Alte Ornamente überraschen die Sanierer

Neben der Orgelerneuerung geht es jetzt auch um die Instandsetzung des Innenraums der Schliebener Kirche

SCHLIEBEN Die Schliebener Kirche wird mehr und mehr zur Baustelle. Neben der bereits begonnenen Orgelerneuerung geht es jetzt auch um die Sanierung des Innenraums des Gotteshauses. Die Kirchengemeinde erhält dafür Fördermittel.

 
Jetzt sind die bisher über den Rundbögen des Orgelprospekts verdeckten Ornamente komplett sichtbar. Erwin Rohleder von der Mitteldeutschen Orgelbaufirma Voigt aus Bad Liebenwerda hat am gestrigen Dienstag die letzten Sperrholzplatten entfernt.
Foto: sk

Die Bewilligung der Gelder im Rahmen der integrierten ländlichen Entwicklung kam genau zum richtigen Zeitpunkt. "Eigentlich wollten wir zum Jahresende das erste, in der Bad Liebenwerdaer Orgelbauwerkstatt gereinigte und erneuerte Register wieder einbauen und beim Weihnachtsgottesdienst die Orgel zum ersten Mal nach langer Zeit wieder erklingen lassen. Aber das verschieben wir jetzt lieber um ein Jahr", sagt Pfarrer Dr. Stephan Schönfeld. Er selbst habe das Instrument während seiner Tätigkeit in Schlieben zwar noch nie spielen hören. Das eine Jahr, um das die "Wiedereinweihung" verschoben werden soll, könne er aber auch noch warten.

Denn das Warten hat einen guten Grund: Die begonnenen Sanierungsarbeiten im Inneren des Gotteshauses. "Dass wir dafür Geld bekommen, war nicht absehbar. Und für mich ist es ein glücklicher Zufall, dass es gerade jetzt ist", sagt er mit Blick auf die Orgel. Wäre die nämlich aufwendig gereinigt und gerade wieder eingebaut, wäre großer Aufwand nötig, um sie vor dem Bauschmutz zu schützen, der bei den anstehenden Arbeiten nicht zu umgehen ist. "Da lassen wir die Orgel lieber komplett ausgebaut und warten noch ein paar Monate", ist von ihm zu hören.

Der Anfang im Inneren der Schliebener Kirche ist bereits gemacht. Zu den ersten Arbeiten zählen das Verkürzen der Bänke, damit diese keinen Kontakt mehr zu den Wänden haben, und der Einbau von zwei Türen im Bereich der ersten Empore, wo bisher nur Decken hingen, um die Wärme im Gotteshaus zu halten.

"Der größte Teil der Arbeiten folgt dann im nächsten Jahr", kündigt Schönfeld an. Dazu gehören unter anderem das Erneuern der Elektroleitungen, der Einbau einer Beschallungsanlage und Putzarbeiten. 2014 folgen noch einige wenige Restarbeiten.

400 000 Euro sind an Gesamtkosten für diese über drei Jahre verteilte Baumaßnahme veranschlagt. Etwas mehr als die Hälfte kann die Kirchengemeinde über Fördermittel finanzieren. "Bei einem Teil der fälligen Eigenmittel hilft uns der Kirchenkreis", berichtet der Pfarrer.

Wie die Kirche nach Abschluss der Arbeiten genau aussehen wird, weiß er noch nicht. Das müsse in den nächsten Wochen geklärt werden. Schönfeld selbst favorisiert die Fassung um 1862, als auch die Einbauten von Gestühl, Empore und Trapezgewölbe erfolgten. Überraschungen sind bei solchen Sanierungsarbeiten bekanntlich nicht ausgeschlossen. Eine erste hat es gegeben, als beim Abbau der Orgelpfeifen die Ornamente im oberen Bereich des Prospekts entdeckt wurden. Zuvor waren diese von Sperrholzplatten verdeckt.

Bestimmter kann der Schliebener Pfarrer jedoch über die Zukunft der Orgel sprechen: "Ich gehe davon aus, dass die Arbeiten im Innenraum der Kirche im nächsten Jahr so weit voranschreiten, dass wir die Kirche selbst ab Pfingsten immer wieder mal nutzen und zu Weihnachten dann auch der Orgel die ersten Töne entlockt werden können."

Sylvia Kunze

Lausitzer Rundschau vom 07. November 2012

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