Gute Aussicht auf den Altar

Bergfelde Borgsdorf Hohen Neuendorf Stolpe (MZV) Für eine Kirche ist 150Jahre nicht unbedingt ein hohes Alter ein Grund zum Feiern ist das Jubiläum allemal. So wird das Pinnower Gotteshaus am Sonntag voll werden. Bis dahin legt ein Restaurator noch letzte Hand an die Säulen des Altars an.

  
Ein klassizistischer Entwurf des Geheimen Oberbaurats: Die Pinnower Kirche ist ein Stüler-Bau aus gelben Ziegeln.Der Blick ins vordere Kirchenschiff: Der Innenraum wird Stück für Stück saniert. Gerade ist die Vorderseite des Altars an der Reihe.
Fotos (2): Weißapfel

"Früher wurde die Inneneinrichtung von Kirchen fast wie am Fließband produziert", weiß Klaus Sokol, der Vorsitzende des Fördervereins der Pinnower Kirche. Das ist heute anders. Inzwischen steht auch die damalige "Massenware" unter Denkmalschutz. Gerade kniet Manfred Klepka vor dem Altar. Der Berliner Restaurator passt in vorsichtiger Kleinarbeit die nachgebauten Säulen und Kapitelle aus Beton ein. Am Sonntag soll der Altar zur Geburtstagsfeier der Kirche wieder hübsch anzusehen sein.

"Ursprünglich haben die Säulen den Altar getragen", sagt der 59-jährige Restaurator. Mit der späteren massiven Ausformung des Altars fiel diese Funktion weg. Es ist Manfred Klepkas erste Arbeit für die Pinnower Kirche. Dort ist sonst meistens sein Kollege Ulrich Schneider anzutreffen. Er hat aber zusätzlich mit der Restaurierung einer Sacrower Stüler-Kirche viel zu tun, sagt Sokol. "Zum Glück ist die Quadrierung an der Ostwand vor einigen Tagen fertig geworden." Schließlich werden die Besucher am Sonntag vor allem nach vorne gucken. Ulrich Schneider hatte auch das Grabmal des Kirchenpatrons Caspar von Klitzing restauriert.

Eine wechselvolle Geschichte hat die Kirche in den 150Jahren erlebt, zum Glück steht sie überhaupt noch. Zu DDR-Zeiten sollte sie einmal abgerissen werden, was der damalige Gemeindekirchenrat aber abwenden konnte. 1970 wurde sie wegen Baufälligkeit geschlossen. Nach der Wende flossen dann 600000Mark in die Sanierung von Turm und Dach. Der 2002 gegründete Förderverein führt die schrittweise Instandsetzung fort. Die Stadt Hohen Neuendorf gab einmal 10 000 und einmal 5000 Euro aus dem Haushalt dazu. Die Geschichte der Sanierungen ist auch anhand einer Stelltafel nachzuvollziehen, die der Architekt Wolfgang Thumann vorbereitet hat.

Pünktlich zum Jubiläum ist eine neue Broschüre erschienen: Die Chronik der Dorfkirche in Pinnow. "Wir hoffen ja, dass sie bald veraltet sein wird", sagt Klaus Sokol lächelnd mit Blick auf weitere anstehende Restaurierungen, die den Innenraum allmählich in ein Schmuckstück verwandeln sollen. Ein Teil der rechten Wand ist bereits für die nächsten Fächer im Marmor-Look vorgezeichnet. Einige der Felder sind auch schon an Spender "verkauft". Immer wenn das Geld reicht, wird weiter saniert. Eines Tages wird vielleicht die Rosette unterm Dach wieder in voller Schönheit zu sehen sein, die vor 150Jahren auf die Giebelwand aufgetragen worden ist.

Die Broschüre enthält viele Informationen und interessante Ansichten, die nicht veralten. Regina Schirlitz hat die Texte verfasst, Karl Lehmann das Heft gestaltet. Dort wird in kurzen Zügen die Kirchengeschichte von Pinnow und Borgsdorf beschrieben, ebenso die Vorgängerkirchen des Stüler-Baus sowie dieser selbst. Auf einem Foto ist zu erkennen, dass der Altarraum Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mit einem Himmelsgewölbe, sondern in Fächer aufgeteilt war.

Der Förderverein hat die Broschüre in einer Auflage von 300Stück drucken lassen. Für drei Euro kann ein Exemplar erworben werden.

Die Geburtstagsfeier mit der Borgsdorfer Kirchengemeinde sowie geladenen Gästen und allen Interessierten beginnt am kommenden Sonntag um 11Uhr mit einem Festgottesdienst. Superintendent Martin Kirchner und Pfarrerin Alke Witte gestalten die Predigt. "Alle können anschließend aber gleich dableiben", lädt Klaus Sokol ein. Aus der Gulaschkanone gibt es eine Stärkung. Ab 13Uhr spielt dann der Bergfelder Bläserchor.

Um 16Uhr findet das Festkonzert mit dem Berlin-Brandenburgischen Sinfonieorchester unter der Leitung von Ullrich Metzger statt. Als Solisten konnte Klaus Sokol die Violinistin Cornelia Gartemann und die aus Birkenwerder stammende Mezzosopranistin Karen Reifenstein gewinnen. Der Gemeindekirchenchor von Borgsdorf singt unter der Leitung von Heike Sander. Es wird auch das "Halleluja" von Händel erklingen. Klaus Sokol freut sich, wenn viele mitsingen.

Märkische Oderzeitung vom 05. September 2012

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