einwohner die Dorfkirche. Der Kirchenälteste von Ferchesar, Ralf Kuberski, hatte eine schockierende Nachricht verkündet. Die Dorfkirche könnte aufgrund ihres Bauzustandes geschlossen werden, hatte er ihnen mit auf den Heimweg gegeben. Ferchesar gehört zur Evangelischen Kirchengemeinde Westhavelland mit insgesamt 16 Gotteshäusern. Elf Architekturstudenten schauten sich in einer Semesterarbeit diese Kirchen genauer an, wie sie genutzt werden und wie ihr Bauzustand ist. Die Studenten kamen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass für alle 16 Kirchen erheblicher Sanierungsbedarf besteht. Auch die Kirche in Ferchesar kann gerettet werden, wenn sie nicht weiter dem Verfall preisgegeben wird.

"Die Kirche muss im Dorf bleiben!", ging ein Ruck durch Ferchesar vor sechs Jahren. Ebenso gab es aber die Realität, dass die Kirchengemeinde nicht das Geld hat, um alle Gotteshäuser sanieren zu lassen. In Ferchesar nahmen 16 Einwohner deshalb die Geschicke in ihre Hände und gründeten im Sommer 2006 den Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Ferchesar. Viele Veranstaltungen wurden seither organisiert, fast immer dabei ist der Heimatchor. Der Verein zum Erhalt alter Dorfkirchen im Land Brandenburg bedachte den Förderverein in Ferchesar mit einem Preis und einer 2500-Euro-Spende. Erste erwirtschaftete Eigenmittel und Spenden kamen dazu. Das Geld wurde genutzt, um ein Architektenbüro mit der Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes zu beauftragen. Der Förderverein selbst wurde bekannter. "Heute hat der Förderverein 28 Mitglieder", sagte Gründungsmitglied Bärbel Kolbatsch-Weremschuk am Samstag in der Kirche. In die Kirche eingeladen hatte der Förderverein zur Vorstellung des Sanierungskonzeptes. Etwa 50 Besucher waren gekommen, um sich zu informieren. "Wer von Ihnen uns zinslos 300 000 Euro geben möchte, melde sich bitte sofort", sagte Bärbel Kolbatsch-Weremschuk und hatte damit die Gesamtsumme für Sanierung genannt.

Es meldete sich natürlich niemand. Das hatte man von Seiten des Vorstandes des Fördervereins auch gar nicht erwartet. "Wir wollen aber die kommenden Wochen nutzen, um die Herzen der Menschen für Spenden zu öffnen, die uns helfen, notwendige Eigenmittel aufzubringen", meinte Mathias von Bredow, der die am Samstag freigeschaltete Internetseite des Fördervereins www.dorfkirche-ferchesar.de vorstellte.

Das Sanierungskonzept wurde von Detlef Zemlin erläutert. Der Turm solle als erstes saniert werden. "Das ist am wichtigsten", sagte Zemlin. Das Backsteinmauerwerk ist marode und das Putzgesims bröckelt. Das Dach, bestehend aus einer geschweiften Haube mit Schiefereindeckung und einer Laterne als Zwiebelturm mit Kupferblech gedeckt, ist undicht. Es regnet durch. Für den ersten Bauabschnitt sind 120 000 Euro aufzubringen.

Dafür sollen nun Fördermittelanträge gestellt werden. 30 000 will der Förderverein als Eigenmittel aufbringen und ist dafür auf Spenden angewiesen. Der Heimatchor gibt dafür auch wieder ein Adventskonzert am 9. Dezember um 14 Uhr in der Kirche.

Klappt alles, möchte man im nächsten Jahr mit dem ersten Bauabschnitt beginnen. Mit dem zweiten Bauabschnitt soll das Kirchenschiff erneuert werden. Der dritte und letzte Bauabschnitt sieht die Innensanierung vor. (Von Norbert Stein)

Märkische Allgemeine vom 26. November 2012

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