Neue Turmspitze: Förderverein setzt auch auf ehemalige Perleberger

Von: Dieter Brumm

    
Jacobi heute: Ein einfaches Satteldach deckt den Turm aus Backstein.
Brumm
Maroder Aufstieg: Vereinsvorsitzender Herbert Dreifke.So soll die neue Spitze aussehen.

Es ist eine große Vision, doch Herbert Dreifke und seine Mitstreiter sind fest davon überzeugt, dass sie Realität wird: Eine neue Turmspitze für die Perleberger Kirche!

Vor zwei Jahren wurde der Förderverein "Kirchturmspitze St. Jacobi" gegründet, um die Finanzierung eines neuen Turmaufbaus samt Glocken und Spitze anzuschieben. "Die Kirche ist das Symbol unserer Heimatstadt. Doch es fehlt die Spitze, die durch den Brand vernichtet wurde."

Es war ein Feuer, das sich tief in die Seele der Perleberger einbrannte. Am 27. November 1906, frühmorgens um 6 Uhr, sahen zwei Postbeamte riesige Flammen aus dem Kirchturm schlagen. Es entwickelte sich eine enorme Hitze _ - und die Glocken läuteten ihr eigenes Ende. Die Brandursache ist bis heute nicht geklärt, Hauptverdächtiger bleibt der Uhrmacherlehrling, der beim Aufziehen der Uhr geraucht haben soll. Noch heute lassen verkohlte Balkenreste erahnen, wie das Feuer gewütet haben muss.

Seit dieser Katastrophe deckt ein einfaches Satteldach den Turm aus Backstein, führt eine Nottreppe hinauf. Und die fünf zerstörten Bronzeglocken wurden durch zwei aus Eisenhartguss ersetzt. "Die klingen überhaupt nicht mehr, sind kaum noch in der Stadt zu hören", erklärt Herbert Dreifke. Dies liegt an den zahl reichen Lufteinschlüssen im Eisen, die Glocken rosten im Innern. Zudem müssen alle mechanischen Teile des Glockenwerks erneuert werden.

Der Aufstieg in den 40 Meter hohen Turm ist kein leichtes Unterfangen, da die Treppe marode ist. So muss auch der gesamte Aufstieg so erneuert werden, damit auch Touristen den Turm besteigen können. Denn nach der geplanten Wiederherstellung des Turms hätten die Gäste einen herrlichen Blick über das Rathaus, den Marktplatz - die ganze Stadt. Heute reicht die Höhe nicht aus, das Rathaus versperrt die Sicht. "Unser Projekt ist deshalb auch touristisch von großer Bedeutung, zumal im Jahr mehr als 10 000 Besucher in die Kirche kommen", betont Dreifke.

Doch bis zur Realisierung ist es noch ein weiter Weg. Zurzeit ist der Verein bemüht, das Geld für die Projektierung aufzubringen. Für die gesamte Maßnahme dürften nach groben Schätzungen zwischen 600 000 und 800 000 Euro notwendig sein. Etwa 100 000 Euro Eigenmittel müssten wohl aufgebracht werden, um an entsprechende Fördermittel zu gelangen. Für den Förderverein eine große Herausforderung, eine Zwischenbilanz soll auf der Mitgliederversammlung in der kommenden Woche gezogen werden.

Wie viele Spenden in diesem Jahr eingegangen sind, möchte Dreifke deshalb nicht vorwegnehmen. "Wir sind auf dem guten Weg", sagt der Vorsitzende, stellt aber gleichzeitig fest: "Die Bürger sind zurückhaltend mit Spenden, obwohl sie für das Projekt sind." Dabei drängt die Zeit, denn Förderverein und Kirche würden die neue Turmspitze samt Glockengeläut gerne am 27. November 2016 einweihen - genau 100 Jahre nach der Feuerkatastrophe.

Es sei jetzt die Aufgabe des Vereins, mehr Menschen für das Projekt zu gewinnen, meint Dreifke. Dabei denkt der Vorsitzende auch an die vielen ehema ligen Perleberger, die vor 1961 oder nach der Wende ihre Heimatstadt verließen. Er setzt darauf, auch bei ihnen das "Heimat gefühl aktivieren" zu können. Denn schließlich sei die Kirche der Mittelpunkt der Stadt. Dies zeigt sich besonders in der Weihnachtszeit, wenn der Bläserchor im Turm seine Konzerte gibt. Heute verhallen die Töne teilweise, sind in einigen Ecken der Stadt kaum zu hören. Von einer neuen Turmspitze aus würden die Bläser wieder in ganz Perleberg zu hören sein.

Spenden:
Sparkasse Prignitz; Konto: 1010000183, BLZ 16050101.
Volks- und Raiffeisenbank Prignitz; Konto: 2047535, BLZ 16060122.

Die Dokumentation zum Projekt ist für drei Euro unter anderem in der Kirche erhältlich. In der Stadt stehen unter anderem in Geschäften zehn kleine Kirchen aus Ton als Sammelbüchsen.

Weitere Infos unter www.turmspitze-perleberg.de

Der Prignitzer vom 17. November 2012

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