Neuenhagener Kirche erhält neues Dach

Neuenhagen (Lkrs. Märkisch-Oderland, OT von Bad Freienwalde) (MOZ) Die Neuenhagener Kirche erhält ein weitgehend neues Dach. Der Sturm von 20. August richtete am Gotteshaus hohen Schaden an, den Dachdeckermeister Dirk Gühlisch sowie seine Mitarbeiter Peter Gühlisch und André Naumann derzeit beseitigen.

 
Dachdeckermeister Dirk Gülisch aus Bad Freienwalde deckt die eingebundene ungleichhüftige Kehle der Neuenhagener Kirche.
© Sören Tetzlaff

Dirk Gühlisch, dessen Betrieb in Bad Freienwalde beheimatet ist, sitzt auf einem provisorisch befestigten Brett in luftiger Höhe und bringt Biberschwänze nur mit einem Hammer in die benötigte Form. Der Dachdeckermeister erledigt die Filigranarbeit auf dem Kirchendach persönlich. Eine "eingebundene ungleichhüftige Kehle im Kronendach" ist die Herausforderung, die der Fachmann meistern muss.

Die Neuenhagener Kirche ist auf den Längsseiten des Kirchenschiffs eingerüstet. Über die Rüstung gelangen die Dachdecker bis zum First, wo sie eine weiträumige Aussicht genießen. Dort hatte der Sturm ganze Arbeit geleistet. Er löste Mauersteine von über das Dach hinausragenden Türmchen und Vorsprüngen. Die Klinkersteine krachten auf die Dachflächen, zerschlugen die Biberschwänze und die Latten darunter. Besonders in Mitleidenschaft gezogen ist die Seite des Daches, die dem Schloss Uchtenhagen zugewandt ist.

"Eine Dachfläche des Kirchenschiffs von 200 Quadratmetern müssen wir komplett neu decken", sagte Dirk Gühlisch. Dort sind alle Dachziegel inzwischen abgeräumt worden. Die Mitarbeiter mussten beschädigte Dachlatten stückweise entfernen und durch neue ersetzen.

Auf der anderen Seite zerschlugen die Steine die eingebundene ungleichhüftige Kehle. Dort laufen zwei Dächer der vorgebauten Sakristei des Gotteshauses rechtwinklig zusammen. Der Laie sieht eine Art Rinne - die Kehle, die Dirk Gühlisch mit speziellen Kirchenbiberschwänzen neu eindeckt. Dort waren die vom Sturm gelösten Mauersteine heruntergerollt und die Dachziegel zerschlagen.

Weil sich Biberschwänze bekanntermaßen nicht biegen lassen, obliegt es dem Dachdeckermeister, sie zuzuschneiden und in einem bestimmten Muster zu verlegen, sodass Regenwasser geregelt nach unten geleitet wird. "So eine Arbeit ist durchaus eine besondere Herausforderung, das machen wir vielleicht alle zwei Jahre. Sie gehört aber zum Handwerk dazu", erklärte der Dachdeckermeister.

Bei der Neuenhagener Kirche werden die Biberschwänze nicht mithilfe der vorgefertigten Löcher an die Dachlatten genagelt, sondern mit Mörtel befestigt. "Dies verlangt der Denkmalschutz", erklärte Dirk Gühlisch. Drei bis vier Wochen werde es schon dauern, bis die Arbeiten erledigt sein werden. Gleichzeitig müssen die Dachdecker die Mauersteine, die sich durch den Sturm gelockert haben, wieder befestigen.

Welche Schäden die Kirchengemeinde wegen des Orkans noch an dem Gotteshaus zu beklagen hatte, war gestern nicht mehr zu erfahren. Die für die Inselgemeinde Neuenhagen verantwortliche Altglietzener Pfarrerin Susanne Heine war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Das Kirchendach war zuletzt 1960 erneuert worden, berichtet die vom Land Brandenburg herausgebende Denkmaltopografie für den nordöstlichen Teil des Landkreises Märkisch-Oderland. Die Neuenhagener Kirche ist in der heutigen Form am 24. Oktober 1902 geweiht worden. 1896 hatte die Kirchengemeinde beschlossen, die Fachwerkkirche aus dem Jahr 1775 abzubrechen und neu zu bauen. Das Gotteshaus, das mit 500 Sitzplätzen ausgestattet ist, wurde im historisierenden Stil mit romanischen und gotischen Elemente gestaltet. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Turm zerstört. Die Schäden wurden erst zu Beginn der 1950er-Jahre beseitigt, 1953 wurde der Turm neu eingedeckt.

Märkische Oderzeitung vom 14. November 2012

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