"Langer Atem" bis zum Ziel

Die Küstrinchener Dorfkirche erhält nun endlich ihren Außenputz. Am 15. September tritt das Theater in der Kirche mit Oskar Wildes "Bunbury" auf.

 
Am 15. September um 16 Uhr tritt das Theater in der Kirche mit Oscar Wildes Stück "Bunbury" in Küstrinchen auf. Bis dahin hat die Kirche vielleicht schon ihren neuen Außenputz.
Foto: Bernd Schilling

Küstrinchen (bs)

Wieder einmal zeigt sich dieser Tage die Küstrinchener Dorfkirche mit Baugerüst. Und wieder einmal ist es ein erfreulicher Anlass, der die Mitglieder des Fördervereins über diesen Zustand, selbst wenn er Einschnitte in der Kirchennutzung mit sich bringt, aufatmen lässt. Schon mehrere Jahre lang ist das Verputzen der Außenfront des Gotteshauses im Gespräch. Zuerst mehr als Wunsch, denn als Realität, weil ja "das nötige Kleingeld" aufgrund immer spärlicher fließender Fördermittel schwer aufzutreiben war. Doch Ende August nun konnte Vereinsvorsitzender Udo Gomoll endlich das Geldzählen aus Mitgliederbeiträgen, Spenden, Sponsorengeldern und Zuwendungen unter anderem von der Stiftung Maßwerk und vom Landkreis Uckermark ad acta legen. Baustart durch die Denkmalpflege GmbH Prenzlau sollte verständlicherweise so bald als möglich sein. Ganz so kam es dann aber doch nicht. Zwar ist das Geld für dieses letzte große Bauvorhaben bei der Rekonstruktion der Kirche in Höhe von rund 27000 Euro zusammengebracht worden, doch die Nachfrage der unteren Denkmalschutzbehörde, wie es denn um die Farbgebung des Außenputzes bestellt sei, verursachte Stirnrunzeln. An ein diesbezügliches fachliches Gutachten hatte man nicht gedacht. Statt Aufatmen und Baubeginn nun also gleich Baustopp und Frust.

Udo Gomoll arbeitete umgehend eine ganze Liste mit Gutachteradressen ab und wurde bei einem Berliner fündig. Der konnte relativ kurzfristig einen Termin zur Baubesichtigung anbieten, und zwar deshalb, weil er es von seinem Erholungsanwesen in der Uckermark nicht so weit nach Küstrinchen hat.

Da Bauarbeiten oftmals ein ganz besonderes Eigenleben entwickeln, hielt man sich seitens des Vereins auch mit einer Beteiligung am diesjährigen Tag des offenen Denkmals heute zurück. "Schließlich können wir Besuchern schlecht eine Baustelle anbieten", meint Udo Gomoll. Und noch nicht ganz sicher ist er auch, ob die nächstfolgende, langfristig geplante Veranstaltung mit oder ohne Baugerüst stattfinden wird.

Am Sonnabend, dem 15.September, um 16 Uhr tritt das Theater in der Kirche mit Oscar Wildes Stück "Bunbury" auf. Es ist der uckermarkweit einzige Auftritt des kleinen Ensembles und einer von insgesamt 15 an Kirchen-Spielorten in Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg in diesem Jahr.

Vieles vom Prozedere der engagierten Theatertruppe erinnert an eine Wanderbühne, die mit dem Wagen übers Land zieht. Flexibilität ist gefragt. Die Regisseurin verkabelt die Scheinwerfer, der Fahrer entpuppt sich als Technischer Leiter, und die Schauspieler platzieren versiert die mobile Bühne, bevor Wildes bekannteste Salonkomödie "Ernst muss man sein", die sich durch sprühenden Wortwitz und Situationskomik auszeichnet und elegant die Doppelmoral des viktorianischen Zeitalters aufs Korn nimmt, über die Bühne gehen kann. Dass das Ensemble bereits elf Jahre unterwegs hauptsächlich durch brandenburgische Dorfkirchen ist und dabei in diesem Herbst schon zum zehnten Mal in Küstrinchen Station macht, spricht wohl für den guten Draht zwischen Verein und Theaterleuten.

Eines hat Udo Gomoll in den Jahren seiner Vereinstätigkeit gelernt: Im November 2001 zur Gründungsversammlung des Fördervereins Dorfkirche Küstrinchen einigte man sich nach intensiver Debatte und Wegsuche auf die Rettung der barocken Dorfkirche von 1747, die durch jahrzehntelangen Verfall in ein ruinöses Nichts zusammenzubrechen drohte. Wenn schon damals allen 17, inzwischen 30 Vereinsmitgliedern eines klar war, dann dieses: Man würde einen "langen Atem" brauchen, um diesem Ziel näher zu kommen. Und den hatte man. 222 000 Euro wurden "verbaut", plus die jetzigen 27 000 für den Außenputz. In Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen in Berlin-Brandenburg hatte man nicht nur eine "Unruh" gefunden, die den Anstoß zur Vereinsgründung gab, sondern auch einen unentbehrlichen Ratgeber, dem die Küstrinchener Kirche sicherlich auch durch die "Schmerzen bei der Wiedergeburt" besonders ans Herz gewachsen ist. Erst vor Kurzem suchte er wieder mit einer Gruppe Kirchenexperten Küstrinchen und seine Kirche auf.

Nordkurier vom 08. September 2012

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