"Schon fünf vor zwölf"

Förderverein zum Kirchenerhalt jetzt in Dranse gegründet / Architekt und Nutzungskonzept vordringlich

DRANSE - "Hier riecht es nicht mehr muffig. Das ist ein gutes Zeichen." Mit diesen Worten betritt Ortsvorsteher Karl Gärtner die große Kirche in Dranse. Die Gründungsmitglieder vom neuen Förderverein zum Kirchenerhalt in Dranse, Vorstandsmitglieder von der Kirchengemeinde und Unterstützer haben sich eingefunden. Es geht um die Zukunft des Bauwerks. Durch frühere Sanierungen der Bedachung und aller Kirchenfenster ist das Bauwerk zwar schon gesichert, doch in der Kirche bröckelt großflächig der Putz und der Dachstuhl muss dringend repariert werden. Es ist jedoch nicht der Bauzustand, es sind die Rahmenbedingungen, die sich für Fördermittelantragsteller jetzt dramatisch verschlechtern. Deshalb muss sich Dranse nun beeilen, wenn sich der Förderverein noch Chancen auf Geldzuschüsse aus verschiedenen Fördertöpfen beim Leaderverein und bei kirchlichen Stiftungen und Geldgebern bewahren will. "Mit dem gegründeten Förderverein ist die Initialzündung eingeleitet", sagt Ortsvorsteher Karl Gärtner. Bis zu einem Sanierungsbeginn ist aber noch viel Vorbereitungsarbeit zu erledigen.

"Es ist schon fünf vor Zwölf", sagt Wolf-Dietrich Meyer-Rath, Regionalbetreuer für die Prignitz und die Ostprignitz im Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. "Hier wird jetzt ganz dringend ein Architekt gebraucht, der zunächst ein Schadensgutachten erarbeitet und die Kosten ermittelt. Das kirchliche Bauamt muss einbezogen werden", sagt Meyer-Rath. Er rät dem neuen Förderverein, sich auch um einen Förderpreis beim Förderkreis alte Kirchen zu bewerben, das könnte das Startkapital für den Verein sein. Auch das Netzwerk kirchlicher Stiftungen sollte angezapft werden und ein Fördermittelantrag an den Leader-Vorstand muss schon bald gestellt sein. Nur in diesem Jahr würden solche Vorhaben noch bei der Vergabe berücksichtigt, wenn es ein überzeugendes Nutzungskonzept für die Zeit nach der Sanierung gibt. Ähnlich stehe es auch bei kirchlichen Fördermittelvergaben und dort gibt es sogar die Vorgabe, dass vorrangig die kirchliche Nutzung dargestellt sein muss. Vier Gottesdienste im Jahr alleine würden dafür nicht ausreichen. "Es gibt Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Veranstaltungen, die angemessen im Charakter sind und in die Kirche passen würden", unterstützt Meyer-Rath Ideen von erweiterten Nutzungsmöglichkeiten. "In Dranse ist es jetzt aller höchste Zeit, zu beginnen. Sie haben einen Förderverein, fangen Sie an", sagt der Berater.

Ingeborg Ruge von der Kirchengemeinde "Dranser Land" aus Sewekow ermuntert den Förderverein, schon vor der Sanierung sofort mehr in dieser Kirche zu veranstalten. Dass nur in der St.-Marienkirche in Wittstock ein zentrales Erntedankfest für alle Kirchengemeinden stattfindet, ist ihr nicht recht. "Wir sind die Kirchengemeinde Dranser Land. Mit Berlinchen, Schweinrich, Sewekow und Dranse waren wir einst ein Pfarrsprengel mit eigenem Pastor. In Dranse steht unsere Mutterkirche und unsere Dörfer haben einen wirklichen Bezug zum Landleben. Wir sollten hier in Dranse einen eigenen Erntedank feiern", sagt die Kirchenälteste aus Sewekow. Auch die musikalischen Veranstaltungen von Pastorin Christine Semper würden ebenfalls gut hierher passen und Künstler könnten hier auch ausstellen. In diesem Jahr richtet Dranse den nächsten gemeinsamen Weihnachtsmarkt für die anderen Dörfer Berlinchen und Sewekow, an der Kirche aus. Inzwischen werden Förderanträge und Konzepte erarbeitet und jetzt wird für Spenden geworben. Alle sind sich einig, dass die Kirche in Dranse bestehen bleibt..

Spenden beim Förderverein zum Erhalt der Dranser Kirche für die Eigenmittelbeschaffung zur Kirchensanierung gegen Quittung und weitere Informationen zum Vorhaben bei Anke Tusche in Dranse, 033966/ 5 08 58. (Von Gerd-Peter Diederich)

Sehr spät gestartet

Nichts unversucht lassen, Sponsoren zu gewinnen, meint Gerd-Peter Diederich

Am nächsten Sonntag wird in viele Kirchen eingeladen, dann findet der landesweite Tag des offenen Denkmals mit dem Leitthema "Holz" statt. Die große Kirche in Dranse ist in dem Veranstaltungs-Fahrplan für diese Veranstaltung noch nicht aufgenommen. dabei hat auch sie in Sachen einiges Sehenswerte aus Holz zu bieten.

Jetzt gibt es einen Förderverein, der die dritte Etappe zum Erhalt der imposanten Dorfkirche, die auch noch immer als Mutterkirche im ursprünglichen Pfarrsprengel von den Mitgliedern der Kirchengemeinde Dranse/Berlinchen/Schweinrich/Sewekow in der Erinnerung fortlebt. Bislang wurde seit 1993 in Etappen die Hülle gesichert. Da war Fördergeld noch leichter zu bekommen und Amtshaushalte hatten auch noch Geld für die Eigenmittel übrig. Daher ging es auch ohne Förderverein. Die Innensanierung wird nicht billiger sein, aber Förderbedingungen sind erschwert, Fristen eng gesetzt und die Mittel verknappt. Für Eigenmittel wird nun das eigene Portemonnaie herhalten müssen, Sponsoren müssen überzeugt werden.

Leichter wäre es gewesen, der Förderverein hätte sich früher gegründet und früher zur Fortsetzung der Sanierung entschlossen. Jedenfalls darf nun keine Chance mehr ausgelassen werden, auch kein Tag des offenen Denkmals.

Märkische Allgemeine vom 03. September 2012

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