Schätze der Vergangenheit

Rüdnitz (mes) Die Luft in dem jahrhundertealten Gemäuer riecht nach Staub, Steinen und Vergangenheit. Umso strahlender ist der farbenprächtige Altar, vor dem Pfarrer Christoph Brust den Erntedank-Gottesdienst hält. Es ist Tag der offenen Tür in der Rüdnitzer Dorfkirche.

Farbenprächtig: Rita Krause erläutert den Besuchern den Altar der Rüdnitzer Kirche
© Renate Meli

Das ein wenig in Vergessenheit geratene Gotteshaus stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert und ist ein frühgotischer Feldsteinbau und damit das älteste erhaltene Bauwerk in Rüdnitz, das seine erste schriftliche Erwähnung als "Pecze Rudenicz" 1307 erfuhr. Seine frühen Bewohner waren vermutlich vor-reformatiorischen Glaubens. Hinter den dicken Mauern der Wehrkirche fanden sie Schutz und Zuflucht in Notzeiten.

"Mir liegt diese Kirche am Herzen", erzählt Rita Krause, die sich seit Jahrzehnten in Rüdnitz heimisch fühlt. Gerade macht sie eine Ausbildung zur Kirchenführerin. Als nach dem Gottesdienst zu Kaffee und Kuchen geladen wird, verteilt sie kleine Handzettel mit Fragen zur Kirche an die Besucher. Später versammeln sich die Interessenten vor dem wunderschönen Flügel-Altar aus dem 16. Jahrhundert um sie.

Von 2005 bis 2011 wurde der Altar denkmalgerecht renoviert. Unter dicken Farbschichten hatten Restauratoren Malereien freigelegt, die noch in ihrer einstigen Pracht erhalten geblieben waren. Der hölzerne Aufsatz stammt aus dem 17. Jahrhundert. Das spätgotische hölzerne Retabel von 1530, die darin befindlichen sieben Relieffiguren aber bereits von 1430. Weiterhin ist in der Predella eine Kopie des Abendmahls von Leonardo da Vinci abgebildet. Rita Krause weist auf den Triumphbogen der Kirche hin, an dessen eisernen Türangeln einst die Chorschranke befestigt war. "So war der kleine Raum den Geistlichen und Chorsängern vorbehalten. Das einfache Volk aber stand im Längsschiff, denn Kirchengestühl gab es vor der Reformation (1517) noch nicht. Bekanntlich übersetzte Martin Luther die Bibel erst in volksverständliche Sprache."

Das heutige Gestühl stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auch die polygone Sandstein-Kanzel aus dem 16. Jahrhundert ist einzigartig.

Doch an der Rüdnitzer Kirche hat der Zahn der Zeit genagt. Der 28 Meter hohe Turm aus dem 18. Jahrhundert wäre bereits eingestürzt ohne eine Betonverstärkung. Deshalb gründete sich im vergangenen Jahr ein Förderverein, dessen 13 Mitglieder sich das Ziel gestellt haben, die Kirche zu sanieren. "Vor allem der Turm und der Dachstuhl haben es dringend nötig", sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Klaus-Martin Lüttig. "Wir wollen die Kirche in der Öffentlichkeit besser bekannt machen, suchen noch Mitglieder, die uns unterstützen wollen und Sponsoren, um Mittel für die Sanierung einzubringen." Konzerte und Veranstaltungen sollen regelmäßig stattfinden.

Wer bei der Kirchensanierung helfen will, kann sich unter Tel.: 03338 704824, Herr Lüttig oder 03338 757763, Anette Pilawski, Vorsitzende des Fördervereins melden.

Märkische Oderzeitung vom 01. Oktober 2012

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