Der Turm im Turm

MAZ-Kirchenserie: Amtszeit des Pfarrers in Christinendorf ist auch Zeit des Bauens

CHRISTINENDORF - Die barocke Kirche aus dem Jahr 1754 auf dem Christinendorfer Anger steht an der Kurve der Bundesstraße 246. Alte Fundamente stammen aus dem 13. Jahrhundert. Sie macht einen gepflegten Eindruck hinter der Feldsteinmauer. Von Nahem sieht man, dass der Putz an manchen Stellen schadhaft ist und die Fenster dringend Farbe brauchen. Letzteres haben die Christinendorfer zurzeit im Blick und wie immer "im Vertrauen auf Gott", erklärt Pfarrer Stephan Michalsky, der im Pfarrhaus gegenüber wohnt. Denn obwohl seine Gemeinde kein Geldsäckel habe, hätte sich immer eine gute Lösung gefunden ein hilfsbereiter Handwerker, ein mildtätiger Spender wenn ihr "die Dinge auf den Fuß gefallen" seien.

Getreu der alten Tradition, dass, wenn das Wirtschaftsjahr gut gelaufen wäre, man etwas abgeben könne, bekommt die Kirche auf diesem Wege demnächst die Hilfe von Maler und Schlosser. "Und wenn anderswo gespart wird, rückt die Erneuerung des Orgelprospekts wieder in den Bereich des Machbaren", freut sich Michalsky. Das Kircheninnere, durch den Turmraum erreichbar, zeigt sich hell, sauber in grau und blau gehalten und überraschend großzügig. Blickfang ist das farbige "Christusfenster" gegenüber, vor dem ein schlichter Altar steht, links daneben die hölzerne Kanzel. Sie war einst Teil eines mittigen Kanzelaltars, dessen Umbau 1960 einer von vielen in der Vergangenheit war. Die umlaufende Empore hatte früher zwei Etagen. Zu viel Platz, denn nur ein kleiner Teil der 400 Gemeindeglieder, Gadsdorf und Lüdersdorf sind eingekircht, kommen regelmäßig. Da die Empore verkürzt und die obere abgebaut wurde, sieht die Remler-Orgel "gestutzt" aus. Deren Zink-Blei-Pfeifen mussten im 1.Weltkrieg abgeliefert und gegen billige getauscht werden. Bessere Orgelpfeifen würden das Instrument, das 2009 saniert wurde, wieder optimal klingen lassen. Als Michalsky 2002 hierher kam, lief eine umfangreiche Schwammsanierung am linken Kirchenschiff. Sechs Jahre später war er selbst mit dem gleichen Problem an der rechten Seite konfrontiert. Als Ursache stieß man auf den unsachgemäß zugemauerten Keller, der heute ständig belüftet und von Fledermäusen bewohnt ist. Die alte Winterkirche darüber hat als solche ausgedient, denn das Kirchengestühl ist nun beheizbar.

Eine große Herausforderung stand 2005 vor den zehn Kirchenältesten. Der Turm zerbröselte von innen: Ein ursprünglicher Holzturm war mit Holzverkleidung zu einem Barockturm umgestaltet worden, später wurde Mauerwerk davor gesetzt. Die inneren Balken des "Doppelturms" konnte man 2005 als Sägemehl raustragen. Inzwischen sind Hölzer und Mauerwerk erneuert. Auf dem Dach grüßt eine der drei noch erhaltenen Wetterfahnen in Form eines Fischs.

Von den vier elektrisch betriebenen Glocken im Turm sind zwei originale, zwei 1969 in Apolda gegossene. Im Gemeindeleben heute sind die "ewig ehernen" Kreise nicht groß nachgefragt, ist die Erfahrung des Pfarrers. Die Christenlehre mittwochs, die Sitzung der Kirchenältesten sowie Frauen- und Seniorenkreis, allesamt im Pfarrhaus, sind die Ausnahme. Die Gemeinde bewegt sich entlang eigener Punkte im Kirchenjahr: Adventsfeier, Spätchristvesper, drei Konzerte, Weihnachtsfeier der Ältesten. Das große Chorkonzert am 4. Advent dem einzigen Termin, an dem seit 2002 die Kirche richtig voll ist lockt hiesige und Lüdersdorfer Bürger mit Musik, Glühwein und Schmalzstullen. (Von Andrea von Fournier)

Märkische Allgemeine vom 22. November 2012

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